Handball-WM 2019 - WM-Kolumne von Daniel Stephan #1: Das muss Deutschland noch verbessern

Der ehemalige Welthandballer und heutige Eurosport-Experte Daniel Stephan nimmt in seiner Kolumne auf Eurosport.de den WM-Start der deutschen Mannschaft unter die Lupe. Wichtig sei es nun, die Chancenverwertung noch zu verbessern und den Wirbel um die Personalie Tobias Reichmann hinter sich zu lassen. Stephan geht außerdem auf den Ausfall von Frankreichs Superstar Nikola Karabatic ein.

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Fotocredit: Eurosport

Hallo Handball-Freunde,
der Auftakt ist geglückt, die deutsche Mannschaft ist mit einem klaren 30:19-Erfolg gegen Korea ins Turnier gestartet.
Was dieser Sieg wert ist? Schwer einzuordnen, denn die Koreaner haben nicht mehr die Klasse wie noch vor 15 bis 20 Jahren. Von daher kann man noch nicht abschätzen, wohin die Reise für Deutschland beim Turnier geht. Was zu erkennen war: Viele hat gut funktioniert, wobei die Chancenverwertung gerne noch besser werden darf.

Das Tischtuch ist zerschnitten

Wie Ihr sicher alle mitbekommen hat, sorgte die Personalie Tobias Reichmann für einigen Wirbel. Ich kann die Entscheidung von Bundestrainer Christian Prokop nachvollziehen, dass er auf einen Rechtsaußen verzichtet, das wird nicht entscheidend sein. Schade ist aber, dass Reichmann sich im Frust zu diesem unglücklichen Post hinreißen lassen hat und in den Urlaub nach Florida entschwunden ist. Damit ist das Tischtuch zerschnitten.
Sollte ein Rechtsaußen nachnominiert werden, heißt der nun ganz bestimmt nicht mehr Reichmann. Er hat sich da leider selbst aus dem Spiel genommen. Für die Mannschaft ist es aber wichtig, da keine unnötigen Nebenkriegsschauplätze aufzumachen und das Thema hinter sich zu lassen.
Titelverteidiger Frankreich muss derweil ein ganz anderes Problem wegstecken: den Ausfall von Nikola Karabatic – und das ist ein echter Schlag für den Weltmeister. Karabatic ist seit Jahren der entscheidende Mann bei den Franzosen, derjenige, der oft in den wichtigen Momenten den Unterschied ausmachte. Aber die Qualität beim vorletzten Gruppengegner der deutschen Mannschaft ist dennoch extrem hoch, nun müssen die Jüngeren die Verantwortung übernehmen.

Favoriten? Dänemark, Norwegen und Frankreich

Für mich ist und bleibt Frankreich, zusammen mit Dänemark und Norwegen, Favorit auf den Titel. Dahinter sehe ich Deutschland. Wenn es dem Team gelingt, den Heimvorteil zu nutzen und eine echte Euphorie zu entfachen, ist alles drin.
Und: Die Mannschaft darf sich auch bei etwaigen Rückschlägen nicht verunsichern lassen. Als wir zum Beispiel 2004 in Slowenien Europameister wurden, haben wir mit einer Niederlage und nur einem Sieg aus drei Vorrundenpartien begonnen. Aber es hat sich damals ein toller Teamgeist entwickelt, die Mannschaft war intakt und wir haben am Ende ein sensationelles Turnier erlebt. Ich gebe zu, dass wir es in einer Hinsicht damals einfacher hatten: Facebook, Instagram und all‘ die sozialen Plattformen spielten keine Rolle. Heute wird dagegen alles irgendwo gepostet und vieles aufgebauscht.
Insgesamt glaube ich aber, dass wir auch aus deutscher Sicht eine tolle WM 2019 erleben werden. Ich freu' mich drauf - als TV-Experte bei Eurosport und hier in meiner Kolumne auf Eurosport.de.
Euer Daniel Stephan
Zur Person: Daniel Stephan
Der ehemalige Nationalspieler wurde 1998 zum ersten Welthandballer aus Deutschland gekürt. Stephan, der im linken Rückraum und in der Mitte spielte, wurde 2004 Europameister und holte im selben Jahr mit der DHB-Auswahl die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Athen. In 183 Länderspielen warf der heute 45-Jährige, der im Verein für den OSC Rheinhausen und den TBV Lemgo auflief, 590 Tore. Die WM 2019 begleitet Stephan als TV-Experte bei Eurosport und hier in seiner Kolumne für Eurosport.de
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