WM 2022 - Navina Omilade exklusiv zur deutschen Nationalmannschaft: "Würde Süle und Schlotterbeck herausnehmen"

WM-Expertin Navina Omilade zieht ein erstes Zwischenfazit zur WM 2022 in Katar und macht im Interview Mut, was ein Weiterkommen der deutschen Nationalmannschaft anbelangt. "Es ist keine Frage der Qualität. Die haben wir zweifelsohne in den eigenen Reihen", meint die 61-fache Nationalspielerin. Dennoch sieht Omilade vor dem Spiel gegen Spanien in der Viererkette Handlungsbedarf auf zwei Positionen.

Navina Omilade würde gegen Spanien auf Nico Schlotterbeck und Niklas Süle verzichten

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WM-Expertin Navina Omilade zieht im Interview mit Eurosport.de ein erstes Zwischenfazit zur WM 2022 und sagt nach der 1:2-Pleite der deutschen Nationalmannschaft gegen Japan: "Das Wichtigste ist, schnell nach vorne zu schauen."
Für das zweite Spiel gegen Spanien am Sonntag (20:00 Uhr im Liveticker) sieht die 41-Jährige aber Handlungsbedarf auf zwei Positionen in der Defensive: "Ich würde Süle und Schlotterbeck herausnehmen."
Zudem findet die 61-fache deutsche Nationalspielerin deutliche Worte gegen den Weltverband: "Ich wünschte, sie (die Spieler, Anm. d. Red.) könnten sich nur auf den Fußball konzentrieren, denn darum geht es in erster Linie bei einer WM. Aber das hat ihnen eindeutig die FIFA mit der Vergabe an Katar eingebrockt."
Das Interview führte Pascal Steinmann.
Frau Omilade, wer waren in Ihren Augen die größten Überraschungen des ersten WM-Spieltags?
Navina Omilade: Saudi-Arabien war mit dem 2:1-Sieg gegen Argentinien die größte Überraschung. Das war unheimlich beeindruckend. Ansonsten hat mich natürlich überrascht, dass Japan die deutsche Mannschaft bezwungen hat. Damit hätte ich nicht gerechnet.
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Lionel Messi droht bei der WM 2022 das frühe Aus

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Deutschland steht bereits mit dem Rücken zur Wand. Wie gelingt es Manuel Neuer & Co. diesen enormen Druck vor dem Spiel gegen Spanien zu kanalisieren?
Omilade: Es gilt nun, die Niederlage abzuschütteln und die Fehler bis ins Detail zu analysieren. Das Wichtigste ist aber, schnell nach vorne zu schauen und sich damit zu befassen, wie man Spanien schlagen kann. Doch das funktioniert nach der Enttäuschung nur im Kollektiv.
Wie meinen Sie das im Detail?
Omilade: Die Spieler müssen sich zusammenraufen, als Mannschaft auftreten, füreinander kämpfen und mit Leidenschaft und Willen auf den Platz gehen. Es ist keine Frage der Qualität. Die haben wir zweifelsohne in den eigenen Reihen und sind in der Lage, Spanien zu bezwingen.
Sie sprechen die mangelnde Geschlossenheit an. Nach dem Spiel gegen Japan haben einzelne Spieler durchaus Kritik an Teamkollegen geübt. Wie ist das bei Ihnen angekommen?
Omilade: Das halte ich für gefährlich. Es bringt das Team nicht voran, wenn einer dem anderen Vorwürfe macht. Eine Mannschaft gewinnt zusammen und verliert zusammen. Das meine ich mit dem Kollektiv: Der Zusammenhalt muss unheimlich stark sein, es funktioniert nur als Einheit.
Welche Veränderungen sollte Bundestrainer Hansi Flick im Vergleich zur Niederlage gegen Japan vornehmen?
Omilade: Niklas Süle und Nico Schlotterbeck standen sehr im Fokus der Kritik. Es ist generell nicht gut, sich bei einer Niederlage einzelne Spieler herauszugreifen. Aber gegen Japan haben individuelle Fehler für die Gegentore gesorgt. Süle sah bei beiden Toren sehr schlecht aus, Schlotterbeck ganz besonders beim zweiten Treffer. Das sind Fehler, die dürfen auf diesem Niveau und bei einer WM nicht passieren. Daher würde ich Süle und Schlotterbeck herausnehmen, auch, um die beiden zu schützen.
Warum?
Omilade: Wenn so viel Kritik auf einzelne Spieler einprasselt, ist das schwierig. Der Druck erhöht sich für die beiden immens, sodass abgewogen werden muss, ob sie diesem standhalten können.
Vor dem deutschen Auftakt wurde viel über die "One-Love"-Binde gesprochen. Inwiefern kann eine solche Diskussion eine Mannschaft tatsächlich verunsichern?
Omilade: Es sollte nicht so sein. Jeder sollte Profi genug sein, um das spätestens mit Abpfiff ausblenden zu können. Aber das Thema ist wirklich total groß geworden. Die Spieler waren sogar gezwungen, eine Entscheidung zu fällen: Entscheiden wir uns dafür oder dagegen? Nehmen wir eine Strafe der FIFA in Kauf?
Was hatte das zur Folge?
Omilade: Dadurch musste sich die Mannschaft zwangsläufig intensiver damit befassen. Ich kann mir vorstellen, dass Unruhe im Team entstanden ist. Es war schwer, das Thema vollkommen auszublenden, da es im Vorfeld wenig um Fußball und sehr viel um diese Diskussion ging.
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Nico Schlotterbeck war gegen Japan ständiger Unsicherheitsfaktor

