WM 2022 - Einzelkritik der deutschen Nationalmannschaft: Füllkrug und Sané stechen als Joker - Müller und Gnabry schwach

Deutschland erkämpft sich bei der WM 2022 ein 1:1 (0:0) gegen Spanien und bleibt damit in Gruppe E am Leben. Während Niclas Füllkrug nicht nur Bundestrainer Hans-Dieter Flick erlöst und auch Leroy Sané als Joker überzeugt, fallen Serge Gnabry und vor allem Thomas Müller in der Offensive ab. Thilo Kehrer kann die Probleme hinten rechts zudem nicht lösen. Die Einzelkritik.

Einsatzgarantie für Torschütze Füllkrug? "Liebe Grüße …"

Quelle: MagentaTV

Niclas Füllkrug als Held, Jamal Musiala erneut als Lichtblick in der deutschen Offensive - Deutschland hat das "Endspiel" gegen Spanien bei der WM 2022 überlebt und darf weiter vom Achtelfinale träumen.
Beim 1:1 gegen die Iberer bewies Bundestrainer Hans-Dieter Flick mit seinen Wechseln diesmal ein glücklicheres Händchen als noch gegen Japan - auch Lukas Klostermann und Leroy Sané waren am Ausgleichstor beteiligt.
In der Innenverteidigung zeigte Niklas Süle eine ansprechende Leistung - mit einer Einschränkung: Beim Gegentor durch Álvaro Morata kam der BVB-Profi zu spät (62.).
Thilo Kehrer konnte dagegen seine Chance als Rechtsverteidiger nicht nutzen - auch Serge Gnabry und vor allem Thomas Müller müssen nach schwachen Leistungen um ihren Platz in der Startelf für das letzte Gruppenspiel gegen Costa Rica (Do., 20:00 Uhr im Liveticker) bangen.
Die deutsche Nationalmannschaft im WM-Spiel gegen Spanien in der Einzelkritik.
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Niclas Füllkrug jubelt mit Thilo Kehrer, Armel Bella-Kotchap, Christian Günter und Nico Schlotterbeck (v.l.) über das 1:1 - Spanien vs. Deutschland

Fotocredit: Getty Images

Manuel Neuer: 18. WM-Spiel - Rekord mit Cláudio Taffarel (Brasilien) und Sepp Maier. Lenkte Olmos Schuss etwas unorthodox an die Latte (7.), chancenlos bei Moratas Tor (62.). Wackelig beim Fehlpass auf Olmo (26.). Sonst gewohnt ruhig am Ball.
Thilo Kehrer (bis 70. Minute): WM-Debüt rechts hinten, zahlte Lehrgeld. Karten-Debüt für selbst provoziertes Foul an Torres (37.). Ließ Alba schießen (22.) und noch schlimmer: vor dem 0:1 flanken (62.). Sein Plus: spielte ganz ordentlich pressingresistent. Konnte die Problemstelle rechts defensiv so aber nicht schließen.
Niklas Süle: Starkes Spiel - bis auf das Gegentor. Statt BVB-Kollege Schlotterbeck nach innen gerückt - und dort deutlich stabiler. Immer gut, wenn er nach vorne verteidigen konnte. Nicht so gut, wenn's schnell ging - wie beim 0:1 durch seinen Gegenspieler Morata (62.). Gute Balleroberung vor der Gnabry-Chance (25.), schlug auch mal eine Halbfeldflanke (30.). Dürfte sich damit innen festgespielt haben.
Antonio Rüdiger: Hinten fast unterbeschäftigt. Machte mit einem Schuss in die dritte Etage auf sich aufmerksam (30.), köpfte später die vermeintliche Führung, war aber zu früh eingelaufen - klares Abseits (39.). Probierte es später auch mal aus spitzem Winkel (45.). Ließ kurz vor Schluss Morata laufen und konnte sich bei Schlotterbeck bedanken (89.).
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Neuer: "Kampfgeist und Wille sprechen für sich"

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David Raum (bis 87.): Nach ein paar Unsicherheiten in der Anfangsphase durchaus aggressiv gegen den starken Torres und defensiv ohne größeren Bock. Beim Anlaufen von Spanien oft freigelassen, konnte damit im Aufbau aber nichts anfangen - das war wiederum ein klarer Malus für Deutschland.
Leon Goretzka: Statt Havertz im Team, um das Mittelfeld zu stützen - und das tat er. Guter Antritt in der Anfangsphase (9.). Lief insgesamt viel, spielte punktuell im Wechsel mit Gündogan auch mal Zehner. Keine nennenswerte Offensivszene, trotzdem immer wichtig. Ließ Busquets mal an seinem Bizeps zerschellen. Gelb im Laufduell mit Asensio (58.), später stark durchgezogen gegen Williams (90.+5), was Sanés Chance einleitete.
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Goretzka lobt Kampfgeist: "Die wichtigste Erkenntnis ist …"

