Drei Dinge, die bei Kroatien - Marokko auffielen - Luka Modric: Qualität kennt kein Alter

Vize-Weltmeister 2018, Platz drei bei der WM 2022: Die Bilanz Kroatiens bei den vergangenen beiden Weltmeisterschaften liest sich beeindruckend. Im Spiel um die Bronzemedaille bezwangen die Kockasti das Überraschungsteam aus Marokko 2:1. Der älteste Spieler auf dem Platz brillierte – und verschob seinen letzten Tanz. Dafür zollte Marokko dem langen Turnier Tribut. Drei Dinge, die auffielen.

Kroatien-Star Luka Modric

Fotocredit: Getty Images

Kroatien bringt nach 1998 (Platz drei), 2018 (Platz zwei) zum dritten Mal in der WM-Geschichte eine Medaille mit nach Hause. In einem hitzigen Spiel um Platz drei gewannen die Kockasti 2:1 gegen Überraschungsteam Marokko.
Josko Gvardiol von RB Leipzig brachte Kroatien nach einer sehenswerten Kopfball-Stafette früh in Führung (7.), nur wenige Augenblicke später machte Marokkos Verteidiger Achraf Dari (9.) den Rückstand wett. Mislav Orsic sorgte kurz vor der Pause (42.) mit einem herrlichen Schlenzer für das entscheidende 2:1.
Urgestein Luka Modric, über dessen Zukunft im Nationalteam zuvor wild spekuliert wurde, zeigte einmal mehr, dass sein Alter keine Rolle spielt. Die bis dato nur schwer zähmbaren Löwen vom Atlas hatten merklich mit den Strapazen der vergangenen Wochen zu kämpfen.
Schiedsrichter Abdulrahman Al Jassim zog zudem den Unmut der Nordafrikaner auf sich. Grund zur Beschwerde hatte aber eigentlich der Gegner.

1.) Modric: Qualität kennt kein Alter

Alle herzten Luka Modric, den Taktgeber, den Anführer einer goldenen Generation. Kroatiens Nummer zehn stand während der WM sinnbildlich für die beeindruckende fußballerische Entwicklung, die das Land am Balkan seit vielen Jahren nimmt. Nach der sensationellen WM vor vier Jahren, überraschten die Kroaten auch bei der Wüsten-Weltmeisterschaft.
Auch, weil der Star, der fünfmalige Champions-League-Sieger von Real Madrid trotz seiner 37 Jahren sich noch immer in absoluter Weltklasseform präsentierte. Während die Kollegen für die Treffer verantwortlich zeichneten, gab der Mittelfeldmann den Antreiber und Aufbauer. TV-Experte Michael Ballack sagte bei "MagentaTV": "Sein Fitnesszustand ist immer noch außergewöhnlich. Er ist immer noch der Lage, den Rhythmus vorzugeben und ist der Schlüsselspieler."
picture

Rücktrittsgerüchte nach Bronzemedaille: Modrić bezieht Stellung

Fotocredit: Getty Images

Am Ende kam Modric auf 83 Ballaktionen, eine Passquote am Rande der Perfektion (93 Prozent) und eine Zweikampfbilanz von 71 Prozent. Obwohl seine Mannschaft noch immer enorm von Modrics Qualitäten profitiert, wurde in den Medien jüngst spekuliert, dass der Routinier seine Nationalmannschaftskarriere im Anschluss an die WM womöglich beenden könnte. Es wäre ein Abgang auf der ganz großen Bühne gewesen.
Stattdessen verschob Modric den letzten Tanz: "Ich weiß noch nicht, ob ich bei der EURO 2024 in Deutschland dabei sein werde", sagte er bei "beIN Sports" und ergänzte: "Ich möchte aber mindestens noch die Nations League spielen. Danach werde ich über die EURO nachdenken."
Kroatien hat sich neben Gastgeber Niederlande, Europameister Italien und Spanien für die Finalrunde der UEFA Nations League qualifiziert, diese wird nach der Vereinssaison vom 14. bis 18. Juni 2023 in Rotterdam und Enschede ausgespielt.

2.) Müde Atlas-Löwen

Kaum war das Spiel vorbei, da gab Marokkos Trainer Walid Regragui schon wieder den Optimisten. "In den nächsten Jahren wird eine Mannschaft aus Afrika Weltmeister", prophezeite er. Sein Team könne künftig als Vorbild dienen. Marokko habe gezeigt, dass "wir in Afrika hart arbeiten und eine große Zukunft vor uns haben", so Regragui weiter.
Das Selbstbewusstsein kommt nicht von ungefähr, Marokko ist die erste Mannschaft vom afrikanischen Kontinent, die in ein Halbfinale eingezogen war. Im "kleinen Finale" gegen Kroatien zollten die Atlas-Löwen ihren aufopferungsvollen Auftritten während des Turniers Tribut.
picture

Marokkos El Yamiq

Fotocredit: Getty Images

"Wir haben alles gegeben, aber der Motor ist kaputt gegangen", bilanzierte Regragui mit Blick auf das Duell mit Kroatien. Tatsächlich wirkten die Nordafrikaner müde und ausgelaugt, symbolisch dafür stand die Auswechslung Jawad El Yamiq, der zu Beginn des Turniers noch Reservist war und sich nach und nach in die Startelf spielte. Nach knapp 70 Minuten machte der Oberschenkel des Innenverteidigers dicht – und El Yamiq humpelte vom Feld.
Regragui reizte das Auswechselkontingent komplett aus, die vielen Unterbrechungen waren der marokkanischen Spielweise nicht sonderlich dienlich. "Wir hatten auch einen Tag mehr Pause als Marokko. So waren wir auch frischer und hatten mehr Chancen", fasste Kroatiens Co-Trainer das Geschehen zusammen.

3.) Attacken auf Schiri Al Jassim

Nachdem Schiedsrichter Al Jassim (Katar) die Partie für beendet erklärt hatte, bedrängten die marokkanischen Spieler den Unparteiischen und attackierten ihn verbal. Ein Gebaren, dass laut Trainer Regragui "nicht der marokkanische Weg" sei, wie er auf der Pressekonferenz erklärte.
"Wir reagieren manchmal über am Ende eines Spiels, das passiert", schob er nach. Wenn man das Spiel verliere, sei "man immer enttäuscht. Meine Spieler sind sehr ehrgeizig, es war kein fehlender Respekt." Im Nachgang ans Spiel soll PSG-Star Achraf Hakimi im Kabinentrakt wegen der Schiedsrichter-Ansetzung sogar auf FIFA-Präsident Gianni Infantino losgegangen sein.
picture

Achraf Hakimi attackierte nach dem Spiel um Platz drei Schiedsrichter Abdulrahman Al-Jassim

Fotocredit: Getty Images

Doch was war der Auslöser? Al Jassim und sein Team hatten während des Spiels die eine oder andere strittige Entscheidung getroffen. Dazu zählten auch zwei vermeintliche Foulspiele im Strafraum – einmal für Kroatien, einmal für Marokko. In beiden Fällen blieb die Pfeife stumm.
Marokko hatte bereits im Halbfinale über die Leistung des Referees geklagt und sich zweier Elfmeter beraubt gesehen. Allerdings: Im Spiel um Platz drei hatte die Regragui-Elf eher Glück, dass ein recht deutliches Foul an Kroatiens Gvardiol nicht geahndet wurde. Hätten die Kockasti das Spiel noch aus der Hand gegeben, wären es mutmaßlich sie gewesen, die Al Jassim nach Abpfiff belagert hätten.
Das könnte Dich auch interessieren: Pressestimmen: "Ihr seid der Stolz der Nation!"
Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung