Tour de France - Drei Dinge, die auffielen: Florian Lipowitz bleibt nach La Plagne cool und sichert Platz drei
VonJan Zesewitz
Update 25/07/2025 um 22:30 GMT+2 Uhr
Florian Lipowitz hat bei der letzten Bergetappe der Tour de France 2025 seinen dritten Platz in der Gesamtwertung abgesichert. Der Deutsche konnte nach seinem schweren Vortag am Col de la Loze seinen Kontrahenten um das Podium und das Weiße Trikot, Oscar Onley, auf dem Weg nach La Plagne distanzieren. Primoz Roglic setzte alles auf Etappensieg und scheiterte. Drei Dinge, die auffielen.
Lipowitz "mehr als zufrieden" mit starkem Auftritt bei letzter Bergetappe
Quelle: Eurosport
Der Slowene ging während der verkürzten 19. Etappe früh in die Offensive, wurde aber schon kurz vor dem fast 20 Kilometer langen Schlussanstieg eingeholt und schließlich durchgereicht. In der Gesamtwertung fiel der 35-Jährige von Platz fünf auf Platz acht zurück.
Die stärksten Fahrer dieser Tour, Jonas Vingegaard und Tadej Pogacar, konzentrierten sich nach La Plagne eher aufeinander als auf den Etappensieg - das ermöglichte Thymen Arensman seinen zweiten Etappensieg im Hochgebirge bei dieser Frankreich-Rundfahrt.
Bei noch zwei ausstehenden Etappen scheinen die Klassements größtenteils festzustehen - sollte nicht noch ein Sturz oder Krankheit in die Quere kommen. Dominator Tadej Pogacar steht vor seinem vierten Gesamtsieg bei der Grand Boucle, auch die Bergwertung wird an den Slowenen gehen.
Hinter Vingegaard ist Lipowitz Platz drei so gut wie nicht mehr zu nehmen, auch das Weiße Trikot sollte der Ulmer nach Paris bringen. Er wäre der erste Deutsche seit Andreas Klöden 2006, der auf dem Podium der Tour steht - und der vierte Deutsche überhaupt.
Drei Dinge, die auf der 19. Etappe auffielen:
1. Lipowitz sichert Podium - Roglic setzt alles auf eine Karte
Bei Red Bull-Bora-hansgrohe musste man nach der Königsetappe am Col de la Loze zittern. Lipowitz attackierte vor dem elend langen Schlussanstieg mutig in das eingeschlafene Tempo der Favoritengruppe hinein. Dafür musste er in der zweiten Hälfte des Anstiegs teuer bezahlen. Sein Konkurrent Oscar Onley erwischte einen Sahnetag und rückte auf 22 Sekunden an den Deutschen heran.
Der erste echte Rückschlag bei der ersten Tour von Florian Lipowitz - und der Trend sprach gegen ihn und für Onley vor dem letzten großen Tag in den Alpen. Aber der 24-Jährige zeigte sich abgeklärt und letztlich souverän am Anstien nach La Plagne. Er hielt Onleys Hinterrad, ließ nur einmal eine Lücke, die er nach wenigen hundert Metern wieder schließen konnte.
Und schließlich war es wieder einmal der Deutsche, der am längsten an den beiden "Außerirdischen" dranbleiben konnte. Er führte sie sogar in Richtung Zielgerade, wo er im Regen auf bemalter Straße einen Schreckmoment überstehen musste, als ihm das Hinterrad wegrutschte.
Nun liegt er in der Gesamtwertung 1:03 vor seinem britischen Konkurrenten. Angesichts des Profils der folgenden beiden Etappen, sollte ihm Platz drei und das Weiße Trikot des besten Jungprofis damit nicht mehr zu nehmen sein. Es wäre ein Stück deutsche Radsportgeschichte.
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Eisel über Lipowitz: "Weiß gar nicht, wie stark er ist"
Quelle: Eurosport
"Ich habe es, glaube ich, ganz gut gemacht", sagte Lipowitz im Ziel lapidar. "Ich kann mehr als zufrieden sein." Anders wird es sein Teamkollege Primoz Roglic sehen. Er setzte alles auf einen Etappensieg, wie der sportliche Leiter Bernhard Eisel gegenüber "Eurosport" sagte.
Der Slowene griff früh an und erarbeitete sich einen Vorsprung von rund einer Minute. Das UAE-geführte Peloton ließ ihn nicht weit weg, auch andere Teams schalteten sich in die Verfolgung ein. Rund 25 Kilometer vor dem Ziel war seine Flucht vorbei, am Ende verlor er mehr als zwölf Minuten auf den Tagessieger.
War es ein zu großes Risiko, Lipowitz allein zu lassen, damit Roglic sein Ziel vom Etappensieg erfüllen könnte? "Es war gering", meinte Eisel. "Bei 22 Sekunden Vorsprung hilft auch kein Helfer, wenn man einen schlechten Tag hat. Wir wussten, dass Lipowitz gut drauf ist. Er weiß noch gar nicht, wie stark er ist."
Taktiken vom Ergebnis her zu bewerten, ist ein schlechter Ratgeber. Roglic war es angesichts seiner Erfolge egal, ob er Fünfter oder Achter bei der Tour wird. Dem "entthronten" Kapitän die Chance auf einen Sieg zu geben, hat er sich verdient und hatte keine oder nur sehr geringe Auswirkungen auf den Podiumskampf des Deutschen.
2. Pogacar und Vingegaard schauen sich an - und vertändeln Etappensieg
"Ich werde bezahlt, um zu gewinnen", sagte Tadej Pogacar noch in den Pyrenäen. Man kann dem Slowenen nicht vorwerfen, dass er sein Geld nicht in den allermeisten Fällen mit Siegen zurückzahlt. Vier Etappensiege waren es bei der Tour in diesem Jahr, der vierte Gesamtsieg ist dem Weltmeister praktisch nicht mehr zu nehmen.
Und doch: Seit dem Bergzeitfahren in Superbagneres und seiner Ankündigung, "keine Geschenke" zu verteilen, gewann der 26-Jährige keine Etappe mehr. Sein Team arbeitete weiter hart dafür. Am Col de la Loze sah es so aus, als ob man einen Etappensieg vorbereiten möchte, nach La Plagne genau so. Jedes Mal ging er leer aus.
"Ich habe mich für ein Tempo entschieden, mit dem ich mich wohlgefühlt habe", erklärte er im Anschluss an die Etappe. "So, dass ich noch beschleunigen könnte, wenn jemand mich angreifen sollte. Darum bin ich in diesem Tempo gefahren und Arensman war schneller. Hut ab."
Die Attacke in der Mitte des Anstiegs, der nur Vingegaard folgen konnte, sah nach einer anderen Zielsetzung aus. Schließlich arbeitete auch der Däne nicht mit, der nach eigener Aussage "auf Etappensieg" fuhr. So ging der Tagessieg an Arensman - ein Geschenk Pogacars und zu einem etwas geringeren Maße Vingegaards.
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Experte André Greipel: "Vingegaard weiß, dass Pogacar stärker ist"
Quelle: Eurosport
3. Arensman krönt sich zum Ausreißerkönig in den Bergen
Die beiden Superstars lobten Arensman für seinen couragierten und sehr starken Auftritt. Zurecht: Seine Attacke 13 Kilometer vor dem Ziel wurde von Pogacar und Vingegaard registriert, aber kaum beachtet. Der Niederländer kämpfte sich ins Ziel und feierte so seinen zweiten Tagessieg bei seiner ersten Tour de France.
Beide Etappensiege fuhr er auf extrem schweren Bergetappen ein, hinzu kam ein zweiter Platz im Zentralmassiv. Arensman krönte sich mit dem Sieg in La Plagne zum Ausreißerkönig des Hochgebirges. Er war bei fünf der sechs Hochgebirgsetappen in der Fluchtgruppe und zählte fast immer zu den Stärksten.
"Ich bin komplett zerstört", sagte Arensman im Sieger-Interview. "Ich kann es nicht glauben. Eine Etappe bei der Tour zu gewinnen ist schon unglaublich, das war aus einer Gruppe heraus, jetzt aus der Favoritengruppe heraus und gegen einige der stärksten Fahrer der Welt - ich glaube, ich träume. Ich habe keine Ahnung, was ich getan habe."
Der 25-Jährige hat sich zu einem der Hauptprotagonisten der zweiten Tour-Woche entwickelt - und unterwegs ein wenig Geschichte geschrieben: 2017 war Warren Barguil der letzte Fahrer, der nicht Pogacar oder Vingegaard heißt und zwei Bergankünfte bei der Tour gewinnen konnte.
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Showdown in La Plagne: Lipowitz verteidigt weiß - Arensman jubelt
Quelle: Eurosport
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Highlights: Pogacar Gelb kaum zu nehmen - Lipowitz sichert Podium ab
Quelle: Eurosport
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