Deutschland stolpert im letzten WM-Test: Hansi Flick setzt auf Wellness-Plan vor Auftakt gegen Japan

Die deutsche Nationalmannschaft tut sich im ersten und letzten Testspiel vor der Weltmeisterschaft in Katar mit dem Gegner und den äußeren Bedingungen schwer. Bundestrainer Hansi Flick fordert für das Turnier in Katar eine andere Körpersprache von seinen Spielern. Vor dem Auftakt gegen Japan ist aber erst einmal ganz viel Relaxing angesagt. Flick wolle "alle von den Füßen runterholen."

Bundestrainer Hansi Flick und Niclas Füllkrug

Fotocredit: Imago

Es ist eine etwas andere Vorbereitung – und zwar im Grunde: Fast gar keine. Mitten aus der Saison, aus einer Vorrunde mit zuletzt sechs englischen Wochen am Stück und bis zu 26 Pflichtspielen geht es für die Nationalspieler in die WM in Katar. Also schaltet Bundestrainer Hansi Flick nach dem müden 1:0 im einzigen WM-Test gegen Oman Donnerstag und Freitag in den Relax-Modus.
Nach der Ankunft im "Zulal Wellness Resort" von Al Ruwais, 110 Kilometer nördlich von Doha, steht Regeneration auf dem Programm, der Freitag ist frei. "Wir wollen alle Spieler noch mal von den Füßen runterholen, damit sie richtig abschalten und relaxen können, auch mental", kündigte Flick an und sagte: "Das Hotel und das Basecamp werden den Spielern gefallen."
Spätestens dann sollte die maue Generalprobe gegen den 75. der Fifa-Weltrangliste vergessen sein. Und ab Samstag heißt es: Voller Fokus auf Japan, den ersten Gruppengegner am Mittwoch (14:00 Uhr im Liveticker) darauf.
Schon wurde Flicks Ton energischer als er verkündete: "Wenn wir uns dann ab Samstag vorbereiten, hat jeder Einzelne das Spiel gegen Japan im Blick und wird fokussiert sein. Da werden wir eine andere Mannschaft sehen und eine andere Körperlichkeit, die habe ich vermisst. Die brauchen wir, um im Turnier zu bestehen."

Müller kündigt Trainingsrückkehr an

Am Samstag sollen in Katar auch Thomas Müller und Antonio Rüdiger wieder auf dem Platz stehen, beide hatten am Mittwoch in Maskat angeschlagen gefehlt. "Am Samstag trainieren wir", meinte Müller, dessen letzter Einsatz mit dem FC Bayern nun über drei Wochen her ist.
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Thomas Müller (l.) und Antonio Rüdiger (r.)

Fotocredit: Getty Images

Der Kick gegen den Oman offenbarte Schwächen in der Defensive und in Sachen offensiver Kreativität. Erstmals seit 1978 drohte ein letzter Test vor einer WM sieglos zu enden, damals setzte es ein 1:3 gegen Schweden.
Allerdings stellte der zweite Vergleich in der DFB-Geschichte mit dem Oman (zuvor gab`s ein 2:0 im Februar 1998) keine ernsthafte WM-Generalprobe dar, obwohl Kapitän Manuel Neuer hinterher die Gastgeber als "ernstzunehmenden Gegner" bezeichnete. Es lag wohl am Schongang der deutschen Auswahl.

"Das Spiel hat seinen Sinn erfüllt"

Flick machte in Zweckoptimismus: "Es ist alles okay. Das Spiel hat seinen Sinn erfüllt. Wir haben den Test gegen den Oman bewusst gewählt, um uns an die Temperaturen hier in der Region zu gewöhnen. Es war wichtig, die Hitze mal gespürt zu haben, das hilft uns sehr für Katar. Wir wollten den ein oder anderen Spieler noch mal sehen, für andere war es als Regeneration gedacht. Dass wir die Zweikämpfe nicht auf dem Niveau wie bei einer WM geführt haben, ist auch klar."
Laut Kapitän Neuer "denken wir jetzt an Japan. Das wird eine schwierige Aufgabe, da wollen wir die ersten drei Punkte holen."
Auch bei der ersten WM im Winter, der ersten inmitten einer Saison will das DFB-Team den Mythos von der deutschen Turniermannschaft aufleben lassen. Gut reinkommen, irgendwie die ersten Punkte einsacken und dann peu à peu steigern.

