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WM 2022: Ist Hansi Flick gescheitert? Die fünf wichtigsten Fragen nach dem WM-Debakel in Katar
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Publiziert 02/12/2022 um 17:35 GMT+1 Uhr
Mit dem zweiten Vorrunden-Aus bei einer Weltmeisterschaft in Folge befindet sich die deutsche Nationalmannschaft erneut auf einem historischen Tiefpunkt. Das krachende Scheitern in Katar hat viele Gesichter und stellt auch den Prozess der vergangenen vier Jahre infrage - immerhin steht die Heim-EM 2024 vor der Tür. Fünf Fragen, die nach dem Debakel von Katar gestellt werden müssen.
Kai Havertz und Co. schieden in Katar aus
Fotocredit: Getty Images
Zum Abschluss der WM-Gruppenphase erlebte Deutschland gegen Costa Rica eine emotionale Achterbahnfahrt (4:2).
Trotz eines Sieges stand die deutsche Nationalmannschaft am Ende vor einem Scherbenhaufen.
Zum zweiten Mal in Folge ist der viermalige Weltmeister krachend in der WM-Vorrunde gescheitert. Doch wie geht es für Bundestrainer Hansi Flick und Co. weiter? Und wie sieht die Zukunft des DFB-Teams aus?
Diese fünf Fragen müssen nach dem WM-Aus in Katar gestellt werden:
Ist Bundestrainer Hansi Flick bereits gescheitert?
Nein.
Vor 16 Monaten hat Hansi Flick das Amt des Bundestrainers übernommen. Als Coach des FC Bayern München hatte der 57-Jährige Fußball-Europa in den Jahren zuvor nahezu dominiert und wurde beim DFB zum neuen Heilsbringer auserkoren. Der Sprung zurück an die Weltspitze war nach den enttäuschenden Auftritten bei der WM 2018 und EM 2021 gefühlt zum Greifen nah.
19 Spiele später hat Fußball-Deutschland wieder jenen Tiefpunkt erreicht, den man eigentlich bereits verlassen haben wollte. Natürlich muss beim DFB die Sinnfrage gestellt werden - das Ende der (kurzen) Flick-Ära wäre jedoch ein voreiliger Schluss und nicht die richtige Antwort.
Das frühe WM-Aus kann an vielen Punkten festgemacht werden. Allein Flick die Schuld in die Schuhe zu schieben, wäre die falsche Herangehensweise. Immerhin unterscheidet sich der WM-K.o. in Katar grundlegend von jenem in Russland 2018.
Während das DFB-Team damals an fehlender Weiterentwicklung und wohl auch an einer gewissen Überheblichkeit gescheitert war, kann der abermalige Zusammenbruch der deutschen Fußball-Welt in Katar in Teilen durchaus als unglücklich bezeichnet werden.
"Das Aus kam nicht heute, das kam in den 20 Minuten gegen Japan. Auch gegen Spanien hätten wir noch gewinnen können", analysierte ein enttäuschter Flick in der "ARD". "Wir hatten keine Effizienz in diesem Turnier, und deshalb sind wir ausgeschieden."
Der DFB um Präsident Bernd Neuendorf wird in den kommenden Wochen erörtern, ob Flick und Oliver Bierhoff, Geschäftsführer Nationalmannschaften und Akademie, das Zeug dazu haben, das Fundament für eine erfolgreiche Zukunft zu legen.
Flick und Bierhoff müssen sich unangenehme Fragen gefallen lassen und im schlimmsten Fall mit erheblichen Konsequenzen rechnen. Die Zeit nach der EM 2021 hat aber gezeigt: Die Nationalmannschaft befand unter Flick zwischenzeitlich im Aufwind.
Lag es wirklich am fehlenden Stürmer?
Ja.
Niclas Füllkrug war die am heißesten diskutierte Personalie im deutschen Lager. Die Frage nach einem gestandenen Stürmer in der Startelf begleitete Flick über die gesamte Gruppenphase hinweg. Die richtigen Schlüsse zog der Bundestrainer aus den Erkenntnissen des Testspiels gegen den Oman und des verlorenen WM-Auftakts gegen Japan aber nicht.
Der deutsche Kader wartet zwar mit begnadeten Offensivkünstlern auf - allein ein Torjäger hat der Nationalmannschaft in den entscheidenden Momenten aber gefehlt. "Wir hatten ohne Ende Chancen", gestand sich Flick selbst ein. Chancen, die ein ausgebildeter Neuner hätte verwerten können.
