WM 2026: Portugal hofft auf die Erlösung - Cristiano Ronaldo bekommt eine letzte Chance auf den Gewinn des WM-Titels
VonThomas Gaber
Update 10/06/2026 um 22:23 GMT+2 Uhr
Wie sein ewiger Gegenspieler Lionel Messi bestreitet auch Cristiano Ronaldo in den USA, Kanada und Mexiko seine sechste Fußball-Weltmeisterschaft. Im Gegensatz zum Argentinier hechelt CR7 mit Portugal dem WM-Titel aber nach wie vor hinterher. Die Chancen, diese Sehnsucht endlich zu stillen, scheinen 2026 besser denn je. Doch die "Seleção das Quinas" hat ein nicht zu unterschätzendes Problem.
Cristiano Ronaldo spielt seine sechste Weltmeisterschaft
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Sieben Jahre hat Roberto Martinez vergeblich versucht, mit der "goldenen Generation" der Belgier einen großen Titel zu gewinnen. Bei der WM 2026 schickt sich der Spanier an, dieses Kunststück mit einer noch "goldeneren Generation" der Portugiesen zu vollenden.
Die "Seleção das Quinas" wurde 2016 Europameister und holte zweimal die Nations League, bei Weltmeisterschaften war der Erfolg aber bislang überschaubar.
Angeführt von Cristiano Ronaldo soll bei der Mammut-Endrunde in den USA, Kanada und Mexiko endlich der Goldpokal für die beste Nationalmannschaft der Welt her.
Die Voraussetzungen dafür können idealer nicht sein - im 27-Mann-Kader wimmelt es nur so von Titelhamstern.
Portugal - der Schlüsselspieler: Ronaldos letzte Chance
Der inzwischen 41-Jährige ist längst nicht mehr der dynamische Flügelspieler früherer Jahre, besitzt aber nach wie vor eine außergewöhnliche Präsenz im Strafraum. Seine Kopfballstärke und Kaltschnäuzigkeit können vor allem in engen Spielen enorm wertvoll sein.
Hinzu kommt seine Rolle als emotionaler Anführer. Kein anderer Spieler im portugiesischen Kader hat vergleichbare Turniererfahrung oder eine ähnliche Ausstrahlung.
Kritiker sehen die Nibelungen-Treue zu Ronaldo als Bremsklotz für die Erfolgsaussichten der Portugiesen an, doch durch den tragischen Verlust des 2025 tödlich verunglückten Diogo Jota und der stagnierenden Entwicklung von Gonçalo Ramos fehlen Martinez die Alternativen im Angriff.
Auch wenn der Coach kürzlich eine siebte WM-Teilnahme Ronaldos im Jahr 2030 nicht ausschloss, ist es die letzte Chance für den neben Messi prägendsten Spieler der letzten 20 Jahre, sich mit dem WM-Titel die Krone aufzusetzen.
Portugal - der Hoffnungsträger: Bruno Fernandes
Seit 2020 spielt Bruno Fernandes für Manchester United und erlebte seitdem einige der sportlich schlimmsten Jahre in der Geschichte des Klubs. Doch selbst als 2024 ein 240-Millionen-Euro-Angebot über drei Jahre (!) von Saudi-Klub Al-Hilal kam, blieb er den Red Devils treu.
Fernandes war auch in schwierigen United-Zeiten eine Konstante in Manchester und knackte in der abgelaufenen Saison den Rekord für die meisten Torvorlagen (21) in der Premier League.
Mit 31 befindet sich Fernandes in der Form seines Lebens und ist auf der Zehnerposition aufgrund seiner Passschärfe und -genauigkeit, den Standards und der hohen Pressing-Intensität unverzichtbar für Portugal.
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Bruno Fernandes ist Kapitän von Portugal
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Portugal - die Story: Wenn nicht jetzt, wann dann?
Starke Individualisten hatte Portugal schon immer, aber selten gelang es dem jeweiligen Trainer, aus einer Ansammlung von Stars eine funktionierende WM-Mannschaft zu formen.
