Frankreichs Superstar Nikola Karabatic tritt offenbar von der EM-Bühne ab

Mitfavorit Frankreich sorgte mit ihrem EM-Aus in der Vorrunde für eine faustdicke Überraschung. Der einstige Welthandballer Nikola Karabatic scheint seinen Zenit überschritten zu haben. Für den Ex-Kieler könnte sein neuntes EM-Turnier auch das letzte gewesen sein. "Norwegen hat mit Leidenschaft gespielt", erklärte der 35-Jährige nach der zweiten Pleite in der Gruppenphase pathetisch.

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Seine guten Manieren verlor Nikola Karabatic auch in der bittersten Stunde nicht. Während viele seiner Teamkollegen wortlos die Spektrum Arena in Trondheim verließen, versuchte der Superstar der gescheiterten französischen Handballer zu erklären, was eigentlich gar nicht zu erklären ist: Frankreich ist bei der EM raus. Nach der Vorrunde!
"Das Ende einer Epoche", schrieb "Le Parisien", das schlechteste EM-Abschneiden in der Geschichte der stolzen Handball-Nation sei "ein "Erdbeben". "L'Equipe" nannte die Folgen der 26:28-Niederlage gegen Co-Gastgeber Norwegen am Montag "ein Fiasko". Karabatic formulierte es weitaus weniger pathetisch: "Norwegen hat mit Leidenschaft gespielt." Er sei "sehr traurig".

Karabatatic über seinem Zenit

Vieles spricht dafür, dass die neunte (!) Europameisterschaft für Karabatic auch seine letzte ist. Nach dem bevorstehenden 63. EM-Einsatz im sportlich bedeutungslosen Vorrundenspiel gegen Bosnien und Herzegowina am Dienstag dürfte für den Rekordspieler der letzte EM-Vorhang fallen. Karabatic, der dreimalige Welthandballer, das wurde bei seinen Auftritten in Trondheim offenbar, hat seinen Zenit überschritten.
Der Superstar von Paris St. Germain (drei EM-Titel, viermal Weltmeister, zwei Olympiasiege) hat für sein Land und die gesamte Sportart Großartiges geleistet, das steht außer Frage. Doch Spieler wie Norwegens wendiger Sander Sagosen haben ihm inzwischen den Rang abgelaufen.
"Wenn man so will, steht Nikola Karabatic für den Handball der vergangenen 15 Jahre und Sagosen für den der Zukunft", sagte Andy Schmid der "Rhein-Neckar-Zeitung" (Dienstagausgabe). Während Karabatic in der hitzigen Schlussphase nicht mehr zulegen konnte, entschied der künftige Kieler (10 Tore) quasi im Alleingang das Spiel.

Karabatic will noch nicht abtreten

Abtreten will Karabatic, der Kraft-Handballer, der Dominator des letzten Jahrzehnts, aber nicht. Zumindest noch nicht. Die Olympischen Spiele im Sommer, für die sich Frankreich über ein Quali-Turnier im April erst noch qualifizieren muss, sind eines seiner letzten großen Ziele mit der Nationalmannschaft.
"Es fehlt uns nicht viel", sagte der 35-Jährige. In Tokio wollen Karabatic und die übrigen drei verbliebenen Spieler (Abalo, Guigou, Sorhaindo) der Goldenen Generation, die über Jahre den Welthandball bestimmten, ihr letztes Hurra erleben.
Gänzlich ausgeschlossen ist das nicht. Denn schon 2012 und 2016 waren die Franzosen bei der EM jeweils vorzeitig gescheitert, in London wurden sie ein halbes Jahr später Olympiasieger, in Rio holten sie Silber.
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(SID)
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