Vinzenz Geiger exklusiv zum Gewinn des Gesamtweltcups in der Kombination: "Das klingt immer noch ein bisschen surreal"

Vinzenz Geiger gehört als amtierender Gesamtweltcupsieger zu den Favoriten im Olympia-Winter 2025/2026. Allerdings müssen die Nordischen Kombinierer fürchten, dass es ihr letzter Auftritt bei Winterspielen ist. "Es wäre ein Desaster, es würde mir speziell für die Jungen leidtun", sagt Geiger im Interview mit Eurosport.de. Den Weltcupauftakt im finnischen Ruka muss der Oberstdorfer indes auslassen.

Geiger exklusiv zum Weltcup-Coup: "Es ging Schlag auf Schlag"

Quelle: Eurosport

"Für die Nordische Kombination wird die Entscheidung basierend auf den Daten der Spiele 2026 erwartet", erklärte Sandra Spitz, Sport und Eventdirektorin beim Weltverband FIS, Ende August. Gemeint ist die Überlegung, die Nordische Kombination aus dem Olympia-Programm zu nehmen.
Die Tatsache, dass die Frauen bei den kommenden Winterspielen von Mailand und Cortina nicht dabei sein dürfen, bezeichnete Top-Kombiniererin Nathalie Armbruster bei Eurosport als "riesige Sauerei", die zeige, dass "Frauen im 21. Jahrhundert noch immer nicht gleichberechtigt sind".
Auch Vinzenz Geiger, der sich im Training drei knöcherne Bandausrisse am rechten Fuß zuzog und aufgrund seiner Verletzungspause die Titelverteidigung im Gesamtweltcup im Podcast "Ski happens" jüngst quasi abhakte, treibt das ganze Thema um. Er wisse noch immer "nicht genau, was der Stand ist. Wie sieht es aus mit unserer Sportart?"
Unabhängig von der Debatte hat der 28-Jährige bei Olympia die Chance, nach 2018 (Pyeongchang, Teamwettbewerb) und 2022 (Peking, Gundersen-Event) zum dritten Mal Olympiasieger zu werden. Auf die Frage, ob ihm Gold in Mailand und Cortina oder die große Kristallkugel im Weltcup lieber wäre, gibt Geiger im Eurosport-Gespräch mit Redakteur Robert Bauer eine klare Antwort.
Gesamtweltcupsieger Vinzenz Geiger. Wie klingt das inzwischen in Ihren Ohren?
Vinzenz Geiger: Das klingt immer noch ein bisschen surreal. Es ging Schlag auf Schlag, ein Rennen nach dem anderen - und es lief unglaublich gut. Inzwischen kann ich es aber einordnen, als etwas ganz Besonderes. Ich weiß, dass ich jetzt auf mich selbst schauen muss.
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Vinzenz Geiger macht sich Gedanken um die Zukunft seiner Sportart

Fotocredit: Imago

Sie sind Olympiasieger, Gesamtweltcupsieger und Weltmeister. Was steht noch auf der Bucket List?
Geiger: Eigentlich ist diese Liste jetzt abgehakt (lächelt). Ich freue mich einfach darauf, den ganzen Sommer zu trainieren und dann Wettkämpfe zu haben, um zu zeigen, was ich kann. Die kommende Saison möchte ich genießen, wobei die Olympischen Spiele das große Ziel sind.
Viele sagen jetzt: 'Der Riiber ist weg, dann müsst ihr alles gewinnen.' So einfach ist es nicht.
Wie steht es um die Motivation nach einer derart erfolgreichen Saison wie im vergangenen Winter?
Geiger: Das fällt mir nicht schwer, ich absolviere mein Training sehr gerne. Ich betreibe den Sport, weil er mir Spaß macht. Natürlich ist man motiviert und will an den Erfolgen anknüpfen - aber mir ist klar, dass das nicht selbstverständlich ist.
  • Tipp: Der Weltcup-Auftakt in Ruka von 28. bis 30. November live bei discovery+
Mit den Norwegern Jarl Magnus Riiber und Joergen Graabak haben zwei Topathleten ihre Karriere beendet. Bedauern Sie das?
Geiger: Jarl Magnus Riiber ist in etwa so alt wie ich, wir haben die ganze Karriere miteinander verbracht. Ich habe einige zweite Plätze wegen ihm (lacht). Aber ist es ein Bedauern? Es ist schade, dass solche Stars aufhören. Viele sagen jetzt: 'Der Riiber ist weg, dann müsst ihr alles gewinnen.' So einfach ist es nicht, es gibt andere gute Athleten. Ich weiß aber, dass ich jeden schlagen kann, wenn ich ihn Topform bin. Von daher ändert sich nicht so viel.
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Geiger erhält Kristallkugel und krönt sich zum König der Kombinierer

Quelle: Eurosport

Spüren Sie durch ihre Siege gesteigerten Druck?
Geiger: Als Gesamtweltcupsieger erwartet man zunächst einmal einiges von sich selbst. Hinzu kommt der Druck von außen, außerdem haben wir Olympische Spiele vor der Brust. Das ergibt schon viel Druck. Verantwortlich bin ich selbst, denn ich stehe an der Startlinie - und wenn ich meine Leistung bringe, habe ich gezeigt, dass ich mich ganz oben platzieren kann. Das ist das Einzige, das ich beeinflussen kann.
Worauf legen Sie den Hauptfokus im Winter, auf den Gesamtweltcup oder die Olympischen Spiele?
Geiger: Weder noch. Beides sind Themen, die unglaublich cool sind. Auf den Gesamtweltcup schaue ich am Schluss der Saison, denn ich gebe sowieso in jedem Wettkampf Vollgas. Olympia ist ohne Zweifel das Highlight. Ich muss mein Potenzial ausschöpfen. Da gibt es einiges zu tun. Wenn ich das schaffe, bin ich gut aufgestellt.
Wie sieht es aus mit unserer Sportart? Es wäre ein Desaster, es würde mir speziell für die Jungen leidtun.
Gesamtweltcup oder Olympiasieg - was würden Sie vorziehen?
Geiger: Da bin ich bei Olympia-Gold.
Die olympische Zukunft der Nordischen Kombination steht auf der Kippe. Kommendes Jahr will das IOC entscheiden, ob es weitergeht und wie es mit den Kombiniererinnen aussieht. Beschäftigt Sie das?
Geiger: In den Wettkämpfen spielt das keine Rolle, ich habe es aber natürlich im Hinterkopf. Das ist ein Riesenthema, bei dem wir nicht genau wissen, was der Stand ist. Wie sieht es aus mit unserer Sportart? Es wäre ein Desaster, es würde mir speziell für die Jungen leidtun.
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Die letzte "Ehrenrunde": Riiber verabschiedet sich vorzeitig

Quelle: Eurosport


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