Deutsche Medaillenhoffnung und Perspektivwechsel bei Leichtathletik-WM in Tokio: "Leistung ist mehr als nur Gold"

Nach dem historischen WM-Debakel vor zwei Jahren ist das deutsche Team in Tokio auf Wiedergutmachung aus. Das Motto heißt "Angreifen". Mit dem Aufschwung von Paris im Rücken und starken Einzelathleten wie Yemisi Ogunleye, Julian Weber und Leo Neugebauer sind einige Medaillenchancen realistisch. Jedoch bedeutet Erfolg mehr als Gold, denn auch persönliche Fortschritte verdienen Anerkennung.

Yemisi Ogunleye gewinnt Gold im Kugelstoßen der Frauen bei den Olympischen Spielen in Paris

Fotocredit: Getty Images

"Worst Case". "Historisches Debakel". "Die Null steht". Nach dem WM-Desaster an der Donau prasselten vor zwei Jahren Hohn und Spott auf die deutschen Leichtathleten ein, nicht eine einzige Medaille brachten sie aus Budapest mit.
Einen "Salto Nullo" wie damals wollen Gina Lückenkemper und Co. in Tokio auf keinen Fall noch einmal hinlegen. Und die Chancen auf Wiedergutmachung stehen nach dem zarten Olympia-Aufschwung von Paris auch gar nicht so schlecht.
"Ich bin zuversichtlich, dass wir aus den letzten Jahren gelernt haben. Ich fand es wichtig, auch so eine Erfahrung wie in Budapest zu machen - Medaillen fliegen nicht einfach vom Himmel", sagt Kugel-Olympiasiegerin Yemisi Ogunleye, die in Paris eine von vier Medaillen für den DLV gewann.
"Wir sind eine neue Generation. Eine Generation, die auch Erfahrungen erst einmal sammeln muss. Ich glaube, Paris hat das auch gezeigt, dass wir wirklich in der Lage sind, in der Welt mitzumischen. Ich hoffe und bin sicher, dass wir einige Medaillen in Tokio sammeln werden."

Deutsche Medaillenhoffnung

Dass die Nationalhymne in Japan zum Spätsommer-Hit wird, brauchen die deutschen Fans angesichts der starken Konkurrenz aber nicht hoffen. So ist Speerwerfer Julian Weber (91,51 m) der einzige Athlet aus dem 80-köpfigen deutschen Team, der als Nummer eins der Welt nach Japan gereist ist.
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In Topform: Julian Weber wirft über 90 Meter

Fotocredit: SID

Weitere Medaillenkandidaten sind "Mrs. Zuverlässig" Malaika Mihambo, die vor zwei Jahren verletzt zuschauen musste, und Zehnkampf-Star Leo Neugebauer. Zudem lauern Ogunleye oder Hochspringerin Christina Honsel sowie die Sprintstaffel um Lückenkemper auf ihre Chance, Hindernis-Ass Frederik Ruppert nach einer wahren Leistungsexplosion in diesem Jahr oder Hammerwerfer Merlin Hummel könnten überraschen.
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"Man hat immer noch das Gespenst von Budapest im Kopf, als wir gar nichts gewonnen haben. Das wird dieses Mal nicht passieren", sagte der frühere Weltklasse-Zehnkämpfer Frank Busemann im Interview bei "Münchner Merkur/tz".
Zugleich würden die vier Medaillen von Paris "den Blick etwas verklären", ergänzte der Olympia-Silbermedaillengewinner von Atlanta 1996: "Das war schon im oberen Bereich des Machbaren."

WM-Motto: Angreifen!

Im Vorbereitungslager in Miyazaki schwört sich das deutsche Team noch einmal auf die Mission Wiedergutmachung ein. "Die große Vorfreude auf die WM ist spürbar", sagt Jörg Bügner, DLV-Vorstand Leistungssport: "Viele Athletinnen und Athleten haben im Jahresverlauf bereits starke Leistungen gezeigt. Wir setzen alles daran, dass möglichst viele von ihnen in Tokio an ihre Bestmarken anknüpfen."
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Jung, selbstbewusst und mit klaren Zielen: Merlin Hummel

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Hummel hat "angreifen" als Motto für die Titelkämpfe ausgegeben, doch natürlich werden sich nicht alle Medaillen-Träume verwirklichen lassen. Mihambo wünscht sich sowieso, dass Erfolge und Misserfolge ganz anders bewertet werden müssten. "Medaillen sind wichtig, aber man muss auch das aktuelle Leistungsniveau sehen", sagte die Ex-Weltmeisterin dem "SID".

Mihambo: "Leistung ist mehr als nur Gold"

"Paris hat gezeigt, dass viele Athleten sehr viel Potenzial haben. Aber die Perspektive von außen muss sich ändern. Wir sollten auch die stillen Erfolge wertschätzen – etwa, wenn jemand von Listenplatz 30 auf Listenplatz 15 springt. Leistung ist mehr als nur Gold", erklärte Mihambo.
Es geht immer auch darum, was "wir in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern tun, um Erfolge zu fördern. Und da sieht man: Es ist gar nicht einfach", sagte Mihambo: "Viele müssen nebenher arbeiten – und die stehen dennoch bei Weltmeisterschaften auf der Bahn. Schon das ist eine enorme Leistung."
(SID)
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Sieg in Sydney-Marathon: Hassan setzt ausrufezeichen

Quelle: Eurosport


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