Viel Krampf, viel Schweiß

Das große Thema in Maskat war die Hitze, die Schwüle. An ihren Gesichtern, an den Trikots konnte man erkennen, wie sehr die deutschen Spieler bei knapp 30 Grad am Abend kämpften. Gegen die Schwüle, die Hitze, den flotten Gegner Oman und die innere Einstellung zu einem Testspiel kurz vor einer WM-Endrunde.
Da kann man sich empfehlen, ins Schaufenster stellen – aber auch verletzen. Am Ende stand ein erarbeiteter, erkämpfter 1:0-Erfolg, der allein deshalb ein Erfolg war, weil man eine Blamage, einen Dämpfer vermeiden konnte. Dürftig und durstig, kamen die Nationalspieler daher. Viel Krampf, viel Schweiß.
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Niclas Füllkrug

Fotocredit: Getty Images

Für den Stimmungsaufheller sorgte ein Debütant: Niclas Füllkrug schrieb im Oman sein eigenes Märchen aus 1001 Nacht. Eingewechselt zur Pause, in der 80. Minute als Mittelstürmer dort, wo ein Mittelstürmer stehen muss. Der Werder-Torjäger, geboren in Hannover, versenkte das Zuspiel von Kai Havertz trocken und zielgenau mit links zum 1:0.
Der Mann mit der Zahnlücke, daher der Spitzname "Lücke", fand eben diese und darf nun von weiteren Einsätzen bei der WM träumen.

"Lücke", der Straßenfußballer

"Er hat sich das Tor verdient", meinte Flick bei "RTL" und freute sich für den neunten Debütanten seiner Ära: "Wir sind mit seinem Einstand sehr zufrieden. Man hat gespürt, dass da eine Präsenz vorne drin ist."
Rekordnationalspieler Lothar Matthäus lobte Füllkrug: "Er ist eine Bereicherung vorne drin. Ein Straßenfußballer, körperlich stark. Einer, der weiß, wo das Tor steht." In der Bundesliga traf er bereits zehn Mal in der Hinrunde, kein deutscher Profi kam auf mehr Tore. Matthäus` Erkenntnis des dünnen 1:0 gegen den Oman: "Füllkrug ist da, wenn man ihn braucht."
Als Joker oder gar als Mittelstürmer von Beginn an? Ein schwieriger Fall für Flick. Gegen den Oman wurden Serge Gnabry und Jamal Musiala komplett geschont. Die aufgebotene Offensive um Havertz, Leroy Sané und Jonas Hofmann war doch sehr im zurückhaltenden Testspiel-Modus.
Steht Füllkrug, mit Werder erst letzten Sommer aus der zweiten Liga wieder aufgestiegen, tatsächlich vor einem Startelf-Einsatz? "Ich habe der Mannschaft gesagt, ihr müsst zeigen, dass ihr bereit seid für Katar - er hat gezeigt, dass er bereit ist für die WM. Niclas hat seine Sache gut und ein Tor gemacht“" lobte Flick und meinte geheimnisvoll: "Aber bis zum Japan-Spiel haben wir noch ein paar Tage Zeit, um in Ruhe zu entscheiden. Ich will da nicht zu viel verraten."
Riecht nach einer dicken Einsatzchance für "Lücke", der auch hin und wieder "Fülle" genannt wird.

Füllkrug kann über sich selbst lachen

Nach dem Abpfiff in Maskat meinte der 29-Jährige glücklich: "Ich freue mich, dass ich helfen konnte, das Spiel zu gewinnen. Aber man muss das alles realistisch einschätzen. Erst jetzt geht es um alles in den nächsten Spielen – und da wollen wir erfolgreich sein."
Sprach`s und grinste mit Mut zu seiner Lücke. Füllkrug hat das besondere Trikot der Nummer neun fürs Turnier bekommen, ganz in der Tradition von Rudi Völler und Uwe Seeler.
"Das waren alles gute Typen, wirkliche Typen. Ich glaube, dass ich auch ein guter Typ bin", meinte Füllkrug und versprach: "Auch neben dem Platz bin ich für alles, was gute Stimmung reinbringen kann, zu haben und nicht zu schade. Ich kann auch über mich selbst lachen."
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