WM-Favoriten im Power-Ranking: Brasilien, Frankreich, England, Argentinien - wer hat die besten Titelchancen?

Die Spreu trennt sich allmählich vom Weizen. Acht Mannschaften haben noch die Chance, 2022 in Katar Weltmeister zu werden. Holen sich die Brasilianer mit Samba-Fußball ihren sechsten Stern? Oder zieht Frankreich durch bis zur erfolgreichen Titelverteidigung? Und was haben England, Argentinien, Portugal und die Niederlande wirklich im Kreuz? Wir klären auf im Power-Ranking zum WM-Viertelfinale.

Frankreich will den dritten WM-Titel nach 1998 und 2018

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56 Spiele sind gespielt bei dieser WM, die heiße Phase beginnt genau jetzt. Acht Mannschaften greifen noch nach der Krone, nicht alle konnte man im Viertelfinale erwarten.
Einmal mehr dominiert Europa, doch auch Afrika ist durch Marokko noch vertreten. Hinzu gesellt sich traditionell die Elite aus Südamerika.
Lionel Messi, Neymar, Virgil van Dijk, Harry Kane, Cristiano Ronaldo, Luka Modric - die Crème de la Crème darf noch mitkicken, aber nur einer von ihnen wird am Ende feiern.
Wer hat die besten Karten und wer muss auf ein Fußball-Wunder hoffen? Das WM-Power-Ranking zum Viertelfinale.

Platz 8: Kroatien

Bisherige Spiele: Marokko (0:0), Kanada (4:1), Belgien (0:0), Japan (4:2 n.E.)
Größter WM-Erfolg: Finale 2018
Die "Altherren-Truppe" gehört erneut zu den acht besten Teams bei einer WM. Sechs der zehn Feldspieler, die im Achtelfinale gegen Japan in der Startelf standen, sind mindestens 30 Jahre alt. Mit dem Lepiziger Josko Gvardiol (20) war nur ein Spieler dabei, der jünger als 27 ist.
Kroatien lebt von der Erfahrung seiner Spieler, Dreh- und Angelpunkt ist nach wie vor Luka Modric. Die Mannschaft steht für eine kompakte Defensive und kompromissloses Verteidigen. Auf dem Weg ins Viertelfinale kassierte Torhüter Dominik Livakovic nur zwei Gegentore, im Elfmeterschießen gegen Japan behielt er zudem drei Mal die Oberhand.
Dennoch findet sich die Mannschaft am Ende des Power-Rankings wieder, da offensiv ziemlich wenig los ist und Brasilien im Viertelfinale ganz einfach zu stark ist.
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Dominik Livakovic brachte die Japaner mit drei gehaltenen Elfmetern zur Verzweiflung

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Platz 7: Marokko

Bisherige Spiele: Kroatien (0:0), Belgien (2:0), Kanada (2:1), Spanien (3:0 n.E.)
Größter WM-Erfolg: Viertelfinale 2022
Die Überraschungsmannschaft hält die afrikanische Fahne hoch. Disziplin, Kampf und Pathos sind die drei großen Stärken der Mannschaft um die Stars Hakam Ziyech, Achraf Hakimi und Noussair Mazraoui.
Trainer Walid Regragui ist erst seit Mitte September Trainer der Marokkaner und hat in kurzer Zeit eine Einheit geformt, in der "jeden für den anderen sterben würde" (Regragui). Marokko stellt die beste Abwehr des Turniers (ein Gegentor) und brachte die Spanier mit defensiv-taktischer Finesse und Leidenschaft über 120 Minuten zur Verzweiflung.
Marokko wird auch im Viertelfinale gegen Portugal auf seine großartigen Fans im Stadion bauen können.
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Tränen nach Marokko-Triumph über Spanien: "Das ist historisch!"

