Zehn Jahre nach seinem Sieg am legendären Stelvio hat Thomas De Gendt (Lotto Soudal) zum zweiten Mal eine Etappe des Giro d’Italia gewonnen. Der 35-jährige Belgier schlug in Neapel nach 153 Kilometern der 8. Etappe im Sprint einer vierköpfigen Spitzengruppe der Italiener Davide Gabburo (Bardiani – CSF – Faizane) und den Spanier Jorge Arcas (Movistar). Vierter wurde sein Landsmann und Teamkollege Harm Vanhoucke, der sich über De Gendts Coup freute, als ob er selbst gewonnen hätte.
Der Eritreer Biniam Girmay (Intermarché – Wanty – Gobert), der Schweizer Mauro Schmid (Quick-Step Alpha Vinyl) und der Niederländer Mathieu van der Poel (Alpecin – Fenix) belegten 15 Sekunden hinter dem Sieger die Plätze vier bis sieben. Der Spanier Juan Pedro Lopez (Trek – Segafredo) letztlich souverän ein weiteres Mal das Rosa Trikot.
Fast schien es, als hätte sich Lotto Soudal von der gestrigen Vorstellung von Jumbo – Visma einiges abgeschaut. Wie die Niederländer auf der 7. Etappe, so waren diesmal die Belgier in der ursprünglich 21-köpfigen Spitzengruppe stark vertreten: Neben De Gendt und Vanhoucke war mit Sylvain Moniquet noch ein dritter Lotto-Profi vorn dabei. Und wie am Vortag Jumbo, so schaffte es Lotto mit zwei Fahrern in die entscheidende Gruppe. Erneut entschied also eine clevere Mannschaftsleistung das Rennen.
Giro d'Italia
Kämna auf Königsetappe über Mortirolo am Sieg vorbei - Hindley holt auf
VOR 16 STUNDEN
“Als Team haben wir einen tollen Job gemacht“, befand auch De Gendt, nachdem er für den ersten Tagessieg seines Teams bei diesem Giro gesorgt hatte. “Ich habe Harm erklärt, dass er die letzten drei Kilometer von vorn fahren soll und dass ich den Sprint gewinnen werde. Bis dreihundert Meter vor dem Ziel war er ganz vorne und daher verdanke ich ihm viel“, lobte der Sieger seinen jungen Mannschaftskollegen.

Highlights 8. Etappe: Van der Poels vergebliche Jagd

Van der Poels frühe Attacke verpuffte

Damit endete Lottos bisherige schwarze Giro-Serie, nachdem Sprinter Caleb Ewan aus verschiedenen Gründen den angepeilten Etappensieg verfehlt hatte. “Es war kein guter Beginn des Giro, aber dieser Erfolg macht viel gut. Zu dritt vorn dabei zu sein und es dann zu vollenden ist toll“, erzählte Vanhoucke im Interview.
Dagegen war Top-Favorit van der Poel auf sich allein gestellt. Der Niederländer griff dennoch bereits 46 Kilometer vor dem Ziel an – und verbaute sich damit vielleicht seine Siegchancen, weil er sich nicht aus der Gruppe lösen konnte. Van der Poel wurde von seinen Gegnern nicht aus den Augen gelassen und musste den Großteil der Arbeit selbst verrichten.
In Girmay hatte er einen Schatten, der kaum einmal sein das Hinterrad des Auftaktsiegers verließ. “Jeder hat auf Mathieu und mich geschaut, daher konnten wir das Rennen nicht so gestalten, wie wir uns das vielleicht vorgestellt hatten“, erzählte der Eritreer nach dem Rennen.

Kämna greift vergeblich an

Mit Blick auf die Punktewertung hat sich der Tag für den 22-Jährigen trotz des verpassten Etappensiegs dennoch gelohnt. Girmay verkürzte seinen Rückstand auf Spitzenreiter Arnaud Démare (Groupama – FDJ) von 53 auf 27 Punkte. Im Kampf um das Bergtrikot blieb alles beim Alten. Koen Bouwman (Jumbo – Visma) hat 25 Punkte Vorsprung auf Lennard Kämna (Bora – hansgrohe), der am letzten Anstieg vergeblich aus dem Feld heraus attackiert hatte.
Doch Lopez parierte den Angriff des Deutschen und behauptete im Gesamtklassement seinen Vorsprung von 38 Sekunden auf Kämna. Der Tagesneunte Guillaume Martin (Cofidis), der zeitweise in die virtuele Nähe des Maglia Rosa kam, schob sich auf Position vier vor. Lopez behauptete auch seine Führung in der Nachwuchswertung, wogegen seine Mannschaft von Intermarché von der Spitze der Teamwertung verdrängt wurde.
Das könnte Dich auch interessieren: Giro-Vorschau, 9. Etappe: Angriffe auf Rosa am "Riesen des Appenin"
Direkt zu www.radsport-news.com

Kämna-Attacke ein Fehler? Das sagen die Experten

Giro d'Italia
Buchmann sieht Podiumschance: "Ist noch Einiges möglich"
GESTERN AM 17:08
Giro d'Italia
Carapaz gesteht: "Haben viel Energie verloren"
22/05/2022 AM 18:09