U21-WM - Pascal Hens exklusiv vor dem Halbfinale: Darum ist Justus Fischer so wichtig für das DHB-Team

Deutschland kämpft am Samstag (18:00 Uhr auf Eurosport 1 und bei discovery+) gegen Serbien um den Einzug ins Finale der U21-Handball-WM. Pascal Hens analysiert im exklusiven Interview mit Eurosport die Titel-Chancen der DHB-Youngster und verrät, welche Nachwuchsstars bisher den größten Eindruck bei ihm hinterlassen haben. Neben David Späth zeigt er sich vor allem von einem Hannoveraner begeistert.

Kann der deutsche Handball für den Fußball in die Bresche springen? Das sagt Hens

Quelle: Eurosport

Deutschlands Titel-Traum lebt! Mit einem souveränen 31:26-Sieg über Dänemark haben sich die U21-Handballer von Bundestrainer Martin Heuberger für das Halbfinale in Berlin qualifiziert und dabei die bisher beste Turnierleistung gezeigt.
Auch Ex-Profi Pascal Hens hat eine klare Leistungssteigerung gesehen: "Gegen Dänemark haben sie das Ding zum Glück durchgezogen und uns nicht wie in den Spielen zuvor zittern lassen. Es macht großen Spaß, ihnen zuzuschauen", sagt der 43-Jährige im exklusiven Interview mit Eurosport.de.
Im persönlichen Powerranking vor der Runde der letzten Vier sieht der Weltmeister von 2007 die DHB-Youngster an Position eins und damit als Favoriten auf den WM-Titel.
Als große Stärke benennt Hens dabei das "Gesamtpaket" des Teams, hebt mit Kreisläufer Justus Fischer aber einen Spieler besonders hervor. Auch aufgrund seiner Emotionalität.
Herr Hens, die deutsche U21 steht nach einem überzeugenden Auftritt gegen Dänemark im WM-Halbfinale. Eurosport-Experte Bob Hanning hatte schon vor WM-Start den Titel als Erwartung ausgerufen. Wie euphorisch sind Sie nach diesem Spiel, was die Chancen der Deutschen angeht?
Pascal Hens: Ich war im Vorfeld bereits sehr euphorisch und habe mich auf das Turnier gefreut. Natürlich ist eine große Erwartungshaltung da, man spielt zuhause, die Hallen sind gut gefüllt. 2007 haben wir mit der Nationalmannschaft am eigenen Leib erfahren, was ein Heim-Publikum ausmacht. Von der Leistungsstärke sind die deutschen Jungs ohnehin ganz oben anzusiedeln und bisher untermauern sie das auch. Gegen Dänemark haben sie das Ding zum Glück durchgezogen und uns nicht wie in den Spielen zuvor zittern lassen. Es macht großen Spaß, ihnen zuzuschauen. Jetzt dürfen sie nur nicht leichtsinnig werden, aber ich bin sehr optimistisch, dass sie das wissen.
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Erst Zaubertor, dann Party: DHB-Team macht Halbfinale klar

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Stichwort Euphorie: Im Fußball steht die deutsche A-Nationalmannschaft derzeit massiv in der Kritik, auch die U21-Junioren sind jüngst bei der EM enttäuschend in der Vorrunde ausgeschieden. Ist das für den Handball eine Chance, ein bisschen in die Bresche zu springen und die deutschen Sport-Fans mit Erfolgen mitzureißen?
Hens: Wir haben das schon häufiger erlebt. Leider ist es aktuell aber noch so, dass der Handball meilenweit hinter dem Fußball zurück ist. Es ist eher ein Event-Sport. Bei großen Turnieren schauen mehr Leute zu, die wir versuchen, zu begeistern. Das machen die U21-Jungs aktuell sehr, sehr gut. Wir müssen jedes Turnier, gerade vor heimischem Publikum, nutzen, um unseren Sport zu präsentieren. Das läuft momentan top, wir haben eine geile Stimmung in den Arenen. Ich habe Bilder vom Presidents Cup in Hannover gesehen, da waren 2500 Schulkinder. So ein Presidents-Cup-Spiel gibt es nicht einmal bei der A-Nationalmannschaft, da ist immer alles ausgestorben (lacht). Das ist schon beeindruckend und macht sehr viel Spaß zuzuschauen. Ich hätte mich als Sport-Fan aber natürlich auch gefreut, wenn die Fußballer besser performt hätten (lacht).
Ein Spieler, der in den bisherigen Spielen herausstach, ist David Späth. Auch gegen Dänemark hat er überragend gehalten und war ein Garant für den Sieg. Ist er zukünftig DER Torhüter für die A-Nationalmannschaft und kann Andreas Wolff auch langfristig als Leitwolf ablösen?
Hens: Wenn wir ehrlich sind, hatten wir in der A-Nationalmannschaft nie Probleme auf der Torhüter-Position. Aber an David Späth sieht man natürlich, dass da ein paar Gute nachkommen. Das beste Beispiel war seine Leistung im Pokal-Finale mit den Rhein-Neckar Löwen. Er hält die wichtigen Bälle – und das in seinem jungen Alter. Mir macht es sehr viel Spaß, ihm zuzuschauen, weil er mit so viel Euphorie, Enthusiasmus und Leidenschaft dabei ist. Das zeigt er bei jeder Parade. Ich bin sehr gespannt auf seine Entwicklung. Er hat ja in diesem Jahr bereits häufig bei den Rhein-Neckar Löwen anfangen dürfen und war den anderen (Torhütern, Anm. d. Red.) ebenbürtig. David ist auf jeden Fall ein Torhüter, der uns mit seiner Größe und Präsenz sehr viel Spaß machen wird – auch in der A-Nationalmannschaft.
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"Euphorie, Enthusiasmus und Leidenschaft": Hens schwärmt von Späth

