Baskenland-Rundfahrt: Jonas Vingegaard, Primoz Roglic und Remco Evenepoel im Duell beim Härtetest in Spanien

Erstmals in dieser Saison kommt es zum Dreikampf der Tour-Stars Jonas Vingegaard, Primoz Roglic und Remco Evenepoel. Die schwere Baskenland-Rundfahrt ist für das Trio nicht nur sportlich, sondern auch psychologisch eine ganz besondere Herausforderung. Auf den sechs Etappen müssen die Stars täglich die Karten auf den Tisch legen. Dabei steht besonders einer aus dem Trio unter Druck.

Attacke am letzten Berg: Evenepoel geht in die Offensive

Quelle: Eurosport

Wochenlang sind sich die Siegkandidaten der Tour de France möglichst aus dem Weg gegangen, jetzt steht das erste Gipfeltreffen von zumindest drei der Superstars an.
Während Tadej Pogacar sich auf den Giro d'Italia und seinen Angriff auf das Double vorbereitet, starten seine großen Herausforderer allesamt von Montag bis Samstag bei der 63. Austragung des Etappenrennens in Nordspanien.
Dort geht es traditionell vor begeisterten Fans und bei oft herausforderndem Wetter mit offenem Visier um prestigeträchtige Siege. Das Programm hat es dabei extrem in sich, auch wenn es auf den ersten Blick ganz anders wirkt: Keine Bergankunft, das einzige Zeitfahren nur über zehn Kilometer und ein einziger Anstieg über 1000 Meter Höhe - ein Menü, das mit diesen Eckdaten verdeckt, dass es auf jeder Etappe mit Vollgas zur Sache gehen dürfte und der Parcours voller Herausforderungen steckt.
Schon das Auftaktzeitfahren (Montag ab 15:30 Uhr im Liveticker) ist alles andere als ein flacher Highspeed-Kurs wie etwa bei Tirreno - Adriatico, sondern wird durch einen Anstieg der 3. Kategorie und die zweimalige Passage einer 10 % steilen gepflasterten Rampe gewürzt und dürfte für merkliche Abstände sorgen.
Vom zweiten Tag an beginnt die ununterbrochene Achterbahnfahrt über die zahllosen Hügel und Berge des Baskenlandes, oft auch auf schmalen Straßen und somit doppelt ideal für Attacken und taktische Finessen. Den Höhe-und Schlusspunkt bildet die 6. Etappe mit sieben Bergwertungen auf 138 Kilometern, dort kann die Gesamtwertung mühelos nochmals auf den Kopf gestellt werden.

Baskenland verspricht Feuerwerk für Fans

Für zusätzliche Spannung wird sorgen, dass es bei den täglich zwei Zwischensprints und den Zielankünften Bonussekunden einzustreichen gibt, die im Kampf um den Gesamtsieg durchaus eine Rolle spielen könnten: Bei den vergangenen zehn Austragungen hatte der Sieger sechs Mal weniger als 30 Sekunden Vorsprung. Vingegaard, Roglic und Evenepoel eint, dass sie allesamt angriffslustig und mit ihrer Explosivität Spezialisten für die oft mit steilen Passagen versehenen Anstiege sind, zudem scheuen sie auch mutige Attacken weit vor dem Ziel nicht und wollen in diesen direkten Duellen unbedingt Stärke zeigen: Die Fans können sich also auf ein tägliches Feuerwerk freuen!
Was die drei Stars aber massiv unterscheidet, ist ihr bisheriger Saisonverlauf und die damit einhergehende Erwartungshaltung. Während Jonas Vingegaard von Sieg zu Sieg eilte, sieht das Bild bei seinen Rivalen anders aus - sie stehen schon gehörig unter Druck. Zwei Rundfahrten nahm der Tour-Sieger aus Dänemark bisher in Angriff, beide gewann er überlegen, sammelte dabei fünf Tagessiege auf elf Etappen und diverse Sondertrikots ein: Mehr Rückenwind für die Titelverteidigung geht nicht.
"Er ist der Mann, den man schlagen muss", betont Evenepoel, aber er weiß auch: "Die Anstiege hier sind kürzer als bei Tirreno, wo er extrem stark war - und ich hoffe, aus dem Zeitfahren möglichst viel Vorsprung mitnehmen zu können."
picture

