Giro d'Italia: Drei Dinge, die auffielen - Ordnung bei Mark Cavendish das halbe Leben

Mark Cavendish hat nach seinem fulminanten Tour-de-France-Comeback im vergangenen Jahr auch beim Giro d'Italia nach neunjähriger Abstinenz einen Einstand nach Maß gefeiert: Gleich im ersten Massensprint der 105. Italien-Rundfahrt klappte es mit dem Sieg. Dabei beeindruckten er und sein Quick-Step-Team. Doch das waren nicht die einzigen Erkenntnisse - drei Dinge, die auf der 3. Etappe auffielen.

Mark Cavendish feiert seinen Etappensieg in Balatonfüred mit seinem Anfahrer Michael Morkov (links)

Fotocredit: Getty Images

Dass Mark Cavendish auch nach seinem schweren Sturz beim Sechstagerennen von Gent im vergangenen Herbst, wo er sich Rippenbrüche zuzog, noch an die Erfolge aus dem Comeback-Jahr 2021 anknüpfen kann, hat er im Februar und März mit Siegen bei der UAE Tour und Mailand-Turin bereits bewiesen.
Trotzdem war der Sieg im ersten Grand-Tour-Massensprint des Jahres ein beeindruckendes Ausrufezeichen des 36-Jährigen.
Denn die Art und Weise, wie er sich mit einem fast 300 Meter langen Schlussspurt von vorne gegen Männer wie Arnaud Demare und Fernando Gaviria behauptete, war bärenstark.
Doch das ist nicht die einzige Erkenntnis vom ersten Massensprint des 105. Giro d'Italia.
Drei Dinge, die auffielen:

1. Cavendish hat den Mut und wird belohnt

"Als er losgefahren ist, dachte ich: Schade, das wird nix", gab Eurosport-Experte Rolf Aldag in seiner Analyse des Zielsprints im Velo Club bei Eurosport zu. 300 Meter von vorne - das sollte doch eigentlich zu weit sein, dachte der langjährige Wegbegleiter des Briten. Doch Cavendish zeigte seinem ehemaligen Sportdirektor, dass er mit dieser Einschätzung völlig daneben lag.
Denn der Brite ist nicht nur weiterhin schnell und kann seinen Speed auch lange aufrechthalten, sondern er ist auch clever. Ein Schlüssel zum Sieg in Balatonfüred war nämlich, dass er nicht nur Vollgas gab, sondern auch die Tür für die an der linken Bande versammelte Konkurrenz 200 Meter vor Schluss schloss.
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"Das Ding zur Linie zu bringen, war beeindruckend" - Analyse des Cavendish-Sieges

Quelle: Eurosport

So entstand unter den stärksten Kontrahenten eine Stau-Situation, in der Biniam Girmay, Simone Consonni und Jakub Mareczko hinter Fernando Gaviria allesamt einige Tritte auslassen mussten, als sie gerade Geschwindigkeit aufnahmen und aus dem Windschatten vorbeiziehen wollten.
Mit dieser Bewegung nach links sorgte Cavendish quasi dafür, dass er sich letztlich nur gegen die beiden ebenfalls schon im Wind sprintenden Demare und Gaviria behaupten musste, weil alle von weiter hinten kommenden und somit im Windschatten potentiell schnelleren Gegner in die Sackgasse fuhren.
Möglich wurde das aber auch nur, weil Cavendish den Mut hatte, 300 Meter vor Schluss seinen Sprint zu starten, obwohl Anfahrer Michael Morkov ihn auch noch einige Meter weiter hätte bringen können. Dann aber wäre auch die Gasse links noch etwas länger offen gewesen.

