Rio 2016 - 100-m-Sprinter Julian Reus exklusiv: "Erster Schritt: Finale"

Schnell wie ein Pfeil - kein anderer deutscher Sprinter ist besser als Julian Reus. Eurosport sprach exklusiv mit dem Rekordhalter (100 m in 10,01 Sekunden) über seine Ziele für Rio, den Geist von Olympia und Titelverteidiger Usain Bolt. Zudem äußert sich der 28-Jährige über seinen Start in der 4x100-m-Staffel, mit der Reus bei der Leichtathletik-EM die Bronze-Medaille holte.

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Fotocredit: Eurosport

Das Interview führte Dirk Adam
Herr Reus, wie sehen Ihre Ziele über 100 Meter bei Olympia aus?
Julian Reus: Für mich kommt es persönlich vor allem darauf an, am Ende des Wettkampfes mit meiner gezeigten Leistung zufrieden zu sein. Wenn ich weiß, ich habe alles gegeben und bin mit meinen Rennen zufrieden, werden auch die Zeit und das Ergebnis stimmen. Ich war die ganze Saison in der Lage stabil zu laufen, was mir Sicherheit für Rio gibt.
Was macht für Sie den Geist der Sommerspiele aus? Was ist das Spezielle an Olympia?
Reus: Die Olympischen Spiele zeichnen sich für mich vor allem dadurch aus, dass so eine Vielzahl unterschiedlicher Sportarten die Möglichkeit bekommt, sich einem Weltpublikum zu präsentieren. Das braucht der Sport, denn die Vielfalt des Sports ist wichtig und dazu sind solche Wettkämpfe wie die Olympischen Spiele sehr wichtig.
Mit 10,01 Sekunden haben Sie in Mannheim einen neuen deutschen Rekord aufgestellt. Wird die magische Schallmauer von 10 Sekunden bald fallen?
Reus: Wann - und ob - die Schallmauer bei mir fällt, kann ich leider nicht sagen. Dazu braucht es einfach einen nahezu perfekten Tag. Ich weiß, dass es möglich ist und muss an dem Tag dazu bereit sein, wenn er kommt.
Kein anderer deutscher Sprinter war in letzter Zeit so schnell wie Sie. Woran haben Sie besonders im Training gearbeitet, dass Sie so schnell über 100 Meter sind?
Reus: Das Wichtigste ist vor allem Gesundheit. Ich habe es mit meinem medizinischen Team und Trainer geschafft, nahezu ohne Probleme durch die Vorbereitung seit Oktober zu kommen. Das ist gerade beim Sprint im Leistungssport keine Selbstverständlichkeit. Aber die Basis, um qualitatives und hochwertiges Sprint-spezifisches Training absolvieren zu können. So konnten wir uns gezielt an ein paar kleine Änderungen machen. Im Sprint macht es keinen Sinn, zu viel zu ändern, da das Gesamtsystem ins Wanken kommen kann.
Mit der 4x100-m-Staffel habt Ihr Bronze bei der EM gewonnen. Was habt Ihr Euch mit Sven Knipphals, Aleixo Platini Menga und Lucas Jakubczyk für Olympia vorgenommen?
Reus: Unser Ziel ist es, zunächst ins Finale zu laufen. Das ist der erste Schritt. Im Finale möchten wir dann wie bei den letzten beiden Weltmeisterschaften wieder um den Kampf in die Medaillen eingreifen. Vielleicht haben wir dieses Jahr das Glück auf unserer Seite und schaffen es, den einen Platz von vier auf drei nach vorne zu rutschen.
Usain Bolt musste nach zahlreichen Verletzungen lange um seine Olympia-Teilnahme zittern. Ist er trotzdem der große Favorit über 100 Meter?
Reus: Ganz klar: Ja, aber er wird es wie letztes Jahr bei der WM wieder sehr schwer haben.
Mehrfach-Doper Justin Gatlin war der schnellste Mann in diesem Jahr. Wie sehen Sie seine Leistung? Gehen Sie ihm bei Olympia aus dem Weg?
Reus: Berührungspunkte hat man untereinander generell kaum welche. Das ist eine andere Liga. Seine Leistung muss natürlich hinterfragt werden. Er war mehrere Jahre gesperrt und läuft mittlerweile konstanter und schneller als zu seiner Dopingvergangenheit. Das muss man kritisch betrachten.
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