Nachdem das Ausscheiden der deutschen Mannschaft schon vor dem Brasilien-Spiel feststand, ging es für die Spieler gegen Polen vor allem darum, sich Bundestrainer Alfred Gislason zu zeigen und für die kommenden Olympia-Qualifikationsspiele aufzudrängen.
In der Defensive, die im Turnierverlauf immer wieder Probleme hatte, funktionierte das zu Beginn auch sehr gut. Deutschland blieb die ersten fünf Minuten über ohne Gegentor, auch weil Andreas Wolff einen Siebenmeter und den anschließenden Nachwurf stark parierte (3.).
Allerdings lief es offensiv bei der DHB-Auswahl noch gar nicht rund. Allein Julius Kühn vergab in der Anfangsphase drei seiner vier Würfe. So stand Polens Torhüter Adam Morawski nach knapp zehn Minuten bei fünf von sechs gehaltenen Bällen.
WM
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24/01/2021 AM 10:54
Nutzen konnten die Polen Deutschlands Offensivschwäche zunächst nur bedingt. Als dann aber auch die Abwehr nachlässiger agierte, zog die polnische Auswahl erstmals auf zwei Tore davon (7:5, 15.). Auch als der Rückstand auf drei Zähler anwuchs, verzichtete DHB-Trainer Gislason noch auf die Auszeit (20.).
Da die Polen ebenfalls einige Gelegenheiten liegen ließen, kam Deutschland durch Treffer von Timo Kastening und Paul Drux wieder auf 10:10 ran (23.). Beide Mannschaften trafen weiterhin ungenügend und so ging es mit 11:12 aus deutscher Sicht in die Kabine.
Besserung setzte nach der Pause aber nicht ein. Deutschland blieb die ersten sechs Minuten ohne eigenen Treffer und so zog Polen nach einer Zeitstrafe gegen Kühn auf 15:11 davon. Gislason war mächtig angefressen und reagierte mit einer frühen Auszeit (36.).
Die Ansage des Bundestrainers schien zu helfen. Innerhalb von einer Minute erzielte Deutschland zwei Treffer. Nach einer Zeitstrafe gegen Paul Drux stellte Polen aber wieder den alten Abstand her – 17:13 (39.).
Deutschland kämpfte sich etwas heran, aber Kai Häfner vergab mit einem Fehlwurf die Chance, den Rückstand auf ein Tor zu verkürzen (44.). Stattdessen nutzte Polen eine doppelte Überzahl, um auf 19:15 davonzuziehen (46.). Doch auch beim jungen polnischen Team fehlte die Konstanz und so brachte Marcel Schiller die Deutschen auf 18:19 ran (51.).
Polen beging einen Wechselfehler, der sie in doppelte Unterzahl brachte, was Deutschland zum Ausgleich nutzte und Polen zur Auszeit zwang (52.).
Polen kam treffsicher aus der Auszeit und traf bei drei Angriffen in Folge – unter anderem per Kempa-Trick. Aber auch Deutschland erzielte jetzt schnelle Tore. Und so hatte Schiller per Siebenmeter sogar die Chance auf die Führung, warf aber neben das Tor. Dann machte er es aber von Linksaußen besser und brachte das DHB-Team mit 23:22 in Front (58.).
Polen kam zum Ausgleich und Deutschland hatte nach einer Auszeit noch knapp 30 Sekunden, um den Siegtreffer zu erzielen. Nach einem Foul war das DHB-Team sogar in Überzahl, brachte den Angriff aber nicht rechtzeitig zu Ende und bekam ein Zeitspiel gepfiffen. Polen schnappte sich den Ball - nur eine Glanztat von Wolff verhinderte die Last-Minute-Niederlage.
So blieb es nach einem sehr durchwachsenen Auftritt beim 23:23-, das Deutschland zwar Rang drei in der Hauptrundengruppe sicherte, gleichzeitig aber das schlechteste Abschneiden bei einer WM darstellte (Rang zwölf).

Die Stimmen zum Spiel:

Uwe Gensheimer (Deutschland): "Der polnische Torwart wurde nicht zu Unrecht zum Spieler des Spiels gewählt. Wir haben nicht an unser gutes Angriffsspiel anknüpfen können, wie in den vergangenen Spielen, und wurden dann ein bisschen hektisch. Über das ganze Spiel hinweg hatten wir nicht so die Ruhe. Wenn man das Turnier global betrachtet, haben wir uns im Angriffsspiel im Vergleich zu den Turnieren zuvor extrem gesteigert, auch wenn es heute natürlich nicht auf dem Niveau war. In der Deckung haben wir sicherlich noch Steigerungspotenzial. Da müssen wir uns einfach besser helfen."
Alfred Gislason (Trainer Deutschland): "Die Abwehr stand insgesamt besser, nicht super, aber besser als gegen Ungarn oder Brasilien. Aber wir sind extrem schlecht mit unseren Chancen umgegangen. Besonders in der ersten Halbzeit hatten wir elf Fehlwürfe und drei technische Fehler. Wir machen auch nach der Pause viele dumme Fehler, so dass Polen mit vier Toren wegzieht. Das ist allein unsere Schuld gewesen. Der Innenblock ist und bleibt unser Problem. Wir haben nicht die Größe, um einen richtigen Block zu spielen. Wir bekommen auch deswegen zu leicht die Bälle zum Kreis. Das sind sehr billige Tore, die wir uns eigentlich in allen Spielen eingefangen haben."

Das fiel auf: Alte Probleme bleiben bestehen

Zwei Hauptprobleme begleiteten die deutsche Auswahl über das gesamte Turnier hinweg. Und je eines lag in der Offensive und in der Defensive. Beide wurden auch in diesem Spiel überdeutlich. Trainer Gislason unternahm in der Abwehr einige Experimente und tauschte den Mittelblock des Öfteren aus. Keine Variante konnte dabei besonders herausstechen. Immer wieder fand Polen zu leicht Lücken in Deutschlands Abwehr. Noch verheerender als die Defensivprobleme waren diesmal die in der Offensive. Hier lief die gesamte Partie über fast gar nichts zusammen, was magere elf Treffer in der ersten Halbzeit gut belegen. Gerade bei den einfachen Würfen ließen die Deutschen viel zu viele liegen, was nicht nur an der starken Vorstellung von Polens Torwart Morawski lag. Dass am Ende keine Niederlage stand, lag zum Teil auch an den vielen Fehlern der jungen polnischen Mannschaft.

Der Tweet zum Spiel:

Nach der Brasilien-Partie hatte sich Kapitän Uwe Gensheimer noch beklagt, dass Deutschlands Spiel zu rechtslastig sei, was Statistiken auch belegten. Gegen Polen bekam der Linksaußen seine Würfe, brachte diese aber eher unzureichend im Tor unter.

Die Statistik: 12

2011 spielte die deutsche Mannschaft in Schweden ihr bis dato schlechtestes WM-Turnier, am Ende stand ein elfter Platz zu Buche (1990 und 1997 hatte man sich nicht qualifiziert). Als die DHB-Auswahl im Spiel gegen Polen den letzten Angriff durch ein Zeitspiel liegen ließ, war das schlechteste WM-Resultat aller Zeiten besiegelt. Da half es auch nicht, dass Wolff den letzten Angriff noch stark parierte. Durch das Unentschieden beendete Deutschland das Turnier nur auf Platz zwölf.
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