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Sollten sich die Spieler aufgrund ihrer exponierten Stellung in der Gesellschaft generell zu derlei Themen äußern?
Omilade: Ich wünschte, sie könnten sich nur auf den Fußball konzentrieren, denn darum geht es in erster Linie bei einer WM. Aber das hat ihnen eindeutig die FIFA mit der Vergabe an Katar eingebrockt. Da muss man den Fehler ganz klar bei der FIFA suchen. Der Weltverband hat die Spieler in eine Lage gebracht, in der sie sich überhaupt erst mit solchen Themen auseinandersetzen müssen. So sollte es nicht sein. Es sollte um Fußball gehen.
Auch die USA, Südkorea, Japan und Australien hatten sich um die Austragung beworben.
Omilade: Wäre die Weltmeisterschaft in ein anderes Land vergeben worden, müssten wir in dem Kontext nicht darüber sprechen. Aber jetzt ist das Turnier nun mal leider in der Wüste gelandet und daher müssen sich die Spieler in meinen Augen auch damit auseinandersetzen. Wenn die WM in einem Land wie Katar ausgetragen wird, gehört das dann einfach dazu. Leider. Schöner wäre es natürlich, wenn wir bei einer WM nur über Fußball sprechen würden.
Sprechen wir über den Fußball: Wie Deutschland hat auch Argentinien eine überraschende Niederlage kassiert. Was hat Saudi-Arabien gegen Argentinien denn so stark gemacht?
Omilade: Sie sind selbstbewusst und mutig in das Spiel gegangen. Gerade in der zweiten Halbzeit standen sie sehr hoch, haben diszipliniert verteidigt und die Treffer wunderbar herausgespielt, der Siegtreffer zum 2:1 war ein absolutes Traumtor. Das schaffst du nur, wenn du an die eigenen Stärken glaubst.
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Salem Al-Dawsari traf mit einem Traumtor zum 2:1 gegen Argentinien.

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Was trauen Sie der Mannschaft von Hervé Renard noch zu?
Omilade: Der Triumph über Argentinien wird ihnen für die kommenden Spiele eine Menge Selbstbewusstsein mit auf den Weg geben. Auch gegen Polen kann Saudi-Arabien wieder für eine Überraschung sorgen.
Welche Nationen haben Sie am meisten überzeugt?
Omilade: England, Spanien, Brasilien und Frankreich haben klasse Spiele abgeliefert und sind ihrer Favoritenrolle total gerecht geworden. Wobei man bei Spanien Abstriche machen muss, da Costa Rica kein echter Gradmesser war. Die Mittelamerikaner waren sehr schwach. Andererseits: Wer sich für eine Weltmeisterschaft qualifiziert, spielt dort nicht ohne Grund. Insofern muss man auch Costa Rica erst einmal so deutlich schlagen. Spielerisch hat Spanien mehr als beeindruckt.
Ist Argentinien noch Titelkandidat?
Omilade: Sie haben einen herausragenden Kader mit vielen Weltstars und sind mit einem beeindruckenden Lauf nach Katar gereist. Das ist selbstverständlich nicht von heute auf morgen weg, nur weil sie schlecht ins Turnier gestartet sind. Ähnlich wie Deutschland werden sie aus der Niederlage die richtigen Schlüsse ziehen und in der nächsten Begegnung ganz anders auftreten - auch weil sie mit dem Rücken zur Wand stehen. Argentinien sollte man auf jeden Fall weiterhin auf dem Zettel haben.
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Cristiano Ronaldo war vor dem Anpfiff gegen Ghana mehr als emotional.

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Cristiano Ronaldo hatte vor dem Spiel gegen Ghana bei der Hymne Tränen in den Augen. Wie erklären Sie diese Emotionalität bei einem Sportler, der bereits seine fünfte Weltmeisterschaft spielt?
Omilade: Ich denke, ihm ist bewusst, dass das seine letzte Weltmeisterschaft und wahrscheinlich sogar sein letztes großes Turnier mit Portugal sein wird. Gerade nach dem Hickhack mit Manchester United möchte er sich auf der großen Bühne noch einmal von seiner allerbesten Seite zeigen. Ich vermute, dass diese Gedanken zu der emotionalen Reaktion geführt haben. Das macht ihn aber menschlich, ich finde das toll.
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Quelle: Perform

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