WM: Nmecha Weltklasse, furiose DFB-Offensive und Klopps Entschuldigung - sieben Tore und ein Gang nach Cabanossa
Update 15/06/2026 um 16:36 GMT+2 Uhr
Für die deutsche Nationalmannschaft und Julian Nagelsmann, bei dem sich Jürgen Klopp entschuldigen musste, hätte der WM-Auftakt nicht besser laufen können. Beim 7:1 gegen Curacao konnte das DFB-Team viel Selbstvertrauen tanken, dabei Tor-Debüts bei den WM-Premieren feiern. Auch Ersatzspieler ohne echte Perspektive sammelten Spielminuten. Was der Erfolg für den Rest des Turniers bedeuten könnte.
Nagelsmann über Curaçao-Kniff: Raute sieht man selten
Quelle: Perform
Spiel eins bei einer WM - und wer weiß das besser als einige der deutschen Nationalspieler der Generation um Kapitän Joshua Kimmich und Co. - muss einfach gewonnen werden.
Dann lässt es sich nach eingefahrener Ernte, sprich den ersten drei Punkten durch das souveräne wie lockere 7:1 gegen Außenseiter Curaçao am Dienstag einen genüsslichen freien Tag im Team-Quartier in Winston-Salem genießen - samt Besuch von Freunden und den Familien der Spieler.
Am Montag ist Spielersatztraining für all diejenigen angesetzt, die weniger als eine halbe Stunde gespielt haben und für die anderen Regeneration.
Der Dienstag-Plan: Bisschen relaxen, bisschen chillen. Und Fußball schauen. Was machen die anderen Nationen so bei dieser WM? 2018 in Russland (0:1 gegen Mexiko) und 2022 in Katar (1:2 gegen Japan) gingen die ersten Spiele verloren, es folgte jeweils das blamable Aus nach der Vorrunde.
Klopp kroch live im TV zu Kreuze
Die Sieben auf einen Streich an diesem Sonntag bedeuten zwar nicht den höchsten Auftakt-Sieg der so reichhaltigen WM-Historie des DFB (2002 gab es in Japan ein 8:0 gegen Saudi-Arabien), sind jedoch ein Ausrufezeichen.
Ein Signal nach innen und außen. Man konnte sich einiger Zweifel und Sorgen entledigen. Und erleben, wie ein weltweit anerkannter Trainer, nun als TV-Experte vor Ort in Houston, gegenüber Bundestrainer Julian Nagelsmann zu Kreuze kroch.
Jürgen Klopp, ehemals Kulttrainer in Mainz, Dortmund und Liverpool, für viele Fans der Schattentrainer als Irgendwann-Nachfolger von Nagelsmann, entschuldigte sich nach dem Curaçao-Spiel live bei "MagentaTV" für seinen Fauxpas am Rande des WM-Eröffnungsspiels in Mexiko-City.
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Klopp entschuldigt sich bei Nagelsmann: "59 und immer noch dämlich!"
Quelle: MagentaTV
Am Donnerstag hatte Klopp im Gespräch mit dem stets flachsenden Experten-Kollegen Thomas Müller mit Blick auf die Aufstellung des DFB-Teams launig daher geplaudert: "Zum Glück stellt Julian Nagelsmann die Mannschaft auf, noch - noch!" Was der aktuelle Bundestrainer, im Amt seit September 2023 und laut Vertrag bis zur EM im Sommer 2028, nicht wirklich lustig fand. Auf Nachfrage verneinte er am Vorabend des Spiels in Houston eine Antwort darauf.
Klopp: "Ich werde bald 59 und bin immer noch dämlich"
Nun betonte Klopp, der diese Gelegenheit nicht auslassen wollte: "Ich hätte mir aufs Maul hauen können, aber das war schon zu spät und ich war im Fernsehen. Das ist flapsig rausgerutscht." Seine Aussage habe "gar keine Relevanz", versicherte er und sagte mit einem Blick in die Kamera.
"Ich hoffe, dass das alle da draußen verstehen." Nagelsmann hörte zu, kniff die Lippen und zusammen und lächelte versöhnlich. Klopp, einmal in Fahrt, legte nach: "Ich werde übermorgen 59 (am Dienstag, d.Red.) und bin immer noch dämlich. Aber es ist einfach passiert." Das "noch" in der Formulierung sei das persönliche "Unwort meines Jahres", so Klopp. Er versicherte Nagelsmann: "Wir sind komplett auf eurer Seite. Nichts kommt von uns, was den Ablauf hier stören soll." Am Ende des Gesprächs klatschten beide miteinander ab.
Vor dem Anpfiff in Houston hatte Nagelsmann noch sichtlich pikiert zur Affäre um das "Noch"-Wort, den Klopp-Klopps, gesagt: "Am Ende ist es mein Job jetzt, die Mannschaft so einzustellen, dass wir ein gutes Turnier spielen. Und wir dann auch in der Lage sind, nach der WM weiterhin gute Spiele zu machen." Zunächst am Samstag in Toronto gegen die Elfenbeinküste.
