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Handball-WM 2019 - WM-Kolumne von Daniel Stephan #5 zur Hauptrunde mit Deutschland

Der echte Stresstest steht noch aus

19/01/2019 um 16:55Aktualisiert 24/01/2019 um 14:45

Der ehemalige Welthandballer und heutige Eurosport-Experte Daniel Stephan wirft in seiner Kolumne bei Eurosport.de einen genauen Blick auf die Hauptrunde der Handball-WM. Er weiß, worauf es nun ankommt und nimmt die Führungsspieler um Uwe Gensheimer in die Pflicht. Denn erst wenn die Zerreißprobe gelingt, darf weiter geträumt werden.

Hallo Handball-Freunde,

erstmal einen herzlichen Glückwunsch an das gesamte deutsche Team, den Trainer und Betreuerstab zum Einzug in die Hauptrunde.

Für uns alle war das bisher schon ein tolles Erlebnis. Ihr habt eure Sache sehr, sehr gut gemacht. Klar, gegen Russland und Frankreich habt ihr es verpasst, den Sack rechtzeitig zuzumachen, aber insgesamt sehe ich euch auf einem guten Weg. Jetzt heißt es: Weiter so klasse fighten, damit wir weiter ein wenig träumen dürfen.

Hoffnung gibt mir vor allem die Beobachtung, dass Mannschaft und Trainer scheinbar besser harmonieren. Mir ist nicht entgangen, dass die Spieler aufmerksam zuhören, wenn Christan Prokop seinen Plan erklärt. Das ist ein Fortschritt. Der echte Stresstest steht noch aus und es bleibt abzuwarten, wie die Mannschaft unter Druck funktioniert. Deswegen bleibe ich auf dem Teppich und will keine voreiligen Schlüsse ziehen.

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In unserer Gruppe treffen wir mit Spanien, Kroatien, Frankreich auf sehr starke Gegner. Wir brauchen uns nicht verstecken, aber wir hatten bislang noch keine Situation, in der wir mit drei, vier Toren zurückgelegen haben. Und dass die in der Hauptrunde kommt, ist sehr wahrscheinlich. Erst dann wird sich herausstellen, ob alles wieder auseinanderfällt oder die Zusammenarbeit wirklich gefruchtet hat.

Achtung vor den Kroaten!

Einen klaren Favoriten sehe ich in der Gruppe eigentlich nicht - Kroatien hat mich beeindruckt, Spanien spielt vielleicht nicht immer gut, dafür erfolgreich. Mit Frankreich musst du immer rechnen. Gut, Island ist ein Stück dahinter, Brasilien ebenfalls, die anderen vier werden die zwei Halbfinal-Teilnehmer unter sich ausmachen. Überraschungen wird es nicht geben. Klar ist, dass die Spiele eng, hitzig und durch Details entschieden werden.

Damit am Ende wir als Sieger aus der Halle gehen, sind natürlich unsere Führungsspieler besonders gefragt. Ich denke da in erster Linie an Uwe Gensheimer. Er spielt eine hervorragende WM, hat eine super Körpersprache und zieht das Team mit. Zusammen mit unserer tollen Abwehr ist das ein echtes Pfund. Patrick Wienceck und Hendrik Pekeler präsentieren sich bislang taktisch hervorragend und körperbetont. Mit dieser Power kann das Team viel umbiegen, wenn es drauf ankommt.

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Auch, dass Deutschland - im Gegensatz zu einigen anderen Teams - immer einen Tag Pause zwischen den Spielen hat, kann ein Vorteil sein. Wer am Ende den Titel holt, wage ich noch nicht zu prognostizieren, dazu wirken die Favoriten auf mich noch zu ausgeglichen.

Uns allen wünsche ich jedenfalls gute Unterhaltung - und der deutschen Mannschaft viel Power für die kräftezehrende Hauptrunde!

Euer Daniel Stephan

Zur Person: Daniel Stephan

Der ehemalige Nationalspieler wurde 1998 zum ersten Welthandballer aus Deutschland gekürt. Stephan, der im linken Rückraum und in der Mitte spielte, wurde 2004 Europameister und holte im selben Jahr mit der DHB-Auswahl die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Athen. In 183 Länderspielen warf der heute 45-Jährige, der im Verein für den OSC Rheinhausen und den TBV Lemgo auflief, 590 Tore. Die WM 2019 begleitet Stephan als TV-Experte bei Eurosport und hier in seiner Kolumne für Eurosport.de

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