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Ist der Erfolg der deutschen U21 bei der WM von seiner Leistung abhängig und lauert eine Gefahr, falls er im Halbfinale keinen starken Tag erwischen sollte?
Hens: Die Kombi im Tor mit (Lasse, Anm. d. Red.) Ludwig und Späth ist schon gut. Wir brauchen uns da nicht nur auf einen zu verlassen. Auf der Torhüter-Position haben wir keine Probleme. Es wäre aber falsch, nur auf Späth zu schauen. Es gibt noch viele andere Spieler: Das Angriffsspiel, die Abwehr – es ist das Gesamtpaket, das aktuell hervorsticht und viel Spaß macht. Die Abwehr wirkt sehr stabil, gerade gegen Dänemark waren wir sehr gut vorbereitet. Aber auch die Konzeption, klaren Ansätze und Spielzüge im Angriff. Das wird sehr gut umgesetzt. Klar sieht man, wer da schon etwas mehr Bundesliga-Erfahrung hat, wer viel gespielt hat. Egal, ob (Nils, Anm. d. Red.) Lichtlein, der in der ersten Halbzeit gegen Dänemark das Duracell-Häschen war. Der war überall und wollte Verantwortung übernehmen. Oder ein Justus Fischer am Kreis, ein Renars Uscins. Die profitieren natürlich von ihrer Erfahrung.
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Gefühlsexplosion in Berlin: Späth holt Siebenmeter raus

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Welcher von den genannten Namen hat sie im bisherigen Turnierverlauf am positivsten überrascht?
Hens: Justus Fischer hat es in Hannover schon überragend gemacht. Auch jetzt ist er der Fels in der Brandung. Er ist körperlich sehr präsent, steht stabil hinten im Innenblock. Er ist ein Spielertyp, der immer versucht, seine Emotionen zu zeigen und das Publikum ein bisschen mitzunehmen. Das begrüße ich sehr. Deshalb würde ich ihn da nennen. Nils Lichtlein fehlt für die Bundesliga vielleicht noch ein bisschen der Körper, aber bei der U21 blüht er auf und geht seine Wege.
Die Spieler und der Bundestrainer haben betont, dass gegen Dänemark aus den Schwächen in der Hauptrunde gegen Frankreich und Kroatien gelernt wurde - auf ganz hohem Niveau gefragt: An welchen Stellschrauben muss nun noch gedreht werden?
Hens: Es gibt nicht viele Stellschrauben. Die Jungs sind in jedem Spiel gut eingestellt, wissen ganz genau, was auf sie zukommt und wie sie im Angriff spielen wollen. Ihre Stärken können sie immer wieder abrufen. Gegen Dänemark ist mir aber aufgefallen, dass das Tempo hintenraus ein bisschen rausgenommen wurde. Man ist mit den fünf Toren Vorsprung nicht mehr so mutig die zweite Welle gegangen, sondern hat sich darauf konzentriert, keine Fehler zu machen, um nicht wie gegen Kroatien und Frankreich den Vorsprung zu verspielen. Aber das schnelle Spiel hintenraus, das Ausnutzen der Unsortiertheit in der gegnerischen Abwehr, das müssen wir 60 Minuten lang machen. Am Ende haben wir das etwas eingestellt.
Und mit einem kleinen Schmunzeln: Wenn man sich das Spiel gegen Dänemark anschaut, dann sollten wir vielleicht noch ein bisschen trainieren, aus der eigenen Hälfte aufs leere Tor zu werfen (lacht). Das hat nicht so ganz funktioniert, sonst hätten wir schon früher ein bisschen höher führen können.
Von Platz eins bis vier: Wie würden Sie die vier Halbfinalisten aufgrund der bislang gezeigten Leistungen ranken?
Hens: Ich gehe davon aus, dass Deutschland gegen Serbien gewinnt und glaube, dass wir im Finale gegen Ungarn spielen werden. Die haben bislang auch gut perfomt. Deshalb setzte ich Deutschland auf eins, Ungarn auf zwei, Island aufgrund ihrer Mentalität auf drei und Serbien auf vier.
Was sind die Stärken der Serben und was wird das Halbfinale im Vergleich zum Viertelfinale gegen Dänemark für ein Spiel?
Hens: Zu Serbien kann ich wenig sagen, weil ich von ihnen noch nicht viel gesehen habe. Aber ich glaube, dass sie von der Mentalität her sehr stark sind und zudem gut ausgebildet, ähnlich wie Kroatien. Martin Heuberger wird aber vor allem auf die eigene Mannschaft schauen und sie gut vorbereiten. Die Jungs in der Abwehr wissen, dass sie sich auf ihre Stärken verlassen können. Hinten haben wir unser großes Plus. Eine gute Torhüter-Leistung, eine gute Abwehr, um dann mit Tempo nach vorne leichte Tore zu machen. Das haben wir schon das ganze Turnier über gemacht, dafür haben wir die richtigen Spielertypen – und das ist dann schon die halbe Miete. Deswegen bin ich mir relativ sicher, dass die Jungs dieses Spiel top vorbereitet gewinnen werden.
Herr Hens, danke für das Gespräch.
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"Tempo rausgenommen": Hens erklärt, wo sich Deutschland noch steigern kann

Quelle: Eurosport

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