Glenn Solberg ist bei der Handball-WM ein echter Hingucker. Klar: Seine Schweden greifen im Endspiel am Sonntag (17:30 Uhr live im Free-TV bei Eurosport 1 und bei Eurosport auf Joyn!) gegen Titelverteidiger Dänemark völlig überraschend nach ihrem ersten WM-Gold seit 22 Jahren. Doch für Aufsehen sorgt der Coach der Skandinavier auch und vor allem wegen seines Knopfs im Ohr.
Selbst einheimische Beobachter rätselten im Laufe des Turniers über den ungewöhnlichen Anblick. Lauscht Solberg während der schwedischen WM-Spiele etwa seiner Lieblingsband Coldplay? Nein, klärte der Norweger schließlich auf. Solberg, der in Ägypten sein erstes Turnier als schwedischer Nationaltrainer absolviert, bekommt aktuelle Beobachtungen und Taktikvorschläge von Teammanager Tobias Karlsson aufs Ohr.
"Von der Tribüne aus hat er einen noch besseren Überblick als wir auf der Bank", begründete Solberg den taktischen Kniff, der im American Football längst Usus, im Handball aber bislang einzigartig ist. Der Knopf im Ohr ist einer der Gründe für die schwedische Renaissance 20 Jahre nach ihrem letzten WM-Finale.
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Ein weiterer Grund ist das Gütesiegel "Made in Bundesliga". Nachdem schon Solberg viele Jahre als Spieler in Nordhorn und Flensburg aktiv war, verdienen aktuell nicht weniger als zwölf Akteure im Kader der Skandinavier ihr Geld in Deutschland.

Schwedens Defensive ist enorm beweglich und aggressiv

Da ist Spielmacher Jim Gottfridsson, der ebenso wie Top-Torjäger Hampus Wanne in Flensburg unter Vertrag steht. Da ist Andreas Palicka von den Rhein-Neckar Löwen, der als überragender Torhüter entscheidenden Anteil am Finaleinzug hatte.
Da sind aber auch Max Darj vom Bergischen HC und Jonathan Carlsbogard vom TBV Lemgo, die im Deckungszentrum erfolgreich in die großen Fußstapfen des langjährigen Abwehrchefs Karlsson treten. Und da ist Daniel Pettersson vom SC Magdeburg, der in Abwesenheit des Kielers Niclas Ekberg das Turnier seines Lebens spielt.

Angeführt von Wanne und Palicka: Schweden zu stark für Frankreich

Schwedens Erfolgsgeheimnis ist aber vor allem die hoch effiziente Spielweise. Hinten stellt die Solberg-Sieben eine extrem bewegliche und aggressive 6:0-Deckung mit einem starken Palicka dahinter. Und vorne gelingen Wanne und Co. etliche sogenannte einfache Tore über den Tempogegenstoß.
Bundestrainer Alfred Gislason dürften die begeisternden Auftritte der Schweden jedenfalls Sorgen bereiten. Sind die Skandinavier doch einer von drei deutschen Gegner beim Olympia-Qualifikationsturnier im März - und in der aktuellen Form ein richtig dicker Brocken. Selbst die Ausfälle von Ekberg, Lukas Nilsson (Rhein-Neckar Löwen) und Kreisläufer Andreas Nilsson stecken die Schweden, letztes Jahr noch enttäuschender EM-Siebter, locker weg.

Gottfridson: "Hoffen, viele junge Leute für unseren fantastischen Sport gewinnen zu können"

Der ausgesprochen attraktive Handball des Schweden-Express soll auch am Sonntag zum Tragen kommen. Eine ausgelobte Rekordprämie von über 12.000 Euro pro Spieler sorgt für zusätzliche Motivation - auch wenn das für die Spieler nur eine untergeordnete Rolle spielt.
"Wir hoffen, dass nach all dem Scheiß, der im letzten Jahr auf der Welt passiert ist, viele junge Leute für unseren fantastischen Sport gewonnen werden können", sagte Gottfridsson. Schwedens bislang letzter WM-Erfolg datiert übrigens aus dem Jahr 1999 - Austragungsort damals wie heute: Ägypten. Dies ist sicherlich kein schlechtes Omen.
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