Emily Bölk klopfte ihren untröstlichen Teamkolleginnen sachte auf die Schultern, Co-Kapitänin Alina Grijseels kauerte wie versteinert vor den tobenden spanischen Fans: Der große Medaillentraum der deutschen Handballerinnen ist wieder einmal geplatzt, eine zu Beginn so starke WM des DHB-Teams hat mit einer bitteren Enttäuschung geendet.
"Es ist sehr schade, das muss man sagen. Jetzt ist die Enttäuschung da, wir hätten es wirklich packen können", sagte Bölk dem SID nach der 21:26 (10:14)-Niederlage im Viertelfinale gegen einen abgezockten Gastgeber Spanien. Seit WM-Bronze 2007 warten die deutschen Frauen auf den Gewinn von Edelmetall bei einem großen Turnier.
"Das ist so ärgerlich, weil wir nicht hundertprozentig unsere Leistung gebracht haben", trauerte Grijseels der verpassten Chance hinterher: "Mit 100 Prozent hätten wir das Spiel gewonnen."
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Julia Maidhoff, mit sechs Treffern beste deutsche Werferin, fühlte "die pure Enttäuschung, ganz schwer in Worte zu fassen. Wir hatten auf jeden Fall das Potenzial, diese Mannschaft zu schlagen."

Handball-WM: DHB-Frauen führen früh mit 4:0

100 Prozent zeigte die Auswahl von Bundestrainer Henk Groener, die erst zwei Tage zuvor beim 16:32 gegen Dänemark mit der höchsten Pleite ihrer WM-Historie gedemütigt worden war, nur beim Blitzstart in der Anfangsphase - 4:0 führte sie nach sieben Minuten.
"Wir haben super begonnen, dann aber die Partie mit Fehlern aus der Hand gegeben und Spanien wieder ins Spiel gebracht", sagte Groener: "Dem sind wir dann hinterhergerannt."
Statt beim XXL-Turnier in Spanien endgültig zur Weltspitze aufzuschließen, kassierte das junge Team wie bei den drei bisherigen Turnieren unter Groeners Regie kurz vor den Medaillenspielen den bitteren Knockout. "Wir müssen anerkennen, dass wir heute nicht konstant genug waren", sagte DHB-Sportvorstand an diesem bitteren Abend dem "SID".
"Ein Spiel wie gegen Dänemark wird uns nicht wieder passieren", hatte Linksaußen Antje Lauenroth vor dem ersten deutschen WM-Viertelfinale seit acht Jahren versichert, und Spanien biss sich an der deutschen Deckung anfangs auch die Zähne aus.

DHB-Torfrau Katharina Filter mit starken Paraden

Allerdings kämpften sich die Gastgeberinnen in der Folge immer besser ins Spiel. Beim 8:9 (23.) ging Spanien erstmals in Führung, da sich im deutschen Spiel unnötige technische Fehler und Fehlpässe einschlichen. Das deutsche Team wirkte nun nervös, die Atmosphäre in der Halle wurde immer hitziger. Der Vorsprung wuchs kurz vor der Pause auch wegen vieler Unterzahlsituationen auf vier Tore.
Deutschland lief allmählich die Zeit davon. Die zweite Spielführerin Emily Bölk kam in der Offensive wie schon in den vorherigen Spielen kaum in Schwung. Mut machte die Leistung von Torfrau Katharina Filter, die mit einigen Paraden die deutsche Hoffnung auf ein Happy End am Leben hielt. Als jedoch klarste Chancen ungenutzt blieben, ließ die deutsche Gegenwehr allmählich nach.
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(SID)

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