Auch rein sportlich lief beim DFB-Team mit dem 7:1 alles nach Plan und nach Wunsch. Dabei galt diese Nationalmannschaft vor dem Turnierstart als Wundertüte, Nagelsmann war in einige Kommunikations-Fettnäpfchen getappt - siehe den Fall Deniz Undav und die Chronik des Neuer-Comebacks. Dass der 40-jährige Torhüter nach seiner Rückkehr und der überstandenen Verletzungspause nun ein Testspiel zum Eingewöhnen, eine intensive Trainingseinheit bekam, um im weiteren Verlauf des Turniers seine Bestform erreichen zu können, ist eine Punktlandung. Sonst?
Sechs verschiedene Torschützen geben eine Menge Selbstvertrauen
Beim 7:1-Schützenfest gab es dazu sechs verschiedene Torschützen – heißt: sechsmal frisch aufpoliertes Selbstvertrauen. Für Doppelpacker Kai Havertz, den "Player of the Match" der FIFA, im doppelten Sinne.
Dazu gingen sämtliche, knifflige Personalentscheidungen von Nagelsmann auf: Nathaniel Brown (22), der in seinem erst sechsten Länderspiel den Vorzug vor Routinier David Raum (28/38 Länderspiele) erhielt, machte ein herausragend gutes Spiel als Linksverteidiger.
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Felix Nmecha: Im Fokus der Top-Klubs
Fotocredit: Getty Images
Felix Nmecha glänzte an der Seite von Aleksandar Pavlovic als zweiter Sechser nicht nur wegen seines Führungstores zum 1:0. "Felix hat es sehr gut gemacht. Er ist ein super Fußballer, der uns noch viel Freude bereiten wird", erklärte Nagelsmann. Wie Brown erging es auch Nmecha: WM-Debüt, erstes WM-Tor.
Dass auch Bayern-Profi Jamal Musiala seinen Premierentreffer auf der größten Bühne erzielte, überrascht. Anders als von so manchen Experten vermutet, durfte Musiala beginnen und wertvolle Minuten sammeln, um weiter in den Rhythmus zu kommen. "Jamal hat sehr gut gespielt, hatte viele gute Momente", lobte Nagelsmann und dementierte eine leichte Verletzung als Grund für die vorzeitige Auswechslung: "Er hatte keine Probleme."
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Nagelsmann mit Lob nach Auftakt: "Musiala hat sehr gut gespielt"
Quelle: Perform
Rüdiger durfte die Kapitänsbinde tragen
Schließlich kamen dank der komfortablen Führung einige Akteure als Einwechselspieler zum Einsatz, die im Turnierverlauf im Normalfall - ohne größere Verletzungsprobleme oder längere Sperren - nicht mehr oft drankommen könnten: Die Innenverteidiger Antonio Rüdiger (war nach der Auswechslung von Joshua Kimmich sogar Kapitän) und Waldemar Anton, dazu Leon Goretzka und eben Raum.
"Wir müssen Spieler für ihren Einsatz und ihren Beitrag belohnen, den sie für die Gruppe leisten", erklärte Nagelsmann und betonte: "Wir haben ein sehr gutes Miteinander. Davon müssen sie zehren. Es gibt einen sehr guten Geist. Auch die Ersatzspieler pushen extrem. Das ist der Schlüssel. Das müssen wir beibehalten. Da dürfen wir keinen Deut nachlassen."
Joker Undav könnte noch eine große Rolle spielen
Joker Deniz Undav kam nach einer guten Stunde als erster Joker rein und traf zum 6:1 – Form bestätigt, gute Laune bewahrt. So kann der VfB-Angreifer noch sehr wichtig werden bei dieser WM.
Routinier Manuel Neuer weiß, wie wichtig ein Auftakt-Sieg bei einer WM ist, der Oldie sagte: "Das gibt uns erstmal Vertrauen, in die Mannschaft, in die eigene Stärke. Im Turnier zu sein, so gestartet zu haben, ist wirklich etwas ganz Besonderes. Und das gibt einem auch ein bisschen Zuversicht, ein bisschen Ruhe."
Mit vier Punkten ist das DFB-Team zu 99 Prozent in der Ko.-Runde
Die deutschen Fans feierten den Raketenstart-Erfolg von Houston gegen Curaçao, sangen am Ende beseelt: "Macht sie alle, schießt sie aus der Halle!"
Der letztlich souverän gewonnene Kick ist schon fast die halbe Miete in der Gruppenphase. Ein weiterer Punkt in den nächsten beiden Partien gegen die Elfenbeinküste und gegen Ecuador (25. Juni in New Jersey) würde laut findiger Mathematiker zu 99 Prozent das Ticket für das neu eingeführte Sechzehntelfinale bedeuten.
Nagelsmann ist nach dem geglückten Auftakt sicher: "Die Überzeugung ist größer als vor dem Spiel. Wir wollen den Fans in Deutschland viele Emotionen bescheren. Wenn wir die nötige Geduld und trotzdem Speed und Intensität haben, können wir ein gutes Turnier spielen." Nach einem Erfolg in Spiel eins ging es stets mindestens ins: Halbfinale. Ein gutes Omen.
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Hummels lobt Nagelsmanns Wechsel: "Es war perfekt"
Quelle: MagentaTV
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