Olympia 2021: Annika Schleu im Interview über Details zum Reit-Drama
Publiziert 07/08/2021 um 22:57 GMT+2 Uhr
Es war einer der größten Aufreger bei den Olympischen Spielen in Tokio. Annika Schleu brach beim Reiten im Modernen Fünfkampf in Tränen aus, schlug ihr Pferd, angetrieben von skandalösen Zurufen der Bundestrainerin Kim Raisner. Im "ZDF" und mit der "Deutschen Presse-Agentur" hat die 31-Jährige mit ein wenig Abstand ausführlich über den dramatischen Vorfall gesprochen. Die wichtigsten Aussagen.
Annika Schleu
Fotocredit: Imago
Wie geht es weiter im Modernen Fünfkampf nach dem dramatischen Vorfall bei den Olympischen Spielen in Tokio mit Annika Schleu, dem Pferd Saint Boy und der Bundestrainerin Kim Raisner?
Die Aufarbeitung wird noch einige Tage und Wochen dauern, zu frisch sind noch die schockierenden Bilder eines panischen Pferds, der weinenden Reiterin und dem Einsatz der Gerte.
Mit ein wenig Abstand immerhin hat sich nun Schleu selbst zu Wort gemeldet.
Ihr schlugen Hass-Kommentare entgegen, die ganze Sportart steht am Pranger.
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"Hau mal richtig drauf!" Bundestrainerin will Schleu helfen und legt selbst Hand an
Quelle: Eurosport
Schleu hofft, "dass es sich irgendwann wieder beruhigt und dass die Menschen mich auch verstehen können und mir glauben können, dass ich nie erwartet hätte, jemals in meinem Leben als Tierquälerin beschimpft zu werden".
In Interviews mit dem "ZDF" und der "Deutschen Presse-Agentur" sprach sie ausführlich über die dramatischen Szenen und die Folgen.
Annika Schleu über...
... die Vorgeschichte:
"Das Schicksal hat seinen Lauf genommen, als ich vorher gesehen habe, dass die andere Sportlerin schon drei Verweigerungen mit meinem Pferd kassiert hat. Wir hatten dann die Hoffnung, dass ich ein Ersatzpferd nehmen kann. Das wäre für uns natürlich einfacher gewesen als mit einem Pferd, das schon Stress im Parcours erlebt hat. Diese Chance gab es leider nicht. Die Besitzerin meines Pferds hat mir dann Tipps gegeben, das habe ich mir alles zu Herzen genommen, das hat auch sehr gut funktioniert auf dem Abreiteplatz, sodass ich eigentlich relativ selbstbewusst in den Wettkampf gegangen bin."
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Quelle: Eurosport
"Ich hätte gerne ein Ersatzpferd genommen. Aber nachdem dann auf dem Abreiteplatz alles so harmonisch war, habe ich damit gerechnet, dass es anders laufen wird. Die Panik des Pferdes kam in dem Moment, als die Kameras auf uns gerichtet waren. Bis dahin lief alles nach Plan."
... die negative Wendung:
"Ich habe dann aber gemerkt, dass das Pferd total abgeblockt hat und gar nicht richtig wollte. Ich habe versucht, mit einer leichten Hand - ich war nicht mit der Hand doll vorne am Maul dran - auch mit den Beinen und mit der Stimme das Pferd vorwärts zu bekommen, dass es überhaupt in den Parcours reingeht. Es wollte aber gar nicht mehr aus der Ecke gehen."
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Quelle: Eurosport
"Leider habe ich in dieser Stresssituation - auf Platz eins bei den Olympischen Spielen - vielleicht etwas schneller die Nerven verloren und angefangen zu weinen. Ich habe dann versucht, die Gerte einzusetzen."
... den Einsatz der Gerte:
"Ich denke, man sieht auch, dass ich es erst versucht hab, mit der Stimme, mit der Hand, die Hand vorzugeben, mit den Beinen zu reiten, weil auch wir eigentlich nicht als allererstes die Gerte zücken. Nach einer Weile des Ungehorsams des Pferdes habe ich es dann doch probiert, mal mit der Gerte auf dem Hintern des Pferdes, es dazu zu überreden, mit mir doch in den Parcours zu gehen. Es ist schwierig, in der Situation damit umzugehen. Aber ich war mir eigentlich keiner Tierquälerei bewusst."
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"Ich denke nicht, dass es in einer Art und Weise war, wie es nicht auch Reiter machen würden, um einem Pferd Gehorsam beizubringen und es zu überzeugen, in den Parcours reinzugehen. Da sind diese Bilder entstanden. Ich fühle mich natürlich schon angegriffen, wenn gesagt wird, dass ich unmenschlich bin, wenn Vorwürfe der Tierquälerei geäußert werden. Ich bin nach bestem Gewissen mit dem Pferd umgegangen. Es war schon klar, dass man etwas konsequenter werden muss, aber ich war zu keiner Zeit grob."
... den Befehl der Bundestrainerin: "Hau' richtig drauf!"
"Natürlich hat sie vielleicht Worte gewählt, die der emotionalen Situation geschuldet waren. Auch als Trainerin ist man da sehr stark involviert. Da hätte sie sich vielleicht anders ausdrücken können."
... die Hass-Botschaften:
"Es war natürlich eine schwierige Situation für mich. Ich wusste, was für Fernsehbilder um die Welt gehen. Wir wissen, dass wir Fünfkämpfer schneller in der Kritik stehen, auch wenn wir nach gutem Gewissen handeln. Ich habe kurz danach schon schlimme Kommentare bekommen und habe meine Uhr, die mit meinem Handy verbunden ist, dann an meine Trainer abgegeben, damit ich das vor dem Laufen nicht lesen musste. Ich habe mit diesen Reaktionen überhaupt gar nicht gerechnet, weil ich wirklich nicht das Gefühl hatte, dass ich zu grob mit dem Pferd umgegangen bin."
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"Wenn man sich die Bilder anschaut, sieht man auch, dass der Zügel locker hängt. Ich habe nicht damit gerechnet, dass so etwas auf mich zukommt. Ich habe dann meinen Instagram-Account erstmal deaktiviert. Trotzdem gibt es immer Leute, die Handynummern bekommen, die E-Mail-Adressen bekommen. Ganz kann man sich davor nicht schützen. Es war natürlich hart, das alles lesen zu müssen."
... die Zukunft des Modernen Fünfkampfes:
"Mir würde es das Herz brechen, wenn das Reiten beim Fünfkampf rausgenommen werden würde, weil ich wirklich sehr, sehr gerne reite. Ich kann aber auch verstehen, wenn Leute sagen, eigentlich soll das Pferd eine Bindung zum Reiter haben. Deswegen wäre es schöner, wenn man das Pferd besser kennt."
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Dogue zum Umgang mit Schleu: "Da ist mir echt schlecht geworden"
Quelle: Eurosport
"Ich reite tausendmal lieber, als dass sich Rad fahre. Aber natürlich, wenn man in der Zukunft sagt, das ist nicht mehr zeitgemäß und es sollte geändert werden, dann muss der Fünfkampf auch für Alternativen offen sein."
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