Majestätisch ist der Anstieg zum Mont Ventoux. Hier werden Radsport-Legenden gemacht, sicher auch bei der Tour de France 2021, wenn der kahle Riese der Provence auf der elften Etappe gleich zwei Mal bezwungen werden muss. Emanuel Buchmann wird an jenem Tag keinen Heldenstatus erringen. Das Spektakel verfolgt er höchstens vor dem TV.

"Es ist schon schade. Ursprünglich hatte ich fest geplant, wieder die Tour anzupeilen", sagte Buchmann. Doch nun ist es so: Nicht die Tour, nicht der Kampf um einen Podestplatz in Paris stehen für den derzeit besten deutschen Rundfahrer in diesem Jahr auf dem Programm. Rosa statt Gelb heiß es für Buchmann, wenn er im Mai seine Premiere beim Giro d'Italia feiern wird.

Tour de France
Keine Tour für Buchmann: Neue Ziele in 2021
10/01/2021 AM 14:06

Nach der enttäuschenden Frankreich-Rundfahrt 2020 - Buchmann schleppte sich mit Sturzfolgen über Pyrenäen und Alpen zu Gesamtrang 38 - soll dies aber nicht als Degradierung verstanden werden, heißt es bei seinem Team Bora-hansgrohe. Der Streckenverlauf der Tour 2021 (26. Juni bis 18. Juli) verringere schlicht die Chance auf ein Top-Resultat.

"Es ist dieses Jahr nicht sinnvoll, bei der Tour zu starten", sagte Sportdirektor Enrico Poitschke. Das sieht auch Buchmann so. "Die Tour-Strecke ist in diesem Jahr nicht für mich gemacht mit den Zeitfahren und den wenigen Bergankünften. Das Team und ich haben entschieden, dass die Chance beim Giro größer ist, dass ich aufs Podium und vorne rein fahre", sagte der 28-Jährige.

Ventoux im Doppelpack und zwei Zeitfahren: Die Strecke der Tour 2021

Bora: Doppelspitze bei der Tour

Das Podest bei einer der drei großen Landesrundfahrten ist weiterhin das große Ziel Buchmanns. 2019 war er dicht dran, als ihm als Tour-Vierter der große Durchbruch gelang. Nun will er bei der Italien-Rundfahrt mindestens einen Platz weiter vorne landen.

Buchmann bietet sich in Italien dabei eine große Chance. Der Giro ist zweifelsohne ein wichtiges Rennen, Druck und Aufmerksamkeit sind mit der Tour dennoch nicht zu vergleichen. Im Schatten der Grand Boucle kann Buchmann reifen - und sich als einer der besten Kletterer im Peloton profilieren.

"Es wird auch nicht viel leichter beim Giro, da werden auch ein paar Gute am Start stehen. Da muss auch alles passen", sagte Buchmann, der als unangefochtener Kapitän zum Giro reisen wird.

Bei der Tour wird Bora wohl wieder auf eine Doppelspitze setzen. Der dreimalige Weltmeister Peter Sagan dürfte um das Grüne Trikot kämpfen, in der Gesamtwertung ruhen die Hoffnungen auf dem niederländischen Neuzugang Wilco Kelderman, im Vorjahr Dritter beim Giro.

Bora: Keldermann neuer Buchmann-Rivale

Langfristig könnte der 29-Jährige für Buchmann im deutschen Vorzeigeteam zum Problem werden. Glänzt Keldermann in Frankreich, wird Buchmanns Legitimation für ein künftiges Tour-Kapitänsamt infrage gestellt.

"Wenn beide gut drauf sind, nehmen sie sich nicht viel am Berg", sagte Teamchef Ralph Denk: "Im Zeitfahren ist Wilco aber doch der deutlich bessere."

Dank dieser Qualität erhielt Keldermann für die Tour 2021 den Vorzug vor Buchmann. Ein starkes Abschneiden beim Giro würde Buchmanns Position erneut stärken.

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(SID)

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