WM 2026: Argentinien und Lionel Messi glänzen auch dank ihrer Kettenhunde - Enzo Fernández und Co. unentbehrlich
Update 18/07/2026 um 10:41 GMT+2 Uhr
Am kommenden Sonntag um 21:00 Uhr trifft Argentinien im Finale der WM 2026 auf Spanien. Mit acht Turniertreffern ist Lionel Messi zweifelsohne der schillernde Star der Albiceleste, doch wie vor vier Jahren darf sich der 39-Jährige auf seine Kettenhunde im Mittelfeld verlassen. Bei den Gegnern sind Enzo Fernández und Co. verhasst - für Argentinien sind die "Bad Boys" jedoch unentbehrlich.
Messi chillt - Jux und Dollerei im Argentinien-Training
Quelle: SNTV
Bei Argentinien gilt ein einziges Gebot: Hände weg von Lionel Messi!
In der 37. Minute des WM-Halbfinals zwischen der Albiceleste und England (2:1) fand dieses heilige Gesetz in höchster Vollendung seine Anwendung. Harry Kane, Anthony Gordon und Djed Spence wurden von Messi noch links liegen gelassen, doch Elliot Anderson maßte sich tatsächlich an, die wandelnde Reliquie aus Rosario umzutreten.
Kurios: Anstatt auf einen durch den Schiedsrichter gegebenen Vorteil zu spekulieren, den vor sich liegenden Ball zu schnappen und einen Angriff über die komplett freie rechte Flanke zu wagen, kannten Enzo Fernández und Leandro Paredes nur ein Ziel. Den Unparteiischen.
Die späten Tore des Titelverteidigers mögen an diesem dramatischen Abend die Schlagzeilen geschrieben haben. Die vermeintlich unscheinbare Szene in der ersten Halbzeit avancierte jedoch ebenso zu einem elementaren Baustein des argentinischen Erfolgs, denn: Die Kettenhunde beißen wieder - und zwar wilder als je zuvor.
Das "Mittelfeld terrible": Wenn der Puls in die Höhe geht
Was sich beim dreimaligen Weltmeister auf dem Rasen abspielt, ist ein waschechtes Déjà-vu.
Wie beim WM-Titel vor vier Jahren in Katar bilden Paredes, Fernández, Alexis Mac Allister und mit Abstrichen Rodrigo de Paul auch in Nordamerika das "Mittelfeld terrible". Jeweils ausgestattet mit zwei Pferdelungen pflügen sie über das Feld, die Gegenspieler tragen gerne mal blaue Flecken davon - und bei so manchem gegnerischen Fan treibt das Quartett den Puls in die Höhe.
Ein Beispiel gefällig? Kurz vor Ende der ersten Halbzeit wurde Argentinien in der englischen Hälfte ein Freistoß zugesprochen. Während Schiedsrichter Ismail Elfath die Ordnung auf dem Platz wiederherstellen wollte, sprach Kane den Referee mit vorgehaltener Hand an.
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Quelle: MagentaTV
Eine Geste, die seit dieser Weltmeisterschaft zu einem Platzverweis führen kann. Da ein Schiedsrichter jedoch selbst beurteilen kann, was ihm gesagt wird, war die Regel in dieser Szene bedeutungslos - möchte man meinen. Paredes bearbeitete nämlich den Schiedsrichter regelrecht und forderte tatsächlich einen Platzverweis für Kane.
"Das ist jämmerlich", polterte Englands ehemaliger Nationaltorhüter Joe Hart bei TNT Sports. "Kane wollte mit dem Referee reden und dabei klar verständlich sein. Ich verstehe, dass sie alles tun wollen, um zu gewinnen. Aber kommt schon: Schießt doch einfach mehr Tore."
Es darf bezweifelt werden, ob Paredes sich wirklich eine Rote Karte erhofft hat und nicht einfach wie gewohnt mit seinen Psychospielchen provozieren wollte, um den Rivalen aus dem Konzept zu bringen. Letzten Endes haben die Argentinier ohnehin den Vorschlag von Hart umgesetzt und einfach ein Tor mehr geschossen.
Mehr als nur ein Mensch: Leiden für einen Halbgott
Vor allem Fernández und Paredes haben dem Begriff Drecksarbeit bei der laufenden Weltmeisterschaft eine neue Dimension verliehen. Nicht zuletzt wegen ihrer Aufopferung für Messi.
Diese baut auf einer Faszination und Verehrung für "La Pulga" auf, die nicht nur bei Fans in ganz Argentinien tief verwurzelt sind, sondern auch bei seinen Mitspielern.
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Auch im Training weichen sich nicht von seiner Seite: Leandro Paredes mit Lionel Messi und Enzo Fernández (v.l.n.r.)
Fotocredit: Getty Images
"Ja, ich denke oft an den Brief zurück", erklärte Fernández auf einer Pressekonferenz vor wenigen Tagen. Der Mittelfeldmann vom FC Chelsea bezog sich auf einen Brief, den er einst als 15-Jähriger an Messi nach dessen zwischenzeitlichem Rücktritt aus der Nationalmannschaft im Jahr 2016 geschrieben hatte.
"Mach, was du willst, Lionel, aber bitte denke darüber nach, zu bleiben. Bleibe und habe Spaß", stand darin. "Dich in der Albiceleste spielen zu sehen, ist der größte Stolz auf der Welt."
Worte eines Fans, der sich an der Seite seines Idols vor vier Jahren zum Weltmeister gekrönt hat und dieses Märchen nun wiederholen möchte. Das Phänomen Messi löst bei seinen Mitspielern ungeahnte Kräfte aus. Leiden für einen Halbgott: So lautet die Devise.
Fernández und Paredes können auch Matchwinner sein
Allein Herz und Blut haben die Argentinier jedoch nicht in das WM-Finale gehievt. Die "Bad Boys" der Albiceleste können nämlich auch anderweitig glänzen.
So erzielte Fernández im Halbfinale gegen die Three Lions nach Vorlage von Messi das zwischenzeitliche 1:1 per Traumtor, Paredes leitete im Achtelfinale mit einer elementar wichtigen Grätsche bei einem ägyptischen Konter in der 90. Minute das Tor zum 3:2-Endstand ein - ebenso durch Fernández.
Beim Titelverteidiger herrscht innerhalb des Kaders eine Dynamik vor, die so in keiner anderen Mannschaft zu finden ist.
Letzten Endes muss sich die Frage gestellt werden, wie eine Zukunft ohne Messi aussehen würde. Bis dato interessiert das Szenario aber niemanden - denn die Kettenhunde haben bereits die Fährte der Spanier aufgenommen.
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