Drei Dinge, die auf der 1. Etappe des Giro d'Italia auffielen: Déjà-vus für Mathieu van der Poel und Caleb Ewan

Eine große Überraschung war der Sieg von Mathieu van der Poel in Visegrád zum Auftakt des 105. Giro d'Italia nicht. Der Niederländer wollte das Maglia Rosa unbedingt zu seiner Sammlung von Führungstrikots hinzufügen und das Finale hinauf zur Zitadelle kam seinen Qualitäten entgegen. Trotzdem lieferte der erste Rundfahrt-Tag interessante Erkenntnisse. Drei Dinge, die uns beim Giro-Start auffielen.

Highlights der 1. Etappe: Kämna attackiert, van der Poel holt Rosa

Quelle: Eurosport

Mathieu van der Poel hat in Visegrád seinen 39. Profisieg gefeiert und sich nach dem Gelben Trikot der Tour de France im vergangenen Juli nun auch zum ersten Mal das Rosa Trikot des Giro d'Italia übergestreift.
Caleb Ewan erlebte ebenfalls ein Tour-Déjà-vu, als er im Sprint um den Sieg auf den letzten Metern zu Fall kam - glücklicherweise nicht ganz so schlimm wie damals in Pontivy.
Insgesamt zeigte die Auftaktetappe in Ungarn, weshalb es doch interessanter scheint, mit einem Prolog in eine dreiwöchige Rundfahrt zu starten.
Die Tatsache, dass schon am Start alle Profis nur auf die letzten fünf Kilometer von Visegrád schielten, lähmte den Rennbetrieb auf den 190 Kilometern davor.
Drei Dinge, die beim Giro-Auftakt auffielen:

1. Am Ende zählen die Watt in den Beinen

"Dreimal in der Waschmaschine durchgeschleudert und am Ende gewinnt der Favorit." So beschrieb Eurosport-Experte und Ex-Profi Rolf Aldag das Finale der Auftaktetappe in Ungarn - und traf damit den Nagel ziemlich genau auf den Kopf.
Denn so sehr es hinauf zur Zitadelle von Visegrád drunter und drüber ging mit Attacken wie der von Lennard Kämna und Vorstößen von Gesamtsieg-Kandidaten wie João Almeida (UAE Team Emirates) oder Wilco Kelderman (Bora-hansgrohe) kurz danach - am Ende kam es doch zum erwarteten Dreikampf zwischen Mathieu van der Poel (Alpecin – Fenix), Biniam Girmay (Intermarché-Wanty-Gobert) und Caleb Ewan (Lotto Soudal), der für Letzteren im Sturz und für Ersteren mit dem Rosa Trikot endete.
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Giro-Analyse: Dreimal durchgeschleudert und am Ende siegt der Favorit

Quelle: Eurosport

Es wurde wieder einmal deutlich: Bei länger ansteigenden Ankünften, bei denen die Positionierung aus der Anfahrt noch am Berg korrigiert werden kann, kommt es doch vor allem auf die Watt in den Beinen an. Und da es hinauf zur Zitadelle nicht extrem steil war, spielte das Körpergewicht eine untergeordnete Rolle. Die explosivsten Fahrer, die auch noch gut einen Hügel hinaufkommen, standen oben auf dem Treppchen.

2. Ewan merkt: Gefahr lauert in jeder Sekunde

Es passierte 190 Kilometer lang kaum etwas auf dieser 1. Giro-Etappe, doch beim Finale wurde es hektisch und es kam zu mehreren Stürzen: Sieben Kilometer vor Schluss lag das belgische Kletter-Talent Harm Vanhoucke (Lotto Soudal) auf dem Boden und verlor letztlich neun Minuten sowie alle Chancen in der Gesamtwertung. In der Schlusssteigung erwischte es weitere Fahrer, im Sprint um den Tagessieg kam Caleb Ewan (Lotto Soudal) zu Fall.
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Fast wie bei der Tour 2021: Ewan stürzt im Sprint um den Sieg

Quelle: Eurosport

Der Sturz des Australiers erinnerte an den, der ihn vergangenes Jahr in Pontivy aus der Tour de France beförderte: Ewan berührte einen Kontrahenten - diesmal Biniam Girmays Hinterrad - und es krachte auf den allerletzten Metern. Die Konsequenzen aber sollten diesmal weniger schwerwiegend sein. Ewan musste nicht mit dem Krankenwagen abtransportiert werden, sondern lief ins Ziel und wird am Samstag wieder am Start stehen.
Trotzdem zeigte sich einmal mehr: Bei einer Grand Tour kann in jeder Sekunde alles vorbei sein.

3. Kraft sparen - drei Wochen sind lang

Es gibt Tage bei großen Rundfahrten, an denen wird über 50 Kilometer unter Hochdruck darum gekämpft, wer den Sprung in die Ausreißergruppe des Tages schafft. Das war in und um Budapest absolut nicht der Fall: Mattia Bais und Filippo Tagliani vom Zweitligateam Drone Hopper-Androni Giocattoli fuhren sofort nach dem Startschuss weg und wunderten sich förmlich, dass niemand mitkommen wollte.
Es war klar: Am Auftakt-Tag geht der Etappensieg nicht an einen Ausreißer, weil die Teams der endschnellen Männer alle gemeinsam auf eine Massenankunft hinarbeiten würden, um das erste Rosa Trikot zu erobern. Entsprechend locker ließ man es im Hauptfeld zunächst angehen.
So fuhr das Duo nach rund 30 Kilometern bereits mit 10:30 Minuten Vorsprung durch Ungarn. Etwa zur Rennmitte ließ man im Hauptfeld kurzzeitig die Muskeln spielen und verringerte den Abstand auf drei Minuten, um das Loch danach ganz langsam und in aller Ruhe zufahren zu können. Ohne jede Hektik kam es 14 Kilometer vor Schluss zum Zusammenschluss.
Allzu viel Kraft wollte an der Donau mit drei harten Wochen Giro d'Italia vor der Brust bis auf Bais und Tagliani ganz offensichtlich niemand verschleudern.
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Aldag analysiert Kämna-Attacke: "Lenni muss man machen lassen"

Quelle: Eurosport

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