THW Kiel holt Triple

Der THW Kiel hat mit dem letzten Aufgebot Handball-Geschichte geschrieben und als zweite deutsche Mannschaft das Titel-Triple gewonnen. Mit dem zum 34:28 (14:14) gegen die HSG Nordhorn machten die Schleswig-Holsteiner zum Abschluss der Bundesliga-Saison i

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Zuvor hatten die "Zebras" bereits den DHB-Pokal und die Champions-League gewonnen. 10.250 Zuschauer in der Heimstätte des deutschen Rekordmeisters sowie 15.000 Menschen auf dem Rathausmarkt der Stadt feierten ihr Team überschwänglich für eine herausragende Saison. Bislang war der VfL Gummersbach das einzige deutsche Team, das vor 24 Jahren den Pokal-Dreier in dieser Konstellation schaffte.
Schwenker: "Sahnehäubchen"
In einem Herzschlag-Finale profitierte der Meister von seiner deutlich bessere Tordifferenz. Der punktgleiche Tabellenzweite HSV Hamburg, der bei Frisch Auf Göppingen mit 36:32 gewann, hatte die Kieler bis zum letzten Spieltag unter Druck gesetzt. "Wir hatten unser Saisonziel eigentlich schon mit dem Gewinn der Champions League erreicht", sagte THW-Manager Uwe Schwenker. "Die Meisterschaft ist das Sahnehäubchen auf einer sensationellen Saison."
Der Titelgewinn stand allerdings lange Zeit auf des Messers Schneide. Der THW kam mit dem Druck, unbedingt einen Sieg gegen die engagierten Nordhorner einfahren zu müssen, lange Zeit nicht zurecht. Die Niedersachsen zogen zu Beginn auf 3:0 davon (3. Minute). Auf der Gegenseite vergaben die Einheimischen leichtfertig beste Torchancen. Selbst der ansonsten sichere Schütze Nikola Karabatic scheiterte vom Siebenmeterpunkt. Nachdem auch Henrik Lundström einen Strafwurf nicht nutzen konnte, musste der dritte Schütze Vid Kavticnik einspringen. Zur Halbzeit (14:14) durfte sich der bei Frisch Auf Göppingen führende HSV Hamburg (21:18) noch als Meister fühlen.
Zweite Halbzeit bringt Wende
Erst in der zweiten Halbzeit bekamen die Kieler ihre Nerven besser in den Griff und führten 20 Minuten vor Spielschluss erstmals mit drei Toren Vorsprung. Angepeitscht von der stimmgewaltigen Kulisse steigerte sich der Titelverteidiger, bei dem der lange Zeit verletzte Stefan Lövgren sein Comeback gab, und rang den Rivalen mit einer Energieleistung geradezu nieder. Sieben Minuten vor Schluss riss es die Zuschauer von ihren Plätzen. Mit anhaltenden Ovationen und Gesängen "Deutscher Meister - nur der THW, nur der THW" trieben sie den Rekordchampion zum Titelgewinn.
Die Leistung des THW verdient um so größere Anerkennung, weil Trainer Zvonimir "Noka" Serdarusic über mehrere Wochen lediglich acht gesunde Feldspieler zur Verfügung hatte. Weltklassespieler wie Viktor Szilagyi, Lars Krogh Jeppesen, Stefan Lövgren, Henning Fritz und Marcus Ahlm fehlten ganz oder in der entscheidenden Endphase von Meisterschaft, Pokal und Champions League. In der größten Personalnot wurde der 42-jährige Andrej Tschepkin, der seine leistungssportliche Karriere vor zwei Jahren beendet hatte, reaktiviert. Gewissermaßen mit dem letzten Aufgebot sicherte sich der THW den Titel-Dreier.
"Sie haben mit ihren Erfolgen das Jahr gemeinsam mit der Nationalmannschaft zum Königs-Jahr des deutschen Handballs gemacht", lobte Ulrich Strombach, Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB), bei der Übergabe der Meisterschale den Rekordmeister. Die DHB-Auswahl hatte Anfang Februar bei der Heim-Weltmeisterschaft den Titel gewonnen. "Das ist unfassbar. Wir sind überglücklich. Ich habe keine Worte", sagte Kiels Kapitän Stefan Lövgren, der dank einer "Wunderheilung" nach seinem Sehnenriss im Oberschenkel mitspielen konnte und anschließend mit den 10 250 Zuschauern in der Ostseehalle feierte. Hamburgs Trainer Martin Schwalb gratulierte den Kielern: "Glückwunsch an den THW. Wir haben unseren Teil dazu beigetragen, dass es spannend war bis zur letzten Minute. Vor dieser Mannschaft muss man den Hut ziehen."
Eurosport - Viola Dietrich/DPA
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