Giro d'Italia 2023 - Drei Dinge, die auffielen: Marsmensch Remco Evenepoel erfüllt erste Mission

Die erste Etappe des Giro d'Italia wurde von einem überirdischen Remco Evenepoel dominiert, der Belgier ließ der Konkurrenz im ersten Zeitfahren nicht den Hauch einer Chance und stürmte ins Rosa Trikot. Doch einer konnte seine Dominanz durchbrechen und sich zumindest eine der Sonderwertungen sichern, während Lennard Kämnas Auftakt ernüchternd verlief - drei Dinge, die beim Giro-Start auffielen.

Remco Evenepoel beim Giro d'Italia

Fotocredit: Getty Images

Erst 19,6 Kilometer des Giro d'Italia sind absolviert, noch 3442 liegen bis zur Ankunft in Rom am 28. Mai noch vor den Fahrern. Doch nach der 1. Etappe hat Remco Evenepoel mit seiner Machtdemonstration die Frage nach dem Siegfavoriten bei der 106. Austragung eindeutig geklärt.
Der Belgier raste an der Küste den flachen Part des Zeitfahrens mit fast 60 km/h entlang und ließ im Tagesklassement selbst Filippo Ganna um 22 Sekunden hinter sich, Primoz Roglic musste sogar das doppelte an Differenz einstecken.
Unter den klar geschlagenen im Kampf gegen die Uhr fand sich in seiner Spezialdisziplin auch der deutsche Hoffnungsträger Lennard Kämna wieder, doch einen kleinen Makel hatte die Dominanz Evenepoels dann doch.
Drei Dinge, die beim Giro-Auftakt auffielen.

1.) Marsmensch erfüllt erste Mission

Zeitfahrhelme sind seit ihrer Erfindung immer wieder Hingucker gewesen - und Evenepoel erinnerte die italienischen Kommentatoren auf der Startrampe mit seinem Modell spontan an einen Marsmenschen. Das passte perfekte zu seiner schier außerirdischen Vorstellung, die er Dominator souverän als "die erste Mission ist erfüllt" abbuchte.
Das lässt der Konkurrenz für die nächsten drei Wochen wenig Hoffnung, zumal noch zwei Zeitfahren folgen, von denen zumindest jenes auf der 9. Etappe über topfebene 35 Kilometer noch größere Dominanz fürchten lässt.
Doch Evenepoel ist zumindest kein gnadenloser Darth Vader, trotz dunklem Visier am Helm: Er kündigte schon ein Geschenk für den kommenden Mittwoch an: Nach der ersten Bergankunft sei davon auszugehen, dass man das Rosa Trikot freiwillig abgeben werde, um die Kräfte des Teams zu schonen. Wer bis dahin also schon mächtig Rückstand hat, darf vom maglia rosa träumen.
Alle anderen müssen bis dahin überlegen, wie sie den Weltmeister noch ins Wanken bringen wollen - chancenlos ist insbesondere Roglic noch lange nicht, wie die Eurosport-Experten mit Blick auf das Duell der beiden Stars bei der Katalonien-Rundfahrt in Erinnerung riefen:
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"Genau auf diese Karte wird er setzen": Das ist Roglics Trumpf

Quelle: Eurosport

2.) Dämpfer eröffnet Kämna neue Chancen

Vorfreudig und optimistisch hatte sich Lennard Kämna noch am Tag vor dem Zeitfahren in der Medienrunde präsentiert, gerade mit Blick auf den Auftakt in seiner Spezialdisziplin. In Ortona stand dann aber ein ernüchterndes Ergebnis zu Buche, Platz 22 mit 1:23 Minute Rückstand auf den Sieger war zwar "keine Katastrophe", wie der 26-Jährige mit Recht bemerkte - aber ein Coup war es eben auch nicht.
Die Chance, im Kampf um eine Spitzenposition in der Gesamtwertung einige Rivalen aus dem Kreis der reinen Bergspezialisten spürbar zu distanzieren, konnte Kämna nicht nutzen. Statt wie im Vorjahr beim Giro-Start in Budapest in die Top Ten zu fahren oder wie bei Tirreno-Adriatico im März sogar zu werden, blieb es bei einer "soliden Performance auf einem harten aber auch schönen Parcours", wie Kämna es einordnete. "Am Ende bin ich noch in Schlagdistanz zu anderen Klassementsfahrern", unterstrich er.
Allerdings steckt im durchwachsenen Start auch eine Chance für den Bora-Kapitän: Er dürfte nun mehr Freiraum haben, sich in Szene zu setzen. "Er ist jetzt nicht mehr so bei allen auf dem Radar", betonte Bernhard Eisel im Velo Club von Eurosport und Jens Voigt traut ihm angesichts der starken Auftritte wie etwa bei seinem Etappensieg während der Tour of the Alps weiter einen ähnlichen Triumph zu wie am Ätna vor Jahresfrist.
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Dämpfer als Chance: Eurosport-Experten machen Kämna Mut

Quelle: Eurosport

3.) Totale Dominanz? Evenepoel "schwächelt" am Berg

Etappensieg. Rosa Trikot. Führung in der Nachwuchswertung. Spitze im Punkteklassement - Remco Evenepoel war bei den Siegerehrungen nach der 1. Etappe Dauergast auf dem Podium. Doch bei aller Dominanz, einen kleinen Schönheitsfehler hatte der überlegene Auftritt des 23-Jährigen: Die Bergwertung musste er Brandon McNulty überlassen.
Der US-Amerikaner war auf den entscheidenden letzten Kilometern vom Hafen hinauf zum Ziel klar schneller als Evenepoel und gewann damit die Punkte am einzigen Anstieg des Tages, entschied die Giro-Jury.
Allerdings gab es anschließend berechtigte Zweifel an den Zwischenzeiten des US-Amerikaners: Laut der Aufschlüsselung im Tages-Communiqué verlor der 25-Jährige erst massiv an Boden, um dann mit über 60 km/h Richtung Anstieg und diesen in Bestzeit hinaufzufliegen. Geehrt wurde McNulty auf dem Podest dennoch. Am Sonntag korrigierte die Jury sich dann - im Blauen Trikot des besten Kletterers ging Tao Geoghegan hart auf die 2. Etappe.
Den Anstieg über 2,8 Kilometer absolvierten aber insgesamt vier Fahrer schneller als der Tagessieger, darunter auch Marius Mayrhofer: Selbst wenn McNulty von einem Messfehler profitierte: Evenepoel ist nicht unschlagbar.
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Vom Fußballer zum Tour-Sieger? Evenepoels unaufhaltsamer Weg

Quelle: Eurosport

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