WM 2022: Marokko schlägt Mitfavorit Belgien - Courtois patzt, Joker erlegen Rote Teufel

Mitfavorit Belgien hat das zweite Spiel in der Gruppe F verloren und den vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale der WM 2022 in Katar verpasst. Das Team um Superstar Kevin De Bruyne unterlag Marokko 0:2 (0:0). Die eingewechselten Abdelhamid Sabiri (73.) und Zakaria Aboukhlal (90.+2) erzielten die Treffer für die Nordafrikaner. Durch den Sieg überholt Marokko (4 Punkte) Belgien (3) in der Tabelle.

Marokko schlägt Belgien

Fotocredit: Getty Images

Belgien übernahm gegen Marokko früh das Kommando. Ein Steilpass von Eden Hazard in Richtung Michy Batshuayi sorgte erstmals für Gefahr, der kurzfristig eingesetzte Ersatztorhüter Munir war aber auf der Höhe (5.).
In der Folge entwickelte sich allerdings eine eher zähe Partie, in der Torchancen Mangelware blieben. Die "Roten Teufel" bestimmten zwar das Spielgeschehen, konnten Marokkos sehr diszipliniert agierende Defensivreihe aber kaum einmal überwinden.
Erst in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit wurde es so richtig spannend: Hakim Ziyechs Freistoß von der rechten Seite wurde von Kapitän Romain Saïss mit den Haarspitzen über die Torlinie befördert (45.+2). Der Treffer wurde nach Videobeweis allerdings aufgrund einer Abseitsposition wieder aberkannt.
Kurz nach Wiederanpfiff zeigte Eden Hazard bei einer starken Einzelaktion sein Können. Er ließ rechts im Strafraum Bayerns Noussair Mazraoui aussteigen und visierte wuchtig das kurze Eck an. Munir war zur Stelle (52.).
Auf der anderen Seite schlenzte Sofiane Boufal den Ball aus 14 Metern halblinks knapp rechts vorbei (57.).
Dennoch blieb Marokko dran, wurde mit zunehmender Spieldauer immer mutiger und belohnte sich eine Viertelstunde vor Schluss. Der eingewechselte Abdelhamid Sabiri, gebürtiger Frankfurter, zirkelte einen Freistoß von der linken Seite direkt ins Tor, im Zentrum irritierte Saïss Thibaut Courtois, stand aber diesmal nicht im Abseits (73.).
Belgien war nun gefordert und hoffte in der Schlussphase auf Rekordtorschütze Romelu Lukaku, der für Thomas Meunier eingewechselt wurde (81.). Aber auch der Superstar von Inter Mailand konnte die Wende nicht einläuten. Im Gegenteil, in der Nachspielzeit machte Marokko dann alles klar. Axel Witsel legte den Ball am belgischen Strafraum unglücklich ab für Ziyech, der sich rechts im Strafraum zu leicht gegen Timothy Castagne durchsetzen konnte und für Zakaria Aboukhlal ablegte. Der Joker schoss aus sieben Metern direkt unter die Latte ein (90.+2).
Es war die Entscheidung in dieser Partie, nach der Marokko Belgien in der Tabelle der Gruppe F überholt und sich zunächst an die Spitze der Gruppe F setzt.

Die Stimmen zum Spiel:

Roberto Martínez (Nationaltrainer Belgien): "Eine bittere Niederlage. Wir sind gut reingekommen, haben das Spiel bis zum Gegentor kontrolliert. Danach sind wir zu hektisch geworden. Es war ein enges Spiel, in dem das erste Tor den Unterschied gemacht hat. Wir haben genug Qualität und müssen das jetzt analysieren. Gegen Kroatien müssen wir gewinnen."
Walid Regragui (Nationaltrainer Marokko): "Mit diesen Fans und diesem Spirit kannst du alles schaffen. Es ist ein großer Wettbewerb und wir haben gegen eines der besten Teams der Welt gespielt. Aber mit vier Punkten bin ich noch nicht zufrieden, wir wollen mehr, wir wollen weiterkommen. Wir müssen so weitermachen und uns jetzt schnell erholen, um auch gegen Kanada ein gutes Resultat zu erzielen."
Eden Hazard (Belgien): "Ich denke, wir sind alle enttäuscht. Wir wollten uns heute qualifizieren, aber wir sind auf eine sehr gute marokkanische Mannschaft getroffen. Sie haben ein großes Spiel gemacht, Glückwunsch an sie. Wir haben noch ein Spiel vor uns, wir müssen gut arbeiten, um es zu gewinnen."
Jan Vertonghen (Belgien): "Offensiv haben wir uns kaum Chancen erarbeitet. Mir gehen jetzt viele Dinge durch den Kopf, aber das sind Dinge, die man besser nicht vor einer Kamera sagt."

Der Tweet zum Spiel:

Die goldene Generation – plötzlich verblasst.

Das fiel auf: Behäbiges Belgien – De Bruynes Kritik berechtigt?

Mit seiner Kritik an der eigenen Mannschaft hatte Kevin De Bruyne unter der Woche für Trubel gesorgt. In einem Interview mit dem britischen "Guardian" hatte der Belgier über die Chancen auf den WM-Titel gesagt: "Keine Chance, wir sind zu alt."
Wie eine sich selbsterfüllende Prophezeiung agierten Belgiens Stars dann auch gegen Marokko auf dem Feld behäbig und langsam. In der Viererkette machte der 31-jährige Thomas Meunier vor allem mit Fehlpässen auf sich aufmerksam, ehe er den Freistoß, der zum 1:0 für Marokko führte, auf die denkbar plumpste Art und Weise produzierte. Vor dem 0:2 stellten sich dann auch noch Axel Witsel – immerhin schon 33 – und der zugegebenermaßen erst 26-jährige Timothy Castagne so schlecht an, dass Hakim Ziyech sie im wahrsten Sinne des Wortes alt aussehen ließ. Die Kritik von Kevin De Bruyne am eigenen Team scheint also durchaus berechtigt.

Die Statistik: 3

Marokko gelang erst der dritte Sieg überhaupt bei einer WM-Endrunde. Der letzte Erfolg datierte im Jahr 1998 gegen Schottland, zuvor siegte man bei der WM 1986 gegen Portugal.
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Spieler im Fokus - Kevin De Bruyne: Der Mann mit dem tödlichen Pass

Quelle: Perform

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