Olympische Winterspiele: Die Nordische Kombination ist kein Teil von Olympia mehr - eine Sportart kämpft ums Überleben

In der Nordischen Kombination herrscht nach dem Olympia-Aus Wut und Trauer. Eine Abwanderung vieler Athleten zu anderen Wintersportarten ist die Folge. Blutet die Sportart nun aus? Obwohl die Sportart seit 1924 ohne Unterbrechung olympisch war, haben sich die Vorzeichen geändert. Die genannten Gründe stoßen bei NoKo-Sportlern auf Unverständnis und Fassungslosigkeit. Es ist ein Überlebenskampf.

Die Nordische Kombination ist kein Teil von Olympia mehr

Fotocredit: Getty Images

Eric Frenzel blickte in traurige Augen, Johannes Rydzek zeichnete eine düstere Zukunft - und Lukas Klapfer schmiss sogar wütend seine Olympia-Medaillen in die Tonne. 
"Das ist es, was das IOC mit jungen Talenten macht. Es wirft ihre Träume in den Müll", befand der Österreicher nach dem Olympia-Aus seiner Sportart. Damit brachte er die Gefühlslage in der Nordischen Kombination auf den Punkt.
Wut und Trauer, vor allem aber Sorge wegen der nun fehlenden Perspektive bestimmten nach der umstrittenen Entscheidung die Gedanken.
Frenzel ereilte die Hiobsbotschaft während eines Lehrgangs, an dem auch junge Athleten teilnahmen. "Es tut sehr weh, wenn man in ihre Augen blickt und ihre Enttäuschung sieht. Das nimmt enorm viel Zukunft, Optionen und Vertrauen", sagte der deutsche Cheftrainer.

NoKo seit 1924 fester Bestandteil der olympischen Spiele

Seit der Premiere 1924 hatte der Zweikampf aus Skispringen und Langlauf immer zum olympischen Kanon gehört, Georg Thoma, Ulrich Wehling, Vinzenz Geiger oder eben Frenzel wurden als "Könige des Wintersports" gefeiert.
Vom Original-Programm der Spiele in Chamonix war bislang nur der Militärpatrouillenlauf gestrichen (und durch Biathlon ersetzt) worden - nun erwischte es die Kombination. Das sei "niederschmetternd", sagte DSV-Sportdirektor Horst Hüttel.
Das IOC hielt dagegen, dass die Nordische Kombination seit 2014 bei fast allen Popularitätsbewertungen während der Winterspiele zumeist einen der letzten Plätze belegt habe.
Frenzel forderte nun, die Zahlen auf den Tisch zu legen. "Das haben wir als so traditionsreiche Sportart auch verdient. Aktuell fühlt es sich enorm schwer an, solche Dinge zu glauben", sagte er.

Abwandern von Sportlern stellt NoKo vor Probleme

Klar ist, dass der Sportart nun ein langsames Ausbluten droht. Schon zuletzt waren Athletinnen und Athleten zum Skispringen abgewandert, auch ein Wechsel zu den Langläufern ist eine Option.
"Man kann das Ausmaß noch gar nicht greifen, das ist so weitreichend. Das raubt die Perspektive. Wir schauen ins Ungewisse", sagte der im März zurückgetretene FIS-Athletensprecher Rydzek.
Gleichzeitig herrschte Unverständnis für das IOC. Während Skibergsteigen, Ski-Freeride oder Synchroneiskunstlauf 2030 olympisch sind, wurde bei der Kombination auch die fehlende Universalität bemängelt.
Tatsächlich gehen seit Jahren fast alle Medaillen an Deutschland, Norwegen oder Österreich. Hüttel schüttelte trotzdem den Kopf. "Bei den Damen hatten wir zuletzt sechs Nationen in den Top 6 des Gesamtweltcups. Welche Sportart hat dies?", fragte der DSV-Funktionär.

Armbruster: "Schockiert, sprachlos, enttäuscht"

Nathalie Armbruster, die jahrelang für eine Aufnahme der Frauen gekämpft hatte, konnte es ebenfalls kaum fassen.
Bei "Instagram" postete die dreimalige WM-Zweite ein Bild, auf dem sie enttäuscht im Schnee liegend zu sehen ist. Dazu schrieb sie die Worte "leer, sauer, schockiert, sprachlos, traurig, enttäuscht, ungläubig, verwirrt".
Immerhin: Allein gelassen wird die Kombination nicht, auch weil es die Hoffnung auf eine Rückkehr 2034 gibt.
"Der DSV hat ganz klar signalisiert, dass die Verbandsführung hinter der Disziplin steht", sagte Hüttel. Auch bei Weltmeisterschaften wird die "NoKo" weiter zum Programm gehören. Die Finanzierung von Weltcup-Veranstaltungen dürfte dagegen nun schwieriger werden.
Das volle Ausmaß wird sich ohnehin erst in den kommenden Monaten und Jahren zeigen. Frenzel befürchtet jedenfalls Schlimmes. "Ich selber hatte den Traum, Olympiasieger zu werden. Ich hatte das Glück, ihn zu erfüllen", sagte er: "Das haben jetzt wahrscheinlich sehr, sehr viele Sportler eben nicht."
(SID)
picture

DSV-Boss Schlütter zum Olympia-Aus der NoKo: "Konsequenzen zu erwarten"

Quelle: Eurosport


Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung