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Bob Hanning exklusiv zur U21-WM in Deutschland: "Das ist kein Gegner, der uns gefährlich werden kann"
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Publiziert 19/06/2023 um 11:53 GMT+2 Uhr
Deutschland startet mit großen Ambitionen in die U21-Handball-Weltmeisterschaft 2023 im eigenen Land. Für Eurosport-Experte Bob Hanning steht bereits vor dem WM-Auftakt des DHB-Teams fest: "Wir sind auf jeden Fall der Topfavorit." Der 55-Jährige spricht im Exklusiv-Interview über die Stärken der deutschen Mannschaft und nennt eventuelle Stolpersteine auf dem Weg zum Sommermärchen reloaded.
Heuberger fiebert WM-Start entgegen: "Die Vorfreude ist groß"
Quelle: handball.net
Die U21-Weltmeisterschaft im Handball in Deutschland und Griechenland wird mit Spannung erwartet. Vom 20. Juni bis 2. Juli 2023 fechten insgesamt 32 Nationen die Krone der Handball-Junioren bis 21 Jahre aus.Deutschland trifft in der Gruppe B zum WM-Auftakt auf Libyen: Eurosport überträgt die Partie am 20. Juni ab 19:20 Uhr live im TV auf Eurosport 1 und im Livestream auf discovery+. Mit an Bord ist Eurosport-Experte Bob Hanning. Der 55-Jährige ist für seine hervorragende Jugendarbeit bekannt.Im Exklusiv-Interview macht der gebürtige Essener keinen Hehl aus seinen Erwartungen an das DHB-Team, gibt einen Ausblick auf die deutschen Gruppen-Gegner Algerien, Libyen und Tunesien und erklärt die Bedeutung der WM in Deutschland.
Herr Hanning, mit welcher Erwartungshaltung für die deutsche Mannschaft gehen Sie in die U21-Weltmeisterschaft?
Bob Hanning: Das kann ich ganz einfach beantworten: Mit der Allerhöchsten. Ich erwarte den WM-Titel im eigenen Land.
Das heißt, Deutschland ist für Sie eindeutig der Topfavorit?
Hanning: Ja, wir sind auf jeden Fall der Topfavorit. Wir spielen vor heimischer Kulisse, über 100.000 Karten sind bereits vergeben. Es zeigt sich schon jetzt, dass die Mannschaft auf einer Woge der Unterstützung getragen wird. Und ich bin davon überzeugt, dass sie mit dem Druck umgehen kann.
Welche Spieler werden die tragenden Säulen in der Mannschaft von Martin Heuberger sein?
Hanning: Martin hat es immer geschafft, Mannschaften - und keine Einzeldarsteller - zu entwickeln. Das deutsche Team ist in diesem Jahr aber sowohl in der Breite als auch in der Spitze extrem stark aufgestellt.
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Martin Heuberger führt die deutsche U21-Nationalmannschaft zur Handball-WM
Fotocredit: Getty Images
Wen haben Sie besonders im Auge?
Hanning: Wir haben mit Lasse Ludwig und David Späth das vermutlich beste Torhüter-Duo im Turnier. Wenn einem der beiden etwas passiert, steht mit Mats Grupe ein dritter starker Rückhalt dahinter. Renars Uscins und Justus Fischer spielen in Hannover wichtige Rollen, Nils Lichtlein und Max Christoph Beneke in Berlin und Potsdam. Aber auch Ole Pregler, Mathis Häseler oder Tim Freihöfer haben in der Bundesliga schon bewiesen, welchen Stellenwert sie haben. Ich könnte die Liste noch durchgehend weiterführen. Wir sind sehr gut aufgestellt.
Worin liegt die große mannschaftliche Stärke des deutschen Teams?
Hanning: Mit einem kompakten, defensiven Abwehrsystem und den beiden Torhütern können wir sehr gut ins Tempo gehen. Vorne brauchen wir gar nicht so viel Konzeption, sondern einfach nur viel Bewegung, um die individuellen Qualitäten sämtlicher Spieler nutzen zu können.
Für die A-Nationalmannschaft stehen mit der Europameisterschaft im eigenen Land und den Olympischen Spielen 2024 die nächsten Highlights vor der Tür. Können wir dort schon Spieler aus der U21 wiedersehen?
Hanning: Für die Europameisterschaft wird es sicherlich eng. Es hängt auch davon ab, wie dieses WM-Turnier läuft und wie die personelle Situation bei der A-Nationalmannschaft zu dem Zeitpunkt aussehen wird. Der eine oder andere durfte auch schon mal mit dabei sein, ich kann mir das also durchaus vorstellen. Aber nun gilt es erst einmal, den Fokus auf die Weltmeisterschaft zu legen.
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Eurosport-Experte Bob Hanning hält große Stücke auf David Späth
Fotocredit: Getty Images
Sie haben Deutschland als den Topfavoriten bezeichnet. Wer sind die größten Stolpersteine für die deutsche Mannschaft auf dem Weg zum WM-Titel?
Hanning: Es ist sehr schwer, das zu prognostizieren. Wenn eine afrikanische Mannschaft eingreifen kann, dann ist es Ägypten. Die anderen Teams erscheinen mir zu schwach. Aus Europa sehe ich Spanien aufgrund ihrer technischen und taktischen Ausrichtung immer als ernstzunehmenden Gegner. Auch Schweden und Dänemark können für eine Überraschung sorgen. Aber sowohl Dänemark als auch Ägypten waren in der Vorbereitung für uns schlagbare Gegner.
Apropos Gegner: Zum Start in die WM trifft Deutschland in Hannover auf Libyen, Tunesien und Algerien. Wie schätzen Sie die Vorrundengruppe B des DHB-Teams ein?
Hanning: Um ehrlich zu sein, ist wahrscheinlich jede Trainingseinheit anstrengender als gegen Libyen Handball zu spielen. Da dürfen wir uns auch nichts vormachen und müssen ehrlich sein. Das ist kein Gegner, der uns gefährlich werden kann. Ich bin mir sicher, dass selbst unsere U17-Nationalmannschaft eine Siegchance gegen Libyen hätte. Algerien ist aufgrund ihrer aggressiven und offensiven Spielweise immer unangenehm. Bei Tunesien ist es ähnlich: Sie hatten zumeist körperlich starke Mannschaften. Aber alle waren in den Vorbereitungsspielen ohne Chance.
100.000 Tickets hat der DHB für die Spiele in Deutschland schon absetzen können. Welche Bedeutung hat diese Weltmeisterschaft für den Handballnachwuchs und das Interesse am Sport?
Hanning: Die U21-WM läutet das Jahrzehnt des Handballs ein und kann unheimlich viel Spaß auf mehr machen. Viele Schulklassen haben sich um Tickets in den Vormittagssessions gerissen.
30.000 Karten gingen an Schülerinnen und Schüler.
Hanning: Genau. Es kann gerade bei den jungen Menschen ein unheimliches Interesse auslösen. Die für den Handballsport zu begeistern, wird die Aufgabe sein. Und dieses Turnier kann und wird dazu beitragen.
Sie haben das Jahrzehnt des Handballs angesprochen. Wie steht es derzeit insgesamt um den deutschen Handball, kann es ein goldenes Jahrzehnt werden?
Hanning: Ich bin damit sehr vorsichtig. In vielen Bereichen sind wir auf einem guten Weg. Dennoch müssen wir alle unsere Hausaufgaben machen.
Was meinen Sie damit?
Hanning: Die Bundesligavereine müssen weiter kontinuierlich und noch fokussierter Nachwuchsarbeit betreiben – und die Bundesliga muss versuchen, ihre Talente ins Spiel zu bekommen. Das gelingt uns mit dieser Generation ein Stück besser als zuvor. Der DHB muss dann versuchen, die jungen Spieler in den A-Kader zu integrieren.
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Juri Knorr
Fotocredit: Getty Images
Bei der Handball-WM 2023 in Polen und Schweden stach mit Juri Knorr ein damals 22-Jähriger heraus. Man muss weit zurückblicken, um einen Spieler zu finden, der in dem Alter so dominant aufgetreten ist. Ist er ein Ausnahmespieler oder sehen Sie in der Mannschaft Spieler, die in die Fußstapfen treten können, was diese Entwicklung anbelangt?
Hanning: Juri hat das sensationell gemacht. Ich sehe da aber auch Julian Köster, der sich ebenfalls gut integriert hat. Und auch Johannes Golla ist noch kein alter Spieler. Da wächst etwas heran. Aus der nächsten Generation wird sich in Turnieren wie der bevorstehenden WM zeigen, wer in die Verantwortung rückt und wer sich individuell zeigen kann.
Diese Weltmeisterschaft kann also auch eine Art Generalprobe für künftige Turniere sein?
Hanning: Durch internationale Vergleiche wird man stärker. Es ist wichtig, dass diese Generation gemeinsames Gewinnen lernt, wie sie es bei der U19-Europameisterschaft schon getan hat. Der Geschmack von Erfolg ist süß - und danach muss man süchtig werden.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Hanning.
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