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Olympia 2021: Nach dem Reit-Drama von Fünfkämpferin Annika Schleu fordert DOSB-Päsident Hörmann Regeländerungen
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Publiziert 08/08/2021 um 12:03 GMT+2 Uhr
Weltverbandspräsident Klaus Schormann hatte die Schuldigen für das Drama um Annika Schleu und Kim Raisner schnell gefunden. Dennoch bleibt es dabei: Der Fünfkampf kann und darf in der aktuellen Form nicht weiter bestehen. DOSB-Präsident Alfons Hörmann sagte auf der Bilanz-PK: "Solche Bilder darf es nie wieder geben."
Annika Schleu auf Saint Boy
Fotocredit: Getty Images
Eine überforderte Athletin, eine suspendierte Trainerin, ein panisches Pferd, verstörende TV-Bilder, weltweite Schlagzeilen und Hassbotschaften in den Sozialen Netzwerken: Tokio dürfte für den Modernen Fünfkampf einen gravierenden Wendepunkt markieren. "Solche Bilder", sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann auf der Bilanz-PK von Team D in Japan, "darf es nie wieder geben."
Erste Konsequenzen ließen nicht lange auf sich warten. Einen Tag nach ihrem fragwürdigen Auftritt im Drama um die tränenüberströmte Annika Schleu und den wild scheuenden Saint Boy in der Teildisziplin Reiten war Olympia für Bundestrainerin Kim Raisner beendet. Der Weltverband disqualifizierte die 48-Jährige mit der Begründung, Raisner habe das Pferd mit der Faust geschlagen. Eine solche Handlung stehe im klaren Widerspruch zu den Regularien des Verbandes.
Diese so schnell wie möglich zu ändern und anzupassen, daran arbeitet offenbar auch der Weltverband UIPM, dessen deutscher Chef Klaus Schormann die Schuldigen an dem Drama überraschend schnell ausgemacht hatte. "Vielleicht gab es ein paar Momente, von denen man sagen kann, dass sie nicht so schön waren, aber (...) es gibt keinen Grund für die Sportler, sich zu beschweren", stellte der 75-Jährige fest.
Es liege "nur an den Athleten selbst, wenn sie in einigen Teilen des Wettkampfes nicht erfolgreich waren". Zudem sei es dem Tierarzt vorzuwerfen, dass er den offensichtlich nicht wettkampftauglichen Saint Boy nicht schon viel früher aus dem Turnier genommen habe.
Moderner Fünfkampf: Regeländerung vor Olympia 2021 in Tokio war nicht möglich
Das rief umgehend den deutschen Verbandspräsidenten Michael Scharf auf den Plan. "Dann muss ich sagen, dann war ich der falsche Fernsehzuschauer", sagte Scharf im Deutschlandfunk und schloss sich den vielen Forderungen nach einer schnellen Veränderung des Reglements an.
Dies sei aber, so Schormann in Tokio, nicht ganz so einfach, da man eben dieses Reglement im Fünfkampf nur alle vier Jahre ändern dürfe. "Seit drei Jahren arbeiten wir daran", sagte er, "aber hier in Tokio mussten wir unter diesem Regelwerk antreten, wir hatten gar keine andere Wahl."
Der Deutsche Olympische Sportbund forderte als logische Konsequenz der Ereignisse eine "dringende" Änderung der Regeln der umstrittenen Teildisziplin Springreiten. Die Vorgänge seien "inakzeptabel" und würden das Tierwohl gefährden, sagte DOSB-Chef Hörmann: "Es schadet dem Ansehen von Sportart und Sportlern."
Das Regelwerk im Fünfkampf anzupassen, das fordert auch die Deutsche Reiterliche Vereinigung FN. "Unser Verständnis der Reiterei liegt in der Partnerschaft zwischen Mensch und Pferd und nicht darin, das Pferd als Sportgerät zu betrachten", sagte FN-Geschäftsführer Dennis Peiler.
Den Umgang mit Annika Schleu, der auf dem Weg zum sicheren Gold auf einmal alles entglitt, kritisierte der deutsche Verband als "sehr fragwürdig". Präsident Scharf verteidigte auch seine Bundestrainerin, die "zwar nicht angemessen reagiert" habe, "aber versuchen Sie mal, in so einer Situation adäquat zu reagieren. Für mich sieht das ein bisschen aus wie Sündenbock."
Athleten Deutschland forderte gleichfalls eine faire Behandlung für Schleu. "Die Anfeindungen und der teils offene Hass, der ihr (...) in den sozialen Netzwerken entgegenschlägt, ist inakzeptabel und aufs Schärfste zu verurteilen", hieß es in einem Statement am Samstag.
(SID)
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