2. Ordnung ist die halbe Miete: Quick-Step-Zug das Maß der Dinge

Cavendish hat den Sieg am Balaton aber alles andere als allein errungen. Seine Entscheidung, den Sprint früh zu starten, traf er zwar selbst. Doch dass er in diese Situation kam, hatte er einmal mehr dem überragenden Sprintzug von Quick-Step-Alpha Vinyl zu verdanken.
Denn während in der eigentlich recht geradlinigen, 1000 Meter vor Schluss aber durch einen Kreisverkehr unterbrochenen Anfahrt zur Zielgerade alle anderen Teams ihre Ordnung verloren, konnte sich der "Manxman" gewohnt entspannt von Davide Ballerini, Bert van Lerberghe und Michael Morkov ins Finale ziehen lassen.
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Cavendish sprintet zum 16. Etappensieg - die Highlights der 3. Etappe

Quelle: Eurosport

1,3 Kilometer vor Schluss zog Ballerini den dunkelblauen Sprintzug an die Spitze des Pelotons - genau rechtzeitig, um vor dem Kreisverkehr mit allen vier Mann ganz vorne zu sein. So behielt Quick-Step die Ordnung, die bei Groupama-FDJ und Alpecin-Fenix sowie UAE Team Emirates genau an dieser Engstelle verloren ging. Der Alpecin-Zug vermischte sich mit dem von UAE, sodass weder Mareczko noch Gaviria noch bei ihren Anfahrern waren, und Demare verlor im Kreisverkehr auch den Anschluss an seinen Anfahrer Jacopo Guarnieri.
Sie alle mussten sich dann erstmal wieder neu sortieren und Kraft investieren, während Cavendish einfach weiter hinter Morkov her fuhr.
Von Caleb Ewan war zu diesem Zeitpunkt übrigens schon gar nichts mehr zu sehen, weil er bereits 1,6 Kilometer vor Schluss das Hinterrad von Rüdiger Selig verloren hatte.
Als dann 900 Meter vor Schluss van Lerberghe die Spitze übernahm und ihn 600 Meter vor Schluss Morkov ablöste, ging die Konkurrenz bereits auf dem Zahnfleisch und konnte dem Antritt des Briten nicht mehr viel entgegensetzen.

3. Kleine Preise hart umkämpft

Während der Sprint-Superstar den großen Hauptpreis abräumte und Mathieu van der Poel die Führung in der Gesamt- sowie in der Punktewertung behauptete, wurden zwei andere Preise auf der 3. Etappe hart umkämpft:
Rick Zabel und Pascal Eenkhoorn duellierten sich am einzigen Bergpreis des Tages um die Führung in der Bergwertung, die letztlich genau wie die damit verbundenen 750 Euro Preisgeld an Zabel ging. Die beiden waren am Ende des Tages zwar punktgleich, da Zabel aber im Gesamtklassement besser steht, gehört ihm die Führung.
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Hartes Duell ums Bergtrikot: Zabel gegen Eenkhoorn

Quelle: Eurosport

Und eine knappe halbe Stunde davor sahen die Zuschauer ein anderes interessantes Duell auf freier Strecke: Mattia Bais und Samuele Rivi von den italienischen Zweitdivisionären Drone Hopper-Androni Giocattoli und Eolo-Kometa kämpften am Ende ihrer rund 170 Kilometer langen Flucht als Ausreißer des Tages um die Gunst der Twitter-User, die bei diesem Giro per Voting über den Preis des kämpferischsten Fahrer des Tages bestimmen.
Sie attackierten sich 15 Kilometer lang abwechselnd gegenseitig, konnten sich aber jeweils nicht abschütteln und wurden 28 Kilometer vor Schluss vom Hauptfeld geschluckt.
Der Zweikampf aber gefiel den Zuschauern und Bais wurde schließlich per Twitter-Voting mit der roten Startnummer für den Dienstag und 250 Euro Preisgeld belohnt - wahrscheinlich auch deshalb, weil er nach dem Freitag bereits zum zweiten Mal in der Ausreißergruppe des Tages war.
Auch wenn das Tragen eines Wertungstrikots oder der roten Rückennummer nicht den großen Ruhm eines Etappensieges bringen, hart umkämpft sind auch diese kleinen Auszeichnungen bei diesem Giro.
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