Kommentar: Manuel Neuer tritt aus deutscher Nationalmannschaft zurück - warum seine Entscheidung ein großer Segen ist

Manuel Neuer beendet nach 124 Länderspielen seine glanzvolle Karriere in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Mit dem 38 Jahre alten Torhüter kehrt der letzte der 2014er Weltmeister dem DFB-Team den Rücken - endlich, möchte man sagen. Denn diese Entscheidung ist ein Segen: für Neuer, die Bayern und seinen designierten Nachfolger Marc-André ter Stegen. Ein Kommentar von Patrick Strasser.

Eine Legende geht: So lief Neuers DFB-Karriere ab

Quelle: SID

Manuel Neuer ist ein Mensch, der nur schlecht loslassen kann, der gerne an Dingen festhält. Bälle sowieso. Aber auch Gewohnheiten, für ihn Selbstverständlichkeiten, sind seine Sache. Er war: Deutschlands langjährige Nummer eins im Tor.
Er gilt für viele als: Deutschland bester Torhüter überhaupt. Doch nun kann er nach 15 Jahren, davon sieben als Kapitän, loslassen, auf eine weitere Karriere in der deutschen Nationalmannschaft verzichten. Endlich möchte man ihm zurufen. Es wird ihm guttun.
Marc-André ter Stegen auch - welch' grandiose Untertreibung. Die ewige Nummer zwei, seit 2016 bei vier Turnieren (ohne 2021) als geduldiger und frustrierter Bankdrücker im zweiten Glied beim DFB, bedeutet der 21. August 2024 eine Erlösung.
Für Neuer, das wird er bald registrieren, auch. Ein Schlussstrich zum richtigen Zeitpunkt, kein weiteres Abwarten oder Hinausschieben, kein Vielleicht, kein Schaunmermal.

Manuel Neuer tritt zurück - den FC Bayern wird's freuen

Nun kann sich Neuer, stolze 38 Jahre alt, auf die nun beginnende Saison mit dem FC Bayern München konzentrieren.
Er kann pausieren, sich regenerieren und trainieren, wenn die Kollegen von September bis November in den drei Länderspiel-Perioden sechs Nations-League-Spiele bestreiten müssen und im Jahr 2025 die Qualifikation für die WM 2026 in Nordamerika gespielt wird. Plus mögliche K.o.-Partien in der Nations League.
Eine EM ist ein wichtiges Turnier, aber für viele Profis nur der Zwischenschritt zum noch größeren Event, zur Weltmeisterschaft. Doch die EM dieses Sommers war eine besondere, eine Heim-EM mit so vielen Emotionen.
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Manuel Neuer tritt nach 124 Länderspielen aus der deutschen Nationalmannschaft zurück

Fotocredit: Getty Images

Mit der Entscheidung fällt Druck ab

Für Neuer besonders aufgeladen, weil er nach seinem schweren Unfall im Dezember 2022 mit dem Schien- und Wadenbeinbruch nicht mehr damit rechnen konnte, zurückzukehren. Für ihn war diese EM eine "Zugabe", die "Krönung", wie er in seinen Abschiedsworten sagte.
Eine Krönung ohne Krone, ohne Titel. Die WM 2026, bei der Neuer dann 40 gewesen wäre, war ihm doch zu weit weg. So erspart sich der gebürtige Gelsenkirchener all die Zweifel und Debatten, wenn er mal einen Ball prallen oder fallen lässt.
Mit seiner Entscheidung fällt Druck ab von seinen breiten Schultern. Klarheit bringt Freiheit. Und Freiheit womöglich einen Leistungsschub.

Manuel Neuer: Der letzte Weltmeister geht

Der Spanier Mikel Merino war es also, der den letzten Treffer gegen Nationaltorwart Neuer in dessen 124. Länderspiel erzielte. Zugleich bedeutete jener Kopfball zum 2:1 das Aus im Viertelfinale.
Diese Partie in Stuttgart geht in die DFB-Historie ein als der Abschied der Weltmeister von 2014. Spielmacher Toni Kroos, dank der Initiative von Bundestrainer Julian Nagelsmann für die Heim-EM noch einmal zurückgekehrt, hatte sein Karriereende für diesen Sommer schon zuvor verkündet. Ilkay Gündogan gab seinen DFB-Rücktritt am Dienstag bekannt, Thomas Müller etwas mehr als eine Woche nach dem Turnier-Aus.
Während für Nagelsmann nun die Arbeit richtig losgeht, mit neuen Anführern (Joshua Kimmich als wahrscheinlichem Kapitän und Antonio Rüdiger als möglichem Stellvertreter) in seiner Mannschaft eine neue Hierarchie begründen zu müssen, gehen Neuer, Müller und Gündogan - als Rückkehrer zu Manchester City - in ihr letztes oder vorletztes Karrierejahr im Verein.
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Nach 124 Länderspielen: Neuer beendet DFB-Karriere

Quelle: Perform

Auch Nübel will Klarheit

Neuers Entscheidung dürfte auch ein Segen für den FC Bayern sein. Eben weil Neuer nun seine ganze Konzentration, seinen ganzen Fokus auf die Saison im Vereinstrikot legen kann. Wie sein langjähriger Weggefährte Müller.
An der Säbener Straße ist Neuer unumstritten und könnte mit seinem Abschied vom DFB bereits den Grundstein gelegt haben, etwas entspannter und ausgeruhter womöglich auch noch die Saison 2025/26 in Angriff nehmen zu wollen.
Die Entscheidung darüber, ob die Bosse mit ihm erneut um ein weiteres Jahr verlängern, wird im Winter fallen - muss sie auch. Denn Alexander Nübel, der Kronprinz und designierte Nachfolger, momentan an den VfB Stuttgart ausgeliehen, will ebenfalls Klarheit - wie auch die Schwaben.
Die Frage wird sein: Kann Neuer bald endgültig loslassen, der Fliegerei durch die Strafräume vollumfänglich Lebewohl sagen und am Boden bleiben?
Wer im rechten Moment abtritt, festigt seinen Legenden-Status.
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Neuers emotionaler Abschied: "Geliebt, für Deutschland zu spielen"

Quelle: Perform


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