Bei acht WM-Teilnahmen erreichte Portugal zweimal das Halbfinale (1966 und 2006). Vor vier Jahren in Katar schied der Mitfavorit im Viertelfinale völlig überraschend gegen Marokko aus (0:1).
Auch 2026 gehört das Team von Chefcoach Roberto Martinez zum engsten Favoritenkreis. Wer einen namentlich besseren WM-Kader sucht, muss tief graben. Lediglich Frankreich und Spanien scheinen über ähnliche Qualitäten in allen Mannschaftsteilen zu verfügen.
Ronaldo, Fernandes, Bernardo Silva, Ruben Dias, Matheus Nunes, dazu neben Vitinha drei weitere Champions-League-Sieger aus Paris in ihrer absoluten Prime - die Chance auf den ersehnten ersten WM-Titel war nie größer.
Portugal - die Stärke: Nur Alleskönner im Mittelfeld
Überall auf dem Feld findet man bei Portugal anerkannte Weltklasse. Das Mittelfeld sticht dabei aber noch einmal heraus.
Wenn der Ballon d'Or nicht seit Jahrzehnten Offensivspielern vorbehalten wäre, müsste ihn PSG-Regisseur Vitinha 2026 eigentlich zum zweiten Mal in Folge gewinnen. Spielintelligenz, Geschmeidigkeit, Effektivität - der 26-Jährige sitzt unter all den grandiosen Mittelfeldspielern weltweit auf dem Thron.
Hinzu kommt sein kongenialer Partner aus Paris, João Neves und Bruno Fernandes. Die drei teilen sich je nach Systemausrichtung im 4-2-3-1 oder 4-3-3 die Positionen im Zentrum aufteil, wobei Vitinha stets den defensiven Part übernimmt.
"Viele Nationen haben tolle Kader, aber das beste Mittelfeld der Welt haben wir", kündigte Portugal-Legende Luis Figo vor der WM forsch an.
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Geniales Mittelfeldduo: Vitinha (l.) und Joao Neves
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Portugal - die Schwäche: Die Krux mit der Disziplin
Im November 2025 hatte Portugal beim WM-Qualispiel in Irland den ersten Matchball auf dem Weg zur Endrunden-Teilnahme. Zur Halbzeit führten die Iren 2:0, bei Portugal lief nichts zusammen und nach einer Stunde brannten bei Ronaldo die Sicherungen durch.
Nach einem Ellbogenschlag gegen Dara O'Shea sah er die Rote Karte, provozierte O'Shea anschließend mit Heulsuse-Gesten und das Publikum in Dublin mit hämischem Applaus. Eine Sperre für die WM-Endrunde stand im Raum, die FIFA ließ Gnade vor Recht ergehen.
Rafael Leão hat diesbezüglich schlechtere Karten. Beim 2:1-Testspielsieg gegen Chile vergangenen Samstag verlor der 26-jährige Angreifer die Beherrschung, als er seinem Gegenspieler Ivan Roman mit der flachen Hand ins Gesicht. Beide Spieler sahen die Rote Karte.
Für Leão könnte die Aktion weitreichende Konsequenzen haben. Eine Sperre von mindestens einem Pflichtspiel ist bei Tätlichkeiten dieser Art durchaus üblich.
WM 2026 - Portugal: Die Prognose
Es war zwar "nur" der Nations-League-Titel, den Portugal 2025 beim Final-Turnier in Deutschland gewann. Doch die Gegner hießen immerhin Gastgeber Deutschland und Europameister Spanien. Portugal präsentierte sich als Einheit und war bereit zu leiden. Emotional war der Triumph überwältigend, nicht nur Ronaldo vergoss Freudentränen.
Die Fähigkeit, in der Crunchtime abzuliefern, hat der Mannschaft einen enormen Schub gegeben und den Glauben an den WM-Titel wachsen lassen. Portugal hat wie drei, vier andere Nationen das Zeug für den großen Wurf.
Eurosport-Einschätzung: Dramatisches Halbfinal-Aus nach Elfmeterschießen, Ronaldo bleibt der WM-Traum verwehrt.
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Völler kann Fanfrust verstehen: WM "furchtbar teuer"
Quelle: Perform
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