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Niclas Füllkrug bei der WM 2022 im Trikot der Nationalmannschaft
Fotocredit: SID
Mit seinem Tor gegen Spanien schoss sich Füllkrug urplötzlich ins Rampenlicht und erfüllte jene Erwartungen, die eigentlich an den verletzungsbedingt ausgefallenen Timo Werner gestellt wurden. Forderungen nach einer Startelf-Nominierung des Bremers gegen Costa Rica wurden zwar laut - aber viel zu spät. Das DFB-Team hatte da sein Schicksal bereits lange nicht mehr selbst in der Hand.
Die Stürmerfrage ist eine Problematik, die Flick bis zur Heim-EM 2024 unter Kontrolle bringen muss. Das WM-Aus hat gezeigt: Diese Position ist notwendig und sollte in Zukunft nicht mehr zur Debatte stehen.
Braucht es einen Abwehr-Umbruch?
Ja.
Der deutsche Defensivverbund stellt eine weitere bedenkliche Baustelle dar. Vor allem die Position des Rechtsverteidigers erwies sich als enormer Schwachpunkt. Mit Niklas Süle, Thilo Kehrer und Joshua Kimmich setzte Flick in der Gruppenphase gleich auf drei verschiedene Außenspieler. Kontinuität sieht anders.
Das Abwehrzentrum um Antonio Rüdiger, Nico Schlotterbeck und Süle fiel indes vor allem aufgrund teils fataler Aussetzer auf. "Unsere Abwehr hat mit Weltspitze nichts mehr zu tun", brachte es Eurosport-Experte Holger Badstuber in seiner Kolumne treffend auf den Punkt. "Nicht mal mit europäischer Spitze."
Über den gesamten Turnierverlauf hinweg fehlte die Absprache, der Zusammenhalt im Abwehrblock. Qualitäten, die in den Jahren zuvor - auch aufgrund des berüchtigten Bayern-Blocks - noch vorhanden waren.
Flick muss zu einer festen Abwehrreihe finden. Bislang fehlt es in der Hinterreihe an Überzeugung. Und damit auch an Potenzial für die absolute Spitze.
Hat dieser Kader eine (erfolgreiche) Zukunft?
Ja.
Jamal Musiala war der größte Lichtblick beim düsteren Niedergang der deutschen Nationalmannschaft im Wüstenstaat. Der 19-Jährige knüpfte an seinen Erfolgslauf beim FC Bayern an und machte den Fans zumindest ein bisschen Hoffnung für die Zukunft.
Der restliche Kader darf aber nicht als Totalausfall abgestempelt werden. Mit Manuel Neuer, Kai Havertz, Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Serge Gnabry, Leroy Sané und Ilkay Gündogan verfügt das DFB-Team gleich über mehrere Weltklassespieler.
"Bei den Belgiern hat man wirklich das Gefühl, dass eine goldene Generation zu Ende geht. Wir aber haben Spieler wie Jamal Musiala, Florian Wirtz, Kai Havertz und Leroy Sané, nach denen sich andere Nationen die Finger lecken würden", stellte sich der ehemalige Bundestrainer Rudi Völler schützend vor den DFB-Kader und rückte den Fokus auch auf die aufstrebenden DFB-Talente. "Das sind wunderbare Spieler, hier ist genug Qualität vorhanden."
Grund zur Panik gibt es also nicht. Nichtsdestotrotz steht Flick und Co. eine schwierige Aufgabe bevor. Um erneut erfolgreich zu spielen, müssen die beiden Spieler-Generationen vereint werden. Der mögliche Abschied von Thomas Müller, der stets ein wichtiger Bestandteil der Achse innerhalb des Teams war, könnte diesen Prozess deutlich erschweren.
Gibt es Hoffnung für die Heim-EM 2024?
Ja.
Es wäre vermessen, die deutsche Nationalmannschaft zu den Titelkandidaten zu zählen. Wie die Aussagen von Völler aber aufzeigen, befindet sich nicht nur Deutschland in einer Sinnkrise.
Neben dem DFB-Team haben auch Top-Nationen wie Belgien (Gruppen-Aus) oder Italien (nicht für die WM qualifiziert) mit ihrem aktuellen Zustand zu kämpfen. Spanien, Portugal, England und sogar Frankreich hingegen fehlt es an Konstanz.
Zweifelsohne, Deutschland gehört derzeit nicht zur Weltspitze. Wie das Spiel gegen Spanien aber auch gezeigt hat, sind die europäischen Erzrivalen in Reichweite.
Zwar können in eineinhalb Jahren keine Berge versetzt werden, mit den richtigen Handgriffen ist jedoch ein Anschluss an alte Zeiten möglich.
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