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WM 2022 - Navina Omilade im Interview über Argentinien gegen Niederlande: "Solche Szenen von Messi und Co. sind Gift"
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Publiziert 11/12/2022 um 22:28 GMT+1 Uhr
WM-Expertin Navina Omilade äußert sich im exklusiven Interview mit Eurosport.de zur Verletzung von DFB-Kapitän Manuel Neuer und meint: "Es ist eine Riesenchance für die Konkurrenz." Zudem lässt die 61-fache Nationalspielerin die Viertelfinalspiele bei der WM 2022 Revue passieren und findet deutliche Worte zum Duell zwischen der Niederlande und Argentinien: "Szenen wie von Messi und Co. sind Gift."
WM-Expertin Navina Omilade im Interview: "Szenen wie von Lionel Messi und Co. sind Gift"
Fotocredit: Getty Images
Es war die Schock-Nachricht für den FC Bayern München am Samstagmorgen: Manuel Neuer hat sich nach der WM 2022 in Katar beim Skitourengehen einen Unterschenkelbruch zugezogen und fällt für den Rest der Saison aus.
Für WM-Expertin Navina Omilade bietet der Ausfall des DFB-Kapitäns aber eine "Riesenchance für die Konkurrenz", wie die 61-fache deutsche Nationalspielerin im exklusiven Interview mit Eurosport.de erklärt.
Die zweimalige Champions-League-Siegerin findet zudem deutliche Worte zum hitzigen WM-Viertelfinale zwischen der Niederlande und Argentinien (5:6 n.E.) und kritisiert die Vorbildfunktion der Spieler bei einer Weltmeisterschaft: "Szenen bei einer WM von Weltstars wie Lionel Messi und Co. sind Gift."
Das Interview führte Pascal Steinmann.
Frau Omilade, DFB-Kapitän Manuel Neuer hat sich nach der WM 2022 bei einem Skiunfall einen Unterschenkelbruch zugezogen und fällt für den Rest der Saison aus. Inwieweit sind Sie überrascht, dass er überhaupt Ski fährt?
Navina Omilade: Wir durften das am Ende zwar selbst entscheiden, aber der Verein hat uns immer davon abgeraten, solche Risikosportarten in unserer Freizeit auszuüben. Insofern war ich überrascht, dass er in einer solchen Phase bevorzugt hat, auf die Piste zu gehen. Aber ich weiß nicht, was er und der Klub vereinbart haben. Im Nachhinein betrachtet ist das sehr unglücklich gelaufen.
Wie gefährlich kann eine solche Verletzung für einen 36 Jahre alten Spieler sein?
Omilade: Eine solch lange Ausfallzeit ist in dem Alter natürlich nicht optimal. Neuer ist in der Vergangenheit aber nach Verletzungen immer stark zurückgekommen. Ich wünsche ihm, dass ihm diese Verletzung nicht zum Verhängnis wird.
Sie haben nach dem WM-Aus gesagt, dass sich Neuer kritisch damit auseinandersetzen solle, ob es nicht besser sei, zurückzutreten. Wird das durch diese Verletzung nochmal verstärkt?
Omilade: Kritisch auseinandersetzen sollte man sich damit nach so einem Misserfolg immer. Nun wird ihm ein halbes Jahr fehlen, was sicherlich nicht unbedingt förderlich sein wird. Es kommt natürlich darauf an, was die anderen Torhüter in dieser Phase machen, also in erster Linie, ob sich Marc-André ter Stegen als Nummer eins der Nationalmannschaft beweisen kann. Es ist auf jeden Fall eine Riesenchance für die Konkurrenz.
Ohne die deutsche Mannschaft haben die Viertelfinalspiele in Katar eine Menge Emotionen und Zündstoff geboten. Welches war für Sie das packendste der vier Aufeinandertreffen?
Omilade: Fußballerisch hat mich Frankreich gegen England am meisten begeistert. Es ging hin und her, war bis zur letzten Minute unheimlich spannend und fand vor allen Dingen auf einem ganz hohen Niveau statt. Emotional war für mich Argentinien gegen die Niederlande das packendste Duell, weil es im und auch nach dem Spiel heiß herging. Wobei ich das, was dort ablief, nicht befürworte.
Wie meinen Sie das?
