Giro d'Italia - Drei Dinge, die bei der 8. Etappe auffielen: Der echte Kampf ums Rosa Trikot ist eröffnet
Die 8. Etappe des Giro d'Italia 2023 brachte den ersten echten Schlagabtausch der Favoriten auf den Gesamtsieg an den steilen Rampen im Finale. Ein Anstieg der 4. Kategorie reichte aus, um für größere Abstände als tags zuvor der endlose Schlussanstieg zur Bergankunft auf 2130 Metern am Gran Sasso zu sorgen. Drei Dinge, die auf den 207 Kilometern von Terni nach Fossombrone auffielen.
Highlights: Roglic lässt erstmals die Muskeln spielen
Quelle: Eurosport
Nur 2,8 Kilometer ist die schmale Straße des Anstiegs I Cappuccini lang, bescheidene 329 Meter hoch liegt der "Gipfel". Doch diese kurze Kletterpartie mit durchschnittlich 7,9 Prozent Steigung reichte aus, um mit ihren Rampen von bis zu 19 Prozent für die bislang größten Abstände beim Giro abseits des Auftaktzeitfahrens zu sorgen.
Während an der Spitze einsam der überragende Solist Ben Healy dem Tagessieg entgegenfuhr und diesen in vollen Zügen genießen konnte, fighteten rund fünf Minuten hinter ihm die Favoriten verbissen um jede Sekunde und Andreas Leknessund mit letzter Kraft um sein Rosa Trikot der Gesamtwertung.
Im Tagesergebnis trennten die Anwärter auf die Spitzenplätze letztlich etwas mehr als eine halbe Minute - ein erster Fingerzeig, was auf richtig schwerem Terrain noch möglich sein könnte.
Drei Dinge, die auffielen:
1.) Der Kampf ist endlich eröffnet
Gerade rechtzeitig vor der erwarteten Rückkehr von Remco Evenepoel ins Rosa Trikot zeigte die Konkurrenz vor dem sonntäglichen Zeitfahren, dass sie sich längst nicht geschlagen gibt - und der Weltmeister offenbarte erste Risse in seiner Rüstung. Ein Antritt von Primoz Roglic reichte, um eine Lücke entstehen zu lassen, die der Topfavorit nicht mehr schließen konnte. Ob er tatsächlich im Überschwang überdrehte und dafür im Verlauf des Anstiegs büßte, weiß nur Evenepoel selbst.
Es bleibt aber die Erkenntnis, dass der 23-Jährige mit dem richtigen Timing und der passenden Taktik durchaus vor Probleme gestellt werden kann. Was für den Belgier und sein Team am Samstag die problematischere Einsicht als Roglics Rückkehr zu alter Form gewesen sein dürfte, ist die Stärke von Ineos. Das dort beide Kapitäne nach anfänglichen Mühen an ihm vorbei und bis zum Slowenen nach vorne klettern konnten, dürfte für Kopfzerberechen sorgen.
Auch nach dem Aus von Filippo Ganna haben die Briten weiter das stärkste Team im Feld, wenn es in die Berge geht, dazu eine echte Doppelspitze und nicht weniger als drei weitere Fahrer als Joker in den Top 20 des Klassements - das lässt viel Platz für taktische Optionen.
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Spannendes Finale an der Rampe: Roglic lässt Evenepoel stehen
Quelle: Eurosport
Und die Corona-Gerüchte um Roglic mögen sich als falsch oder als Bluff herausstellen - dass man mit dem dreifachen Vuelta-Sieger aber (wieder) voll rechnen muss, hat diese Etappe auch gezeigt.
2.) Dämpfer für Bora-Duo
Weniger zufrieden konnte man mit dem Ergebnis der Etappe beim deutschen Top-Team sein. Zwar konnte Lennard Kämna im ersten Moment als einer der wenigen Fahrer auf Roglics Vorstoß reagieren, doch büßte er kurz darauf dafür. "Ich war am Ende vielleicht ein wenig übermotiviert. Ich habe mich wirklich gut gefühlt und wollte etwas versuchen. Bei meiner Attacke habe ich aber etwas überzogen und musste dann dafür bezahlen. Trotzdem bin ich happy, denn meine Form ist wirklich gut", fasste er den Tag zusammen.
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"Hart war unglaublich": Eurosport-Experten analysieren Etappe
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Im Ergebnis bedeutete es für ihn wie für Teamkollege Aleksandr Vlasov einen zusätzlichen Rückstand von 34 Sekunden zu Roglic, Hart und Thomas sowie 20 Sekunden zu u.a. Evenepoel, Joao Almeida und Jack Haig. Kein Drama, aber doch ein Dämpfer für die Bora-Doppelspitze und ihre Ambitionen.
"Um ehrlich zu sein, sind die Jungs natürlich nicht besonders zufrieden mit dem Verlauf der Etappe, denn wir konzentrieren uns voll auf die Gesamtwertung. Wir möchten hier eine Rolle spielen und das haben wir heute gezeigt. Die Motivation ist da. Lenni hat leider einen kleinen Fehler gemacht und bei seiner Attacke etwas überzogen. Aber es ist immer besser, etwas zu versuchen, als einfach nur mitzufahren. Das Rennen ist immer noch eng und das Zeitfahren morgen ist sehr wichtig und müsste Lenni eigentlich liegen", sagte Boras Sportlicher Leiter Enrico Gasparotto,
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Lennard Kämna beim Giro 2023 | Photo Credit: © BORA - hansgrohe / SprintCycling
Fotocredit: From Official Website
3.) Healy ist zu Höherem berufen
Die Fokussierung auf den Kampf um die Gesamtwertung darf den Blick auf den Sieger des Tages aber keinesfalls verdecken. besonders, weil Ben Healy den Radsport in den kommenden Jahren wie nur wenige andere Fahrer prägen könnte. Der in England geborene, aber als Ire startende 22-Jährige ist der Aufsteiger dieses Frühjahrs und sammelt Siege wie Top-Plätze seit Jahresbeginn im Eiltempo.
Italien erwies sich mit dem Solo-Sieg beim GP Industria Ende März und einem Etappenerfolg bei der Settimana Internazionale Coppi e Bartali wenige Tage zuvor dabei als besonders gutes Pflaster, doch es waren seine Auftritte im April, die für das meiste Aufsehen sorgten: Zweiter bei Flèche Brabançonne und Amstel Gold Race (dort nur knapp geschlagen von Tadej Pogacar), Vierter beim Monument in Lüttich - diese Visitenkarte schürt größte Erwartungen.
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Ben Healy - Team EF Education-EasyPost - beim Giro 2023
Fotocredit: Getty Images
Healy ist explosiv und kletterstark, kann bei Bedarf überaus solide Zeitfahren abrufen und verfügt über einen exzellenten Renninstinkt - das lässt perspektivisch nicht nur auf weitere Glanzleistungen auf Etappen oder bei Klassikern hoffen, sondern eröffnet auch Optionen auf die Gesamtwertung mindestens kleinere Rundfahrten.
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Giro d’Italia Stage 9 profile and route map: Savignano sul Rubicone - Cesen
Quelle: Eurosport
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