Quelle: Perform

Platz 6: Niederlande

Bisherige Spiele: Senegal (2:0), Ecuador (1:1), Katar (2:0), USA (3:1)
Größter WM-Erfolg: Finale 1974 und 1978
Oranje steht ungeschlagen im Viertelfinale und hat im dreifachen Torschützen Cody Gakpo einen der Shootingstars der WM in den eigenen Reihen. In der Heimat löst das jedoch keine große Begeisterung aus. Experten wie Marco van Basten oder Rafael van der Vaart zerlegen die biedere Spielweise der Elftal regelmäßig.
Louis van Gaal juckt Kritik von außen bekanntermaßen wenig. Der Bondscoach teilte schon vor Beginn des Turniers mit, dass für ihn nur der WM-Titel zählt.
Von allen Viertelfinalisten sind die Niederländer aber schwierigsten einzuschätzen. Sie erzielen Tore nach Traumkombinationen, beschränken sich in der Offensive aber auf das Nötigste und sind hinten dennoch anfällig. Die Stärke der Kontrahenten war bislang überschaubar. Im Viertelfinale wartet mit Argentinien der erste echte Prüfstein.
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Der Chef und sein Kapitän: Bondscoach Louis van Gaal (r.) und Virgil van Dijk

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Platz 5: Argentinien

Bisherige Spiele: Saudi-Arabien (1:2), Mexiko (2:0), Polen (2:0), Australien (2:1)
Größter WM-Erfolg: Weltmeister 1978 und 1986
Das Turnier begann desaströs, doch Argentinien riss sich zusammen und holte drei Siege in Folge. Im Angriff steht und fällt (mal wieder) alles mit Lionel Messi, auch wenn er mit dem 22-jährigen Julian Alvarez (zwei Tore) einen starken Partner an seiner Seite hat.
Gegen Polen spielte die Albiceleste weltmeisterlich, auch gegen Australien sah das lange Zeit sehr gut aus. Wie fragil das Gebilde ist, zeigte aber die Schlussphase gegen die Socceroos, als Argentinien beinahe einen 2:0-Vorsprung verspielte.
Die argentinischen Fans setzen atmosphärisch neue Maßstäbe bei dieser WM. Dies und ein Messi in starker Form werden aber nicht reichen für den dritten Stern.
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Der König und sein möglicher Thronfolger: Lionel Messi und Julian Alvarez

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Platz 4: Portugal

Bisherige Spiele: Ghana (3:2), Uruguay (2:0), Südkorea (1:2), Schweiz (6:1)
Größter WM-Erfolg: Platz drei 1966
Cristiano Ronaldo ist (erstmal) raus und dennoch - oder gerade deswegen - zündete Portugal im Achtelfinale ein Feuerwerk. Die Mannschaft schien die „Befreiung“ von Ronaldo zu genießen, CR7-Ersatz Goncalo Ramos schnürte einen Hattrick und Bruno Fernandes ist definitiv einer der besten Spieler des Turniers.
In der Abwehr wirft sich Veteran Pepe in jede Schlacht und glänzt obendrein als Torschütze. Allerdings bedeuten die fünf Gegentore die meisten aller Viertelfinalisten.
Portugal weiß, wie man einen großen Titel holt. 2016 rechnete niemand mit dem Gewinn der Europameisterschaft. Die Mannschaft hat offensiv einiges zu bieten, der erste WM-Titel der Geschichte bleibt allerdings ein Traum.

