Giro d'Italia - Drei Dinge, die auffielen: Shootingstar Ben Healy findet seinen Meister auf der 15. Etappe in Bergamo

Auf der 15. Etappe des Giro d'Italia schien der nächste Sieg für den Shootingstar des Frühjahrs schon sicher - doch dann fand Ben Healy seinen Meister. Die Zuschauermassen in der Lombardei beflügelten aber nicht nur Etappensieger Brandon McNulty, sondern auch den Überraschungsträger des Rosa Trikots, Bruno Armirail. Im Schatten der Hauptdarsteller robbte sich ein Leichtgewicht an die Spitze heran.

Giro d'Italia: Brandon McNulty schlägt Ben Healy

Fotocredit: Getty Images

Vier Anstiege und eine letzte Rampe in Bergamos Altstadt standen auf dem Sonntags-Menü des Giro-Feldes über 195 Kilometern - und das endlich sonnige Wetter mit Zuschauermassen am Straßenrand sorgte für einen Radsport-Feiertag in der Lombardei.
Als Triumphator überquerte mit Brandon McNulty erstmals bei diesem Giro ein US-Amerikaner jubelnd den Zielstrich, seinen ersten Etappensieg bei einer großen Landesrundfahrt hätte er sich kaum schöner ausmalen können.
Drei Dinge, die auffielen.

1.) Healy findet seinen Meister

Geschichte wiederholt sich nicht, auch wenn es manchmal den Anschein hat. Als Ben Healy an der letzten Bergwertung des Tages aus dem Sattel ging, schien das Ergebnis schon sicher - wie bei seinem unwiderstehlichen Solo auf der 8. Etappe vor genau einer Woche würde der Ire dem Tagessieg entgegenstürmen. Doch diesmal hatte der Aufsteiger des Frühjahrs seine Rechnung ohne Brandon McNulty gemacht, denn der US-Amerikaner kämpfte sich im Anstieg Meter um Meter heran, schloss die Lücke in der Abfahrt und dachte auch in Bergamos Altstadt nicht daran, sich abschütteln zu lassen.
"Ich konnte ihn am letzten 'Kicker' nicht loswerden", gestand Healy am Eurosport-Mikrofon, "jetzt bin ich zwischen Stolz und Enttäuschung hin- und hergerissen. Wir haben auf jeden Fall den Leuten eine gute Show geboten." Drei Siege hat der 22-Jährige seit Ende März in Italien geholt und dazwischen auf schwerstem Terrain in den Ardennen geglänzt: Beim Amstel Gold Race sorgte im Finale wohl nur der Windschatten des Direktionsfahrzeugs vor Tadej Pogacar dafür, dass der Shootingstar die Lücke zum Superstar nicht schließen konnte.
In Bergamo aber fand Healy seinen Meister in McNulty, der sich von den Tifosi getragen fühlte: "Es war wie eine Menschenwand - und obwohl es furchtbar schmerzte, gaben mir die Leute die Kraft, weiterzufahren", schilderte der Zeitfahrspezialist. "Er hat mich mit seinen Antritten an den Anstiegen richtig leiden lassen, aber ich kam wieder ran und hatte noch genug im Tank, um ihn im Sprint zu schlagen."
Denn so stark wie der in Birmingham geborene Healy auch ist: Auf der Zielgeraden muss man ihn nicht fürchten. Sein eigener Sportdirektor Matti Breschel umschrieb die Achillesferse seines neuen Stars gegenüber Eurosport so: "Er kann wahrscheinlich nur einen einzigen Fahrer im Sprint schlagen - und das ist Domenico Pozzovivo" - der aber ist 40 Jahre alt.

2.) Gänsehaut mit Ablaufdatum für Armirail

Fast 25 Jahre trug kein Franzose mehr beim Giro das Rosa Trikot - und dass es Bruno Armirail sein würde, der diese Durststrecke beendet, hätte er selbst nie geglaubt. Mit Gänsehaut erlebte er seinen ganz persönlichen Radsport-Glückstag, einen Sonntag im maglia rosa vor den begeisterten Fans in der Lombardei. "Es war gar nicht so einfach, sich bewusst zu machen, dass die Leute für mich jubeln", gestand der Franzose.
Nicht allein der Jubel der Massen am Straßenrand sorgte für Freudenschauer beim 29-Jährigen, sondern auch seine neue Rolle in der Mannschaft. "Dass die Jungs jetzt für mich fahren, wo das sonst mein Job für sie ist - das war ganz besonders und hat mich echt berührt, es ist einfach verrückt", sagte Armirail am Eurosport-Mikrofon.
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Bruno Armirail

Fotocredit: Eurosport

Frankreichs Zeitfahrmeister macht sich allerdings wenig Illusionen über die Dauer seiner Zeit an der Spitze der Gesamtwertung. Schon in Bergamo büßte er im Finale eine halbe Minute ein, noch 68 Sekunden Vorsprung bleiben ihm auf Geraint Thomas - (zu) wenig für die Bergankunft nach dem Ruhetag. "Das wird sehr kompliziert", gestand der Profi aus den Pyrenäen ein, die Erinnerungen an diesen Sonntag aber werden ihn immer begleiten.
Während Armirail nach seinen Tagen in Rosa wieder in die Helferrolle wechseln wird, weigert sich der andere Überraschungsträger des Rosa Trikots in diesem Giro weiter beharrlich, seine Position in der Gesamtwertung aufzugeben: Noch immer liegt der Norweger Andreas Leknessund weniger als eine Minute hinter den Topfavoriten und hielt in Bergamo ebenso Anschluss zu ihnen wie bei der Bergankunft in Crans Montana. Ein Platz in den Top Ten in Rom wird mit jedem Tag wahrscheinlicher für den 24-Jährigen.

3.) Rubio robbt sich ran

Er lässt einfach nicht locker: Mit seinem dritten Ausreißversuch innerhalb weniger Tage hat sich Einer Rubio vor der Schlusswoche in eine vielversprechende Ausgangsposition gebracht, die nach der ersten Giro-Hälfte schon außer Reichweite schien. Nun aber glänzte der Kolumbianer nicht nur als Etappensieger von Crans Montana, sondern ist nach der Runde um Bergamo plötzlich auch ein echter Anwärter aufs Bergtrikot geworden.
Bis auf Platz zwei kletterte er in der Sonderwertung nach oben und machte auch in der Gesamtwertung einen Sprung in die Top 15, in der Nachwuchswertung sogar auf Rang vier. Die Schlusswoche mit ihren drei Bergankünften schreckt viele Fahrer, das 25-jährige Leichtgewicht hingegen lockt sie.
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Achtung Fans! Sprint am Berg sorgt fast für Chaos

Quelle: Eurosport

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Schrecksekunde: Auto fährt Profi fast um - "War ganz, ganz knapp"

Quelle: Eurosport

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