Philippe Gilbert exklusiv: Dieser Fahrer kann den historischen Coup bei den Radsport-Monumenten schaffen

Philippe Gilbert wurde mit Siegen bei vier von fünf Monumenten zur Radsport-Ikone in Belgien. Im Gespräch mit Eurosport blickt der Ex-Weltmeister auf die Flandern-Rundfahrt am Sonntag voraus, nennt seine Favoriten und auch den Fahrer, dem er den Sieg am meisten gönnt. Daneben erklärt Gilbert, warum er Mathieu van der Poel den historischen Fünferpack bei den größten Klassikern am ehesten zutraut.

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Quelle: Eurosport

44 Jahre ist her, dass es letztmals einem Radprofi gelang, seine Titelsammlung bei den fünf Monumenten komplett zu machen. Roger De Vlaeminck war es, der 1979 bei Mailand-Sanremo triumphierte und damit das Kunststück seiner belgischen Landsmänner Rik Van Looy und Eddy Merckx wiederholte.
Seitdem ist dies keinem Fahrer mehr gelungen. Tadej Pogacar aber hat sich den Fünferpack auf die To-do-Liste geschrieben. Er werde "versuchen, alle fünf Monumente zu gewinnen". Bei der Flandern-Rundfahrt (Sonntag, 2. April ab 10:15 Uhr im Ticker und live bei discovery+) will der Slowene sein drittes Monument gewinnen.
"Ich würde sagen, dass Mathieu van der Poel es am ehesten packen kann", sagt dagegen Eurosport-Experte Philippe Gilbert. Der 40-Jährige stand 2017 ganz oben auf dem Treppchen in Flandern und beendete seine Laufbahn nach der Saison 2022.
Im Gespräch mit Eurosport erklärt Gilbert, warum er van der Poel für den perfekten Monument-Fahrer hält und welches seine schärfsten Rivalen sind.
Was bedeutet es für einen belgischen Radprofi, die Flandern-Rundfahrt zu gewinnen?
Philippe Gilbert: Für mich war es immer ein Traum, in Flandern zu siegen. Als ich noch keine 23 Jahre alt war, bin ich Vierter geworden. Damals dachte ich: 'Das war deine Chance, in Flandern zu triumphieren, und ich habe sie verpasst.' Als ich Profi wurde, stand ich zweimal auf dem Podium, hatte aber immer noch nicht gewonnen.
Was Sie 2017 nachgeholt haben.
Gilbert: Ja, dann habe ich es endlich geschafft. Das hatte große Symbolkraft, weil ich das belgische Landesmeistertrikot trug. Es gibt immer diese politischen Kämpfe zwischen den zwei Sprachen und zwei Kulturen, aber am Ende kommen wir alle aus demselben Land, und darauf war ich wirklich stolz.
Seit Ihrem Sieg hat kein Belgier mehr die Flandern-Rundfahrt für sich entschieden. Wem trauen Sie das am ehesten zu?
Gilbert: Ich hoffe auf Wout Van Aert. Beim E3 Saxo Classic war er gut, aber nicht der Stärkste. Bei Gent-Wevelgem hat er bei schlechtem Wetter viel investiert, also wünsche ich ihm, dass er sich inzwischen erholt hat. Andererseits sind Tadej Pogacar und Mathieu van der Poel bereit und wirklich stark. Trotzdem ruht meine Hoffnung auf Van Aert.
Das berühmte wie gefürchtete Kopfsteinpflaster macht Flandern zu einem besonderen Spektakel. Haben Sie damals speziell darauf trainiert?
Gilbert: Es gab tatsächlich eine passende Passage in der Nähe meines Elternhauses in den Ardennen. Ein kleiner Anstieg, sagen wir 200 Meter lang mit vielleicht 15 Prozent, und mit wirklich schlechtem Kopfsteinpflaster. Dort bin ich viel gefahren, als ich jung war. Ich habe immer Vollgas gegeben und ein gutes Gefühl gehabt. Auf dieser Passage habe ich angefangen, zu lernen. Später bin ich in meiner Juniorenzeit oft in Flandern gefahren.
Der Klassiker gehört mit Lüttich-Bastogne-Lüttich, Mailand - Sanremo, Paris - Roubaix und der Lombardei-Rundfahrt zu den fünf Monumenten des Radsports. Bislang haben nur die drei Belgier Rik Van Looy, Eddy Merckx und Roger De Vlaeminck jedes Rennen mindestens einmal gewonnen. Das ist weit über 40 Jahre her. Wer hat das Potenzial, das Kunststück zu wiederholen?
Gilbert: Ich würde sagen, dass Mathieu van der Poel es am ehesten packen kann, weil er schon zwei Monumente gewonnen hat. Dazu war er in der Lombardei sehr nah dran und in den Top Ten. In Roubaix war van der Poel auf dem Podium. Er hat einen guten Körper dafür und Muskeln, davon aber nicht zu viele. Van Aert ist doch ziemlich schwer und bei Pogacar sehe ich in Roubaix die schwierigste Herausforderung.
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Quelle: Eurosport

Sie selbst haben es auch versucht und waren knapp dran, einzig Mailand - Sanremo hat gefehlt.
Gilbert: Ich hatte diesen Traum und habe viel dafür gearbeitet. Ich glaube, das hat das Thema zurück auf den Tisch gebracht, und jetzt freue ich mich, wenn andere darüber sprechen - wie van der Poel, Pogacar oder van Aert. Mir ist es nicht gelungen, aber vielleicht konnte ich die aktuellen Fahrer motivieren und einer von ihnen schafft es.
Peter Sagan gehört zwar nicht zu den Favoriten, beendet aber nach dieser Saison seine große Karriere. Der Radsport verliert eine seiner schillerndsten Figuren. Hat er noch einen Sieg im Tank?
Gilbert: Ich glaube es nicht, würde es aber gerne sehen, weil ich Peter mag. Ich finde toll, was er für den Radsport getan und in vergangenen Jahren geleistet hat. Es war beeindruckend und ich habe großen Respekt davor. Ich würde mir wünschen, dass er in dieser Art und Weise aufhören kann, denke aber, dass er in Eintagesrennen viele seiner Fähigkeiten verloren hat. Peter kann noch immer ein paar starke Sprints fahren, wenn es ein gutes Rennen für ihn ist. Nicht zu hart, damit er frisch bleibt. Bei den Klassikern rechne ich nicht mehr mit ihm, was schade ist, denn er hätte es verdient, ein letztes Monument oder ein letztes großes Straßenrennen zu gewinnen und danach aufzuhören.
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Quelle: Eurosport

Tadej Pogacar steht mit 24 Jahren indes in der Blüte seiner Karriere. Zwei Tour-de-France-Siege hat der Slowene schon auf dem Konto. Wie geht es weiter, folgt der nächste Tour-Coup?
Gilbert: Ich würde sagen, ja. Ganz ehrlich: Ich hoffe, dass er in Frankreich wieder gewinnt. Ich mag Tadej als Fahrer, ein toller Kerl mit einem sehr erfrischenden Stil. Es wäre schön für den Sport, wenn er einen dritten Tour-Sieg holen würde.
Sie selbst haben bei der Flandern-Rundfahrt 2023 eine neue Rolle und bringen den Eurosport-Zuschauern das Event von einem Begleitmotorrad aus nahe. Nervös?
Gilbert: Ich will es genießen und komme mit dem Motorrad ganz gut zurecht. Die Maschine ist groß und damit ziemlich stabil. Man muss sich aber trotzdem eine gute Position erkämpfen, denn auch wenn du einen Kommentatorenaufkleber hast, schenkt dir niemand seinen Platz. Es geht darum, in den wichtigen Momenten am richtigen Ort zu sein. Da finden Positionskämpfe statt, es fühlt sich ein wenig so an wie zu meiner Zeit als Aktiver. Ich freue mich darauf, auf diese Weise wieder Teil des Rennens zu sein.
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Quelle: Eurosport

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