Giro d'Italia 2018: Froome-Affäre bestimmt den Giro-Start

Ein politisch aufgeladener Start in Israel und die Affäre um Chris Froome: Der 101. Giro d'Italia (täglich live bei Eurosport.de) steht vor aufregenden drei Wochen, die deutschen Erfolgschancen sind eher vage.

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Der Brückenschlag von der Heiligen in die Ewige Stadt mit politischer Tragweite und ein umstrittener Top-Favorit Chris Froome, der seine Hände in Unschuld wäscht: Der 101. Giro d'Italia (4. bis 27. Mai) sorgt bereits vor seinem Auftakt am Freitag in der israelischen Hauptstadt für einige Aufregung. Die deutschen Radprofis werden in den kommenden drei Wochen eher Nebenrollen spielen, es sei denn, Tony Martin findet einen Ausweg aus seinem langen Tief.
Um Froome und den Auftakt in der Heiligen Stadt Jerusalem ranken sich die bestimmenden Diskussionen. Der Brite steht trotz der seit Monaten schwelenden Affäre um seinen auffälligen Dopingtest an der Startlinie und fühlt sich weiterhin zu Unrecht an den Pranger gestellt. "Ich habe nichts verkehrt gemacht. Es gibt keinen Grund, warum ich hier nicht fahren sollte", bekräftigte Froome.

Mitfavorit Dumoulin kritisiert Froome

Der 32 Jahre alte Kapitän des Teams Sky war im September 2017 bei seinem Vuelta-Sieg mit einer weit über dem erlaubten Grenzwert liegenden Konzentration des Asthmamittels Salbutamol aufgefallen. Wann es ein Urteil geben und wie dieses ausfallen wird: unklar. "Ich kann die Frustration verstehen", sagte Froome, der für seine Giro-Teilnahme kritisiert wird.
Sein vermutlich größter Konkurrent hat einen klaren Standpunkt. "Wenn ich an seiner Stelle wäre, wäre ich nicht hier", sagte der niederländische Titelverteidiger Tom Dumoulin (Team Sunweb). Doch die Regularien des Radsportweltverbandes UCI legitimieren Froomes Start.

Froome will Geschichte schreiben

Der Brite will die Italien-Rundfahrt gewinnen und peilt das seltene Double aus Giro und Tour an, das Marco Pantani (1998) als Letzter schaffte. Mit einem Gesamterfolg am 27. Mai nahe des Kolosseums in Rom könnte er die dritte große Rundfahrt in Folge für sich entscheiden.
Allerdings droht eine Annullierung des möglichen Giro-Triumphs, sollte Froome noch gesperrt werden - auch wenn Giro-Direktor Mauro Vegni am Donnerstag etwas anderes behauptete. Demnach habe Weltverbands-Präsident David Lappartient versichert, dass Froome "im Falle eines Sieges beim Giro den Titel behalten würde".
Für Tony Martin ist Froome hingegen "als Gedopter gebrandmarkt, komme, was wolle", wie er dem SID in Jerusalem sagte.

Giro setzt neue Maßstäbe

Mit Israel als Austragungsort des Auftakts betritt der Veranstalter Neuland. Erstmals beginnt eine Grand Tour außerhalb Europas, und dann im angespannten politischen Umfeld des Nahen Ostens.
"Ich bin dankbar über die Chance, so ein Land kennenzulernen", sagte Martin, der sich keine großen Sorgen in puncto Sicherheit macht. "Man ist ein bisschen beunruhigt", räumte Froomes deutscher Helfer Christian Knees ein, er sagte dem SID aber auch: "Bis jetzt bin ich positiv beeindruckt."
Der kanadische Immobilien-Milliardär Sylvan Adams, der seit zwei Jahren in Israel lebt, ist Hauptfinanzier des Giro-Projekts. "Radsport ist eine universale Sprache und kann damit eine Brücke bauen", sagte er. Kritiker führen an, dass das Rennen nur eine sehr teure touristische Werbeveranstaltung sei. Mit einem Gesamtbudget von 120 Millionen Schekeln (27 Millionen Euro) wird es eine der kostspieligsten Sportveranstaltungen Israels, aber auch die erste weltweit wichtige.

Deutsche fernab des Rampenlichts

Die insgesamt sieben deutschen Radprofis werden beim Giro, der erstmals seit 2009 in der "Ewigen Stadt" Rom endet, wohl selten in Erscheinung treten. Knees (37) soll Froome als eine Art Bodyguard begleiten. Der junge Max Schachmann (24/Quick Step-Floors) hat das Potenzial, für eine Überraschung zu sorgen. Tony Martin (Katusha-Alpecin) hofft, endlich seine lange Durststrecke zu beenden.
Der letzte große Triumph des 33-Jährigen war der WM-Erfolg 2016 in seiner Paradedisziplin Zeitfahren. "Ich bin immer noch überzeugt von meinem Potenzial. Ich habe 21 Chancen und will mindestens eine nutzen", sagte der Cottbuser.
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