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Joshua Kimmich: Licht und Schatten im Maschinenraum. Nicht so sehr in den Aufbau eingebunden wie gewohnt - sah stets Rot um sich rum. Durchwachsene Standards, nur der Freistoß bei Rüdigers Abseitstor war richtig gut (39.). Schöner Ballklau gegen Gavi nach unsicherem Simon-Pass, scheiterte dann aber am Spanien-Keeper (56.). Zu spät gegen Olmo - damit nun gelbvorbelastet (60.).
Serge Gnabry (bis 85.): Viele unglückliche Aktionen, wenn er im Mittelfeld an den Ball kam. Zudem mit null Druck auf Olmo vorm 0:1 (62.). Hatte Deutschlands erste Torchance (25.), danach kam wenig. Auch nach der Rochade mit Musiala nach dem 0:1 auf links nicht besser. Flick hatte erst nach 85 Minuten ein Einsehen.
Ilkay Gündogan (bis 70.): Von Flick offensiver auf der Zehn eingestellt. Hatte erneut ärgerliche Fehlpässe. An der Gnabry- (25.) und der Kimmich-Chance (56.) beteiligt, sonst bei weitem nicht so auffällig wie noch gegen Japan eine Position weiter hinten. Nach 70 Minuten war der Tank leer, Sané kam.
Jamal Musiala: Erneut einer der Besten. Oft im Aufbauspiel mit dem flachen Ball nach vorne gesucht wegen seiner Pressingresistenz. Hatte Busquets auf den Füßen, wenn er nach innen zog. Zeigte mit seiner überragenden Ballannahme gegen Rodri das deutsche Highlight in Halbzeit eins, Busquets stoppte ihn mit einem Gelb-Foul (44.). Rettete hinten links auch mal in höchster Not gegen Torres (36.). Gute Aktion gegen Alba vor Füllkrug-Chance, kurz darauf zu grün frei vor Simon (73.). Dann aber noch der Vorlagengeber zum erlösenden 1:1 (83.).
Thomas Müller (bis 70.): 18. WM-Spiel wie Neuer - diesmal als falsche Neun. Beim Gegenpressing oft einen halben Schritt zu spät, passte auch mal sein eigenes Standbein an. Nur 18 Ballaktionen bis zur Auswechslung für Füllkrug - und wieder kein Torschuss. Zu wenig.
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Müller lobt seinen Ersatzmann: "Füllkrug gibt der Mannschaft Energie"

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Lukas Klostermann (ab 70. Minute): WM-Debüt als Einwechselspieler für den gelbrotgefährdeten Kehrer. Initiator des Ausgleichs mit seinem Antritt auf rechts. Der lange Verletzte macht sich damit zur Alternative gegen Costa Rica.
Leroy Sané (ab 70.): Nach Knieproblemen offensichtlich noch nicht fit für 90 Minuten. Führte sich mit einem tollen Ball auf Musiala (73.) ein und war auch am Tor beteiligt (83.). Hatte sogar das 2:1 auf dem Fuß, verlief sich dann aber (90.+6).
Niclas Füllkrug (ab 70.): Füllte die sichtbare Lücke im deutschen Sturm und wurde zu Flicks Erlöser. Nach Einwechslung sofort gefährlich: Beim tollen Musiala-Zuspiel noch ohne Timing (73.), stand aber auch bei dessen Riesenchance kurz darauf frei. Direkt danach mit erster Kopfball-Annäherung (74.). Dann sein Moment: Bolzte den Ball nach Musialas Energieleistung einfach humorlos in den linken Winkel - Mittelstürmer eben (83.). Jetzt mit zwei Toren in drei Länderspielen. Sollte gegen Costa Rica starten.
Jonas Hofmann (ab 85.): Kam in der Schlussphase für Gnabry. Hatte in seinem 19. Länderspiel keine nennenswerte Aktion mehr.
Nico Schlotterbeck (ab 87.): Kaltgestellt und erst spät für Raum eingewechselt. Gute Aktion im Duell mit Morata (89.) - feierte sein Tackling fast wie ein Tor.
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Bundestrainer Flick: "Ich bin stolz auf die Mannschaft"

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