WM: Joshua Kimmich nach Deutschlands Aus gegen Paraguay angezählt - darum bleibt der DFB-Kapitän aber unverzichtbar
VonThomas Gaber
Update 02/07/2026 um 12:10 GMT+2 Uhr
Joshua Kimmich steht nach dem erneuten WM-Debakel der deutschen Nationalmannschaft sinnbildlich für eine gescheiterte Spielergeneration. Während Experten einen personellen Neuanfang fordern und hier auch Kimmich einbeziehen, spricht jedoch vieles dafür, dass der DFB-Kapitän weiterhin die richtige Führungsfigur für die DFB-Auswahl ist. Allerdings nur unter einer Bedingung.
Kimmich deutlich: "Dürfen nicht von Glück abhängig sein"
Quelle: Perform
Als Joshua Kimmich im Sommer 2024 die Kapitänsbinde der deutschen Nationalmannschaft übernahm, war das mehr als eine formale Entscheidung. Es war das Signal eines Neuanfangs. Nach den Rücktritten von Manuel Neuer, Toni Kroos, Thomas Müller und Ilkay Gündoğan sollte ein Spieler die nächste Ära prägen, der wie kaum ein anderer für Leistungsbereitschaft, Ehrgeiz und Verantwortung steht.
Zwei Jahre später ist der 31-Jährige noch immer das Zentrum der deutschen Mannschaft. Die Frage lautet inzwischen nicht mehr, ob er Führung übernehmen kann. Sondern ob er der richtige Kapitän ist, um Deutschland nach dem erneuten WM-Desaster zur EM 2028 zu führen.
Didi Hamann hat da seine Zweifel. Der "Sky"-Experte legte Kimmich den Rücktritt nahe. "Wenn ich Sané, Kimmich und Goretzka sehe, sollten wir jetzt einen Neuanfang machen”, erklärte der 52-Jährige und schob nach: "Wir haben uns das zu lange angesehen. Und wenn die Spieler nicht selbst zurücktreten, dann sollten wir es ihnen vielleicht nahelegen."
Mats Hummels hatte sich ähnlich geäußert, Kimmich aber explizit nicht gemeint, wie der "MagentaTV"-Experte am Tag nach dem Aus gegen Paraguay erklärte. "Jo ist von seinem Charakter her über jeden Zweifel erhaben, der ist ein Vollprofi, der jeden Tag 100 Prozent trainiert. Ihn habe ich definitiv nicht angesprochen", so Hummels.
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Nagelsmann: "Wenn der DFB will, mache ich weiter"
Quelle: Perform
Sinnbild einer gescheiterten Generation
Fakt ist, dass Kimmich über die Jahre zum Sinnbild einer Generation wurde, die sportlich enorme Qualität besitzt, den Erwartungen aber nie gerecht wurde. Die WM-Pleiten 2018 und 2022 hinterließen Spuren, mehrfach geriet auch Kimmich selbst in die Kritik. Weil er auf dem Platz alles kontrollieren wollte. Weil seine Emotionen mitunter ins Verbissene kippten und weil Führungsstärke nicht automatisch Führungskompetenz bedeutet.
Doch gerade diese Erfahrungen haben den Bayern-Profi verändert. Aus dem Perfektionisten, der nicht selten als Einzelkämpfer wirkte, ist ein Kapitän geworden, der Verantwortung nicht nur einfordert, sondern selbst vorlebt. Kimmich ist nicht mehr der lauteste Spieler, aber oft einer der wichtigsten - vor allem im Verein.
Auch dank Kimmichs tragender Rolle auf und außerhalb des Platzes ist der FC Bayern in den letzten beiden Jahren wieder zu einer der besten Adressen im Weltfußball geworden. In München ist er als zentraler Mittelfeldspieler unverzichtbar geworden - was sich aber nicht auf die Nationalmannschaft ableiten lässt.
Kimmich spielte auf der falschen Position
Bundestrainer Julian Nagelsmann beharrte auf dem Rechtsverteidiger Kimmich. Qua Position hat er im DFB-Dress weniger Einfluss auf Spielrhythmus und Pressing-Organisation. Wenn es noch letzter Beweise bedurfte, dass Kimmich auf der falschen Position eingesetzt wurde, waren dies die vier überwiegend schwachen Auftritte bei der WM.
Seine Übersicht, seine Passqualität und sein Gefühl für Kontrolle machen ihn zu einer Schlüsselfigur, die sich im deutschen Fußball aktuell kaum ersetzen lässt. Nagelsmann entschied trotzdem anders und erlitt damit Schiffbruch.
Schon in der WM-Qualifikation wurde ersichtlich, dass Kimmich von rechts hinten immer wieder in die Mitte zog. Dadurch entstand auf der rechten Abwehrseite ein Vakuum, das sich beispielsweise die Slowaken bei ihrem 2:0-Sieg gegen Deutschland im September 2025 zunutze machten.
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WM-K.o. gegen Paraguay: Hummels fordert Konsequenzen
Quelle: MagentaTV
Kimmich: "Was ich niemals tun werde, ist aufgeben"
Kimmich ist der richtige Kapitän, um die deutsche Nationalmannschaft nach so vielen Jahren der Tristesse zur EM 2028 zu führen - aber nur in zentraler Mittelfeldrolle. Die DFB-Auswahl hat zwar zahlreiche herausragende Fußballer, aber nur wenige natürliche Anführer. Kimmich vereint sportliche Qualität, Erfahrung, Verantwortung und Identifikation mit dem DFB-Team.
Vielleicht wird genau das zu seinem Vermächtnis. Nicht die Zahl seiner Länderspiele (mittlerweile sind es 114) oder die Titel, die er möglicherweise noch gewinnt. Sondern die Fähigkeit, eine Nationalmannschaft durch eine schwierige Phase zu führen und einer neuen Generation den Weg zu ebnen.
Von sich aus hinzuwerfen ist überhaupt nicht Kimmichs Ding. "Ich werde immer die Power haben für einen neuen Anlauf. Was ich niemals tun werde, ist aufgeben", stellte er nach dem WM-Aus bei "MagentaTV" klar.
Deutschland braucht keinen neuen Kapitän. Deutschland braucht einen Joshua Kimmich, der wieder dort spielt, wo er Spiele, Mitspieler und ganze Mannschaften lenken kann.
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Hummels über Nagelsmann: "Gibt viele Dinge, die er falsch gemacht hat"
Quelle: MagentaTV
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