Konkurrenz abgehängt: Vingegaard jubelt nach Alleingang

Quelle: Eurosport

Roglic im Baskenland gefordert

Ganz anders bei Roglic, dessen Auftritt bei Paris - Nizza mit Rang zehn klar hinter den Erwartungen blieb und der nun gefordert ist, im Baskenland jenes Niveau zu zeigen, das ihm dort schon zwei Gesamt- und fünf Etappenerfolge in seiner Karriere einbrachte. Der Slowene ist aus dem Kreis der Topstars als Einziger noch ohne Saisonsieg, völlig ungewohnt für den sonst so erfolgsverwöhnten 34-Jährigen, der im Vorjahr zu diesem Zeitpunkt schon sieben Mal ganz oben auf dem Podium stand. Der Bora-Neuzugang muss teamintern zeigen, dass er gegenüber den bislang erfolgreicheren Mannschaftskollegen Jai Hindley, Aleksandr Vlasov oder Daniel Felipe Martinez weiter die klare Kapitänsrolle beanspruchen kann.
Auch Wunderkind Evenepoel ist auf Wiedergutmachung aus, denn nach seinem Traumstart im Februar in Portugal schmeckte dem sieghungrigen Belgier die Niederlage bei Paris - Nizza überhaupt nicht. Gerade der Zeitfahr-Weltmeister kennt die Tücken der Baskenland-Rundfahrt, vor zwei Jahren verlor er auf der Schlussetappe noch das Gelbe Trikot und fiel auf Rang vier zurück. "Ich freue mich, dort wieder ins Renngeschehen einzusteigen. Wie immer wird es ein herausfordernder Parcours und ein starkes Feld", erklärte Evenepoel, der sich besonders darauf freut, mit seinem Teamkollegen Mikel Landa (zuletzt Zweiter der Katalonien-Rundfahrt) in dessen Heimat anzutreten.
Keinesfalls will Evenepoel nur Topfavorit Vingegaard im Blick haben: "Ich werde mein Rennen nicht auf ihn hin ausrichten, sondern ganz offen herangehen", verspricht der 24-Jährige. Die Baskenland-Rundfahrt ist neben der Dauphiné im Juni das einzige Event vor der Tour de France, in dem es zum Dreier-Gipfeltreffen kommt.
picture

Evenepoel wieder geschlagen: Martinez lässt Bora jubeln

Quelle: Eurosport

Lachender Vierter im "Triell" der Stars?

Doch die Superstars müssen auch einen möglichen "lachenden Vierten" auf der Rechnung haben und dürfen nicht nur auf den Kampf untereinander um Plätze und Sekunden fixiert sein. Evenepoel und Roglic haben auf dem Weg nach Nizza erlebt, wie schnell Etappen- und Gesamtsiege von mutigen Assen aus der vermeintlich zweiten Reihe weggeschnappt werden. Das UAE-Team kommt mit der vielleicht stärksten Mannschaft ins Baskenland und würde zu gerne Pogacars Rivalen in Abwesenheit ihres Megastars ein Schnippchen schlagen - allen voran Juan Ayuso. Mattias Skjelmose (Lidl-Trek) hat seine Qualitäten in diesem Frühjahr schon gezeigt und Ion Izagirre (Cofidis) ist Dauergast auf dem Podium des Traditionsrennens, das in diesem Jahr 100. Geburtstag feiert. "Es gibt sieben oder acht Fahrer, die den Gesamtsieg angehen können", ist sich Evenepoel bewusst.
Aus deutscher Sicht schließlich ist in Roglics Helferriege mit Emanuel Buchmann und Maximilian Schachmann ein Duo am Start, dass im Baskenland 2019 einst vier von sechs Etappen gewann. Wenn es die Teamtaktik erlaubt, könnten neue Erfolgserlebnisse möglich werden: Schachmann zeigte mit seinem Platz in den Top Ten beim GP Indurain am Samstag, dass die Formkurve rechtzeitig ansteigt.
picture

Konter gekontert: McNulty triumphiert bei GP Indurain

Quelle: Eurosport

Die Radsport-Saison 2024 live bei discovery+
picture

Überlegener Erfolg: Vingegaard lässt Konkurrenz keine Chance

Quelle: Eurosport

Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung