Olympia - IOC-Entscheidung: Nordische Kombination nicht mehr olympisch, Russland darf in Weltsport zurückkehren

Die Entscheidung ist gefallen: Die Nordische Kombination ist 2030 nicht mehr olympisch. Russland kehrt dagegen bald in den Weltsport zurück. So entschied das IOC. Die Nation war zuvor aufgrund des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine vom Wettbewerb gesperrt worden. Unter der eigenen Flagge und Hymne dürfen russische Sportler und Teams zumindest bei Olympischen Spielen vorerst nicht starten.

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Quelle: Eurosport

K.o. für die NoKo, Rückkehr für Russland: Das Internationale Olympische Komitee hat am Dienstag die Weichen für die Zukunft gestellt. Während die Nordische Kombination aus dem olympischen Programm fliegt, dürfen russische Sportlerinnen und Sportler um die Sommerspiele 2028 in Los Angeles kämpfen. Die Suspendierung des Nationalen Olympischen Komitees Russlands ROC ist aufgehoben, die Empfehlungen an die Fachverbände zum Ausschluss sind damit hinfällig. Das entschied die mächtige Exekutive des IOC.
Russische Mannschaften könnten damit ebenso wieder bei internationalen Wettbewerben an den Start gehen wie russische Sportler bei den Qualifikationen für die Olympischen Sommerspiele 2028 in Los Angeles. Dafür müssen sie die Anforderungen im Anti-Doping-Kampf erfüllen: Jeder russische Athlet muss sich mehreren Tests unterziehen, bevor er wieder an internationalen Wettkämpfen teilnehmen darf.
Mit Verweis auf die IOC-Vollversammlung Ende Juni, bei der die Ringe-Organisation ihre Position zur Neutralität des Sports gestärkt hatte, sagte Präsidentin Coventry, der Schritt vom Dienstag sei "angesichts unserer neuen strategischen Ausrichtung nur logisch: Wir haben deutlich gemacht, dass wir sicherstellen wollen, dass alle Athleten die Möglichkeit haben, an den Olympischen Spielen teilzunehmen, ohne für die Handlungen ihrer Regierung zur Rechenschaft gezogen zu werden."
Zugleich, so die Simbabwerin, habe das IOC "unmissverständlich klargestellt, dass wir keinerlei Gewalt oder Kriegshandlungen weltweit gutheißen. Und an dieser Haltung werden wir festhalten."

Trotz Angriffskriegs: IOC erlaubt Russland-Rückkehr

Das Nationale Olympische Komitee der Ukraine reagierte wütend, hält die Entscheidung laut einer Stellungnahme für "unbegründet" und "verfrüht", da Russland weiter "eklatant gegen das Völkerrecht sowie gegen die Grundprinzipien von Frieden und Sicherheit" verstoße.
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) äußerte Verständnis für die IOC-Entscheidung: Der Weltsport sei "mehr als je zuvor herausgefordert, in seiner Funktion als Brückenbauer zwischen den Menschen wirken zu können". Man empfehle gleichwohl "derzeit" seinen Mitgliedsverbänden, "bei der Durchführung von internationalen Wettkämpfen russische Athletinnen und Athleten, wenn möglich, unter neutralem Status teilnehmen zu lassen und die Entsendung von Athletinnen und Athleten zu internationalen Wettbewerben in Russland sorgfältig zu prüfen".
Unter der eigenen Flagge und Hymne dürfen russische Sportler und Teams zumindest bei Olympischen Spielen vorerst nicht starten. Die Entscheidung darüber werde zu einem späteren Zeitpunkt fallen. Das IOC werde zunächst auch keine Veranstaltungen in Russland durchführen. Wie die Weltverbände sich dazu verhalten, liege in deren Ermessen, teilte das IOC mit.
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Die Nordische Kombination wird ab 20230 nicht mehr olympisch sein

Fotocredit: Getty Images

Russland begrüßte die Entscheidung. "Das IOC sendet ein klares Signal: Die olympische Bewegung muss frei von Politik bleiben", erklärte der russische Sportminister Michail Degtjarjow auf Telegram.
Nach dem Angriff Russlands und des Verbündeten Belarus auf die Ukraine im Februar 2022 hatte das IOC den Ausschluss beider Aggressoren ausgesprochen, im Herbst 2023 das Russlands Nationales Olympisches Komitee suspendiert, nachdem das ROC vier von Russland annektierte Gebiete aufgenommen hatte. Belarus wurde bereits im vergangenen Mai vom IOC wieder in vollem Umfang zugelassen.

Nordische Kombination ab 2030 nicht mehr olympisch

Bei der Vollversammlung war auch eine neue Ausrichtung des olympischen Programms beschlossen worden, die Nordische Kombination musste allerdings schon länger um ihre Zukunft bangen. Nun fliegt eine lange Jahre verlässliche deutsche Medaillenbank aus dem Programm der Winterspiele 2030. Zu unattraktiv, zu wenig durchmischt - die Nordische Kombination, seit der Winter-Premiere 1924 immer dabei, passt dem IOC unter Coventry nicht mehr.
"Ich teile die Enttäuschung der Athletinnen und Athleten, die über Jahre mit großer Disziplin, Leidenschaft und Entbehrung auf die Verwirklichung ihres olympischen Traums hingearbeitet haben und nun zunächst mit dieser Entscheidung leben müssen", sagte Präsident Thomas Weikert vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).
Deutschlands Sportfans hatten schließlich oft gejubelt dank der Kombinierer: Georg Thoma, Franz Keller, Ulrich Wehling, Georg Hettich, Eric Frenzel und Vinzenz Geiger - sie alle holten Olympia-Gold im Einzel. Nur Norwegen ist erfolgreicher unter den fünf Ringen. Weikert räumte jedoch ein, man müsse "anerkennen, dass das IOC das olympische Programm im Sinne zukunftsfester Spiele an veränderte Rahmenbedingungen anpassen muss".
Das IOC, das sich Geschlechtergleichheit auf die Fahnen geschrieben hat, formulierte einige Kritikpunkte an die Sportart, in der sich auf olympischer Bühne bislang nur Männer präsentieren durften: zu geringe internationale Verbreitung, begrenzte Zahl konkurrenzfähiger Nationen und vergleichsweise geringe globale Zuschauerreichweite. Die Frauen tragen erst seit 2020 Weltcups aus. Eine Rückkehr der NoKo ins olympische Programm bei den Spielen 2034 in Salt Lake City schloss Coventry zumindest nicht aus.
Freeride (Ski und Snowboard) sowie Synchro9 hingegen (Synchroneiskunstlauf) werden 2030 dafür erstmals vertreten sein, der Parallel-Riesenslalom der Snowboarder hielt im Gegensatz zur Nordischen Kombination der Prüfung durch das IOC stand - auf diese Disziplin springt die junge Zielgruppe an.
Bei den Spielen in Frankreich soll auch erstmals bei Winterspielen "vollständige Geschlechterparität" erreicht werden, das IOC plant mit 3046 Athletinnen und Athleten, 1525 Frauen und 1521 Männer.
(SID)
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