Omilade: Alle Spieler sind Vorbilder. Man sieht es im Jugend- und Amateurbereich: Es gibt immer mehr Spielabbrüche, es wird immer häufiger auf die Schiedsrichter losgegangen, die Spieler greifen sich untereinander immer öfter an. Es ist eine ganz schlimme Richtung, die da eingeschlagen wird. Solche Szenen bei einer WM von Weltstars wie Lionel Messi und Co. sind dafür Gift. Das befeuert diese Entwicklung zusätzlich.
Messi und Emiliano Martínez haben Referee Antonio Mateu Lahoz scharf kritisiert.
Omilade: Das wirft ein schlechtes Licht auf den Fußball und ich kann verstehen, dass immer weniger Schiedsrichter werden wollen. Da muss unbedingt gegengelenkt werden.
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Die Argentinier um Lionel Messi beschwerten sich bei der WM 2022 gegen die Niederlande mehrfach bei Schiedsrichter Antonio Mateu Lahoz
Fotocredit: Getty Images
Messi hat aber nicht nur Lahoz angegangen, sondern hat sich auch mit Bondscoach Louis van Gaal und Angreifer Wout Weghorst angelegt. Ist ein solches Verhalten eines Weltstars wie Messi würdig?
Omilade: Nein. Er hat eine Vorbildfunktion. Alle Emotionen und das südamerikanische Temperament beiseite: Das darf einem Weltstar wie Messi nicht passieren. Grundsätzlich sollte das auf dieser Ebene nicht geschehen, da müssen sich die Profis ihrer Rolle in jeder Sekunde bewusst sein. Natürlich können Emotionen mal hochkochen, aber das darf nicht so ausarten. Aber ich würde das nicht nur auf Messi abwälzen.
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"Dem Ganzen nicht gewachsen": Messi kritisiert Schiedsrichter scharf
Quelle: MagentaTV
Sondern?
Omilade: Dem Ganzen gingen Szenen beim Elfmeterschießen voraus, die zu den Reaktionen geführt haben. Ein niederländischer Spieler hat die argentinischen Schützen behindert. Was dort bei diesem Spiel insgesamt von beiden Seiten geschehen ist, war nicht gut und wird der Vorbildfunktion nicht gerecht.
Die FIFA hat ein Verfahren gegen beide Verbände eingeleitet. Sollte es Sanktionen geben?
Omilade: Das sollte definitiv Strafen nach sich ziehen. Man muss den Amateuren und den Jugendspielerinnen und -spielern zeigen, dass so ein Verhalten nicht geht und Folgen hat.
Fußballerisch hat Messi gegen die Elftal einen starken Eindruck hinterlassen und die Albiceleste mit einem Tor und einer Vorlage ins Halbfinale geführt. Wie bewerten Sie seine Leistungen?
Omilade: Bisher läuft es für ihn unheimlich gut, das ist erfreulich. Viele wünschen ihm diesen Titel. Er hat bewiesen, dass er seiner Rolle gerecht wird und da ist, wenn es darauf ankommt.
Während Messi bei dieser WM aufblüht, ist sein Dauerrivale Cristiano Ronaldo am Samstagabend gegen Marokko ausgeschieden, kam dabei nicht über die Rolle des Einwechselspielers hinaus. Nach dem Spiel vergoss er Tränen. Wie bitter ist dieses WM-Ende für den 37-Jährigen?
Omilade: Das ist ein Abschied, den man niemandem wünscht - einem Weltstar wie Ronaldo erst recht nicht. Dieses Ende kratzt auch ein bisschen an seinem Denkmal. Es ist schade, aber das schmälert nicht, was er alles für den Fußball geleistet hat. Man sollte ihn nicht darauf reduzieren. Er ist der einzige Spieler, der bei fünf Weltmeisterschaften getroffen hat. Er hat in seiner Karriere unzählige Titel gewonnen und ist mehrfach Weltfußballer geworden. Bei so einer beeindruckenden Karriere muss man absolut das Positive in den Vordergrund heben.
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Cristiano Ronaldo war nach dem WM-Aus gegen Marokko (0:1) am Boden zerstört.
Fotocredit: Getty Images
Statt Portugal steht Marokko nun im Halbfinale - als erste afrikanische Mannschaft in der Geschichte der Weltmeisterschaft. Was macht die Löwen vom Atlas so stark?
Omilade: Die Marokkaner haben meinen allergrößten Respekt. Bei dieser WM zeigt sich ganz besonders, wie weit leidenschaftliches Verteidigen führen kann. Wir haben der deutschen Mannschaft ja angekreidet, dass ihr genau das gefehlt hat. Kämpferisch hat sich Marokko das Halbfinale absolut verdient - und sie sind natürlich unheimlich effizient.
Ähnlich effizient war auch Kroatien gegen Brasilien, die in der 117. Minute mit dem ersten Torschuss den Ausgleich erzielten. Wie überraschend kam das Aus der Seleção?
Omilade: Sehr überraschend. Die Brasilianer waren die bessere Mannschaft und hatten klar die größeren Torchancen. Das 1:0 von Neymar war ein sehr schön herausgespieltes Tor. Ich dachte auch, das bringen sie über die Runden. Aber sie haben sich dann unclever verhalten.
Wieso?
Omilade: Sie liegen kurz vor dem Ende in Führung und laufen in einen Konter. Die ganze Mannschaft hat in der Situation nicht gut zurückgearbeitet und ist ins offene Messer gelaufen. Das ist unheimlich ärgerlich, das haben sie schlecht heruntergespielt.
Kroatien hat sich damit zum zweiten Mal in Folge für das Halbfinale einer Weltmeisterschaft qualifiziert. Was zeichnet die Kroaten aus?
Omilade: Wie die Marokkaner haben sie die notwendige Effizienz, machen aus wenigen Möglichkeiten unheimlich viel und verteidigen sehr gut. Sie sind kompakt und lauern auf Konter. Für Fußballliebhaber ist das vielleicht nicht immer der schönste Stil, weil sie auch ein bisschen destruktiv agieren.
Aber?
Omilade: Sowohl ihr Spiel als auch das von Marokko haben demonstriert, dass es ein gutes Mittel sein kann, leidenschaftlich zu verteidigen und in den richtigen Momenten Nadelstiche nach vorne zu setzen. Mit einer guten Defensive kann man Turniere gewinnen. Dafür sind sie belohnt worden. Es ist sehr beeindruckend, wie sie das immer machen.
Was meinen Sie konkret?
Omilade: Es ist ihnen in so vielen Turnieren in den vergangenen Jahren gelungen, weit zu kommen. Das ist kein Glück, sondern das erarbeiten sie sich immer wieder aufs Neue.
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Gareth Southgate tröstet Kapitän Harry Kane nach dem WM-Aus gegen Frankreich (1:2).
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Nicht mehr dabei sind dagegen die Engländer nach einem 1:2 gegen Frankreich. Wieder ist den Three Lions mit einer unheimlich talentierten Mannschaft der Coup nicht geglückt. Wie bewerten Sie die Rolle von Trainer Gareth Southgate?
Omilade: Was er bewegt und wo er die Mannschaft hingebracht hat, ist unheimlich beeindruckend. Vorher waren die Engländer immer abgeschlagen und von Halbfinals und Finals weit entfernt. Man muss Southgate hoch anrechnen, was er in den vergangenen Jahren erreicht hat. Dass es für den ganz großen Wurf nicht gereicht hat, war oftmals Pech.
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Giroud nach Halbfinaleinzug euphorisiert: "Extraordinaire!"
Quelle: MagentaTV
Auch am Samstagabend?
Omilade: Die Engländer haben insgesamt ein starkes Turnier absolviert und auch gegen Frankreich gut gespielt. Gerade in einem K.o.-Spiel kommt es auf die Kleinigkeiten an und das war dann eben der verschossene Elfmeter von Harry Kane. Das ist ein bisschen das Schicksal der Engländer, es passiert immer wieder (lacht). Aber da kann man Southgate keinen großen Vorwurf machen.
Les Blues greifen dagegen nach der ersten Titelverteidigung seit Brasilien 1962. Wie gelingt es Frankreich, gerade im Hinblick auf die ganzen Verletzten schon wieder um den Titel mitzuspielen?
Omilade: Gerade aufgrund der ganzen Ausfälle hatte ich das der Mannschaft nicht unbedingt zugetraut. Aber sie haben auch das WM-Aus von Karim Benzema gut kompensieren können. Frankreich kommt extrem über das Kollektiv und die Geschlossenheit. Egal wer ausfällt, Didier Deschamps schickt immer eine herausragende Mannschaft auf das Feld.
Wer ist nun vor dem Halbfinale Ihr Topfavorit auf den Titel?
Omilade: Ich erwarte, dass Argentinien und Frankreich ihre Halbfinals gewinnen und dann im Endspiel aufeinandertreffen werden. Wer von den beiden Weltmeister wird, wird sich dann zeigen, aber das wäre mit Sicherheit ein Duell auf Augenhöhe.
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