Platz 3: England

Bisherige Spiele: Iran (6:2), USA (0:0), Wales (3:0), Senegal (3:0)
Größter WM-Erfolg: Weltmeister 1966
Nach dem Herzschmerz-Finale bei der letztjährigen EM unkten einige Experten, dass die Three Lions weitere 55 Jahre auf den zweiten großen Titel warten müssten. Doch Trainer Gareth Southgate hat die Mannschaft peu à peu wieder an ihre Leistungsgrenze herangeführt und in Katar scheinen die Engländer rechtzeitig auf ihrem Höhepunkt zu sein.
Zwölf Treffer sind Bestwert aller 32 Teilnehmer, verteilt auf sieben Spieler. Auch der Torjäger schlechthin, Harry Kane, gehört nach anfänglichen Problemen mittlerweile dazu.
In der Defensive bildet der in britischen Medien gerne als "Tölpel" verspottete Harry Maguire das Herzstück mit John Stones im 4-2-3-1. Southgate opferte in letzter Sekunde seine geliebte Dreierabwehrkette - mit Erfolg. England spielt schnörkellosen Powerfußball, angeführt vom überragenden Jude Bellingham. Der BVB-Star dürfte seinen Marktwert bei der WM in einen dreistelligen Millionenbetrag umgewandelt haben.
Diese englische Mannschaft hat das Zeug, die ewige Durststrecke seit dem WM-Titel 1966 zu beenden.
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Wer ist hier der Boss? Jude Bellingham spielt eine starke WM

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Platz 2: Brasilien

Bisherige Spiele: Serbien (2:0), Schweiz (1:0), Kamerun (0:1), Südkorea (4:1)
Größter WM-Erfolg: Weltmeister 1958, 1962, 1970, 1994 und 2002
Zaubern, treffen, tanzen - der Auftritt der Selecao im Achtelfinale gegen Südkorea war Samba pur Do Brasil. Das hat wahrlich lange nicht gesehen von einem Nationalteam des fünfmaligen Weltmeisters.
Die Rückkehr von Neymar, der in ungewohnter Rolle auf der Acht überzeugte, hat der Mannschaft nach einer eher mauen Vorrunde Flügel verliehen. Lässt man die Brasilianer spielen, läuft man Gefahr, aus den Schuhen gespielt zu werden.
Wie der Heim-WM 2014 ist auch in Katar viel Pathos dabei. Damals wollte Brasilien den Titel für den verletzten Neymar holen und verrannte sich in ihren Emotionen komplett. In diesem Jahr geht der Gesundheitszustand von Legende Pelé dem ganzen Land nahe und entsprechend auch der Selecao.
Besinnen sich die Brasilianer auf ihr Können auf dem Platz, stehen die Sterne günstig für den sechsten Titel. Doch wehe, der Pathos nimmt wieder Überhand...

Platz 1: Frankreich

Bisherige Spiele: Australien (4:1), Dänemark (2:1), Tunesien (0:1), Polen (3:1)
Größter WM-Erfolg: Weltmeister 1998 und 2018
N’Golo Kanté? Verletzt. Paul Pogba? Verletzt. Christopher Nnkuku? Verletzt. Karim Benzema? Verletzt. Lucas Hernandez? Verletzt. Kein Mitfavorit auf den WM-Titel hat so ein Aderlass zu verkraften wie die Equipe Tricolore. Und dennoch läuft alles nach Plan – das unbedeutende 0:1 im dritten Gruppenspiel mit einer C-Elf einmal ausgenommen.
Stürmer Olivier Giroud erlebt seinen achten Frühling, Antoine Griezmann stellt sich voll in den Dienst der Mannschaft und klaut Bälle tief in der eigenen Hälfte. Adrien Rabiot ist in der Form seines Lebens und Ousmane Dembélé spielt für alle, nur nicht für sich selbst.
Hinzu kommt eine Harmonie (Trainer Deschamps: "Wir sind vom ersten Tag an eine Einheit"), die es im französischen Nationalteam nicht allzu oft gibt. Der entscheidende Mosaikstein zur erfolgreichen Titelverteidigung ist aber Kylian Mbappé. Fünf Tore in vier Spielen, insgesamt neun bei zwei WM-Teilnahmen. Der 23-Jährige ist die brutalste Maschine im Weltfußball und wird das noch eine Zeit lang bleiben.
Frankreich wird Weltmeister, weil Kylian Mbappé nun mal Franzose ist.
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