Giro d'Italia 2024: Tadej Pogacar fährt wie als Kind - Kann er nicht anders oder ist das der Plan?

Man könnte meinen, Tadej Pogacar leide unter Hyperaktivität. Nachdem der Giro d'Italia mit zwei schweren Etappen begonnen hatte und der Slowene auf beiden in die Offensive gegangen war, hätte man vom Mann in Rosa auf dem dritten Teilstück, das für die Sprinter gemacht schien, Zurückhaltung erwarten können. Doch Pogacar ist von einem ganz besonderen Schlag - auch wenn er das nur zum Teil zugibt.

Pogacar lässt nichts unversucht: Attacke im Finale der 3. Etappe

Quelle: Eurosport

Als sich das Peloton in Fossano am Ende der 3. Giro-Etappe dem Ziel und der erwarteten Sprintankunft näherte, stellte sich ihm noch eine knapp anderthalb Kilometer lange Steigung in den Weg, die an der 3.000-Meter-Marke endete.
Es war zu erwarten, dass die Teams der hügelfesteren die weniger hügelfesten Sprinter dort mit hohem Tempo unter Druck setzen und abhängen wollen und vielleicht ein Puncheur attackieren würde. Als dann aber Mikkel Honoré (EF Education – EasyPost) angriff, gab plötzlich auch der Mann im Rosa Trikot Vollgas: Tadej Pogacar (UAE Team Emirates).
Der Slowene stiefelte an Honorés Hinterrad dem Feld davon und sorgte so dafür, dass auch sein großer Kontrahent Geraint Thomas (Ineos Grenadiers) hinterherstieg. Am Ende der Rampe ließ das Duo Honoré stehen und fuhr zu zweit der Zielgeraden entgegen, auf der es aber 300 Meter vor dem Zielstrich dann doch noch von den Sprintern abgefangen wurde.
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Pogacar und Thomas sorgen bei Sprintankunft für Chaos

Quelle: Eurosport

Der Vorstoß von Pogacar, er überraschte viele, obwohl einen bei dem zweifachen Tour-de-France-Sieger inzwischen gar nichts mehr überraschen sollte. Es scheint, als könne er einfach nicht anders, als Vollgas zu fahren. Der 25-Jährige selbst betonte nach dem Rennen am Eurosport-Mikrofon aber: "Ich habe nicht attackiert. Ich bin nur am Hinterrad geblieben. Ich habe nicht attackiert!"
Definitionssache ist das wohl, ob es nun eine Defensiv- oder eine Offensivaktion war, mit dem für die Gesamtwertung irrelevanten Honoré mitzuspringen. In jedem Fall dürfte es Kräfte gekostet haben. Doch Pogacar wirkt, als sei ihm das trotz der gerade erst angebrochenen drei Wochen in Italien egal.

Pogacar fährt, wie er es schon als Kind gerne tat

Schon während der Etappe am dritten Zwischensprint hatte er einmal die Muskeln spielen lassen, um sich zwei Bonussekunden zu ersprinten. Angesichts der allgemeinen Meinung, Pogacar sei im Kampf um Rosa der überlegene Mann, schien auch das fast unnötig. Pogacar aber wäre nicht Pogacar, wenn er so nicht fahren würde.
"Daran sieht man, wie viel Spaß er am Radrennen fahren hat. Es macht Spaß, ihm zuzuschauen und er tut allen anderen damit weh, überrascht alle anderen. Das hat er schon mehrfach gezeigt und macht ihn aus", erklärte Eurosport-Experte Robert Bengsch im Velo Club. "Dass er diesen Kopf hat, so ein Finale da zu fahren, das ist ein Alleinstellungsmerkmal."
Pogacar selbst beschrieb es so: "Ich hatte gute Beine. Dieses Terrain ist gut für mich und dieses Spiel, das man damals als Kinder schon gespielt hat, wenn man sich gegenseitig im Flachen und an kurzen Steigungen attackiert hat, das liegt mir." Allzu sehr wehgetan zu haben schien er sich in Fossano ohnehin nicht. Die Beine "nochmal etwas gestretcht" habe er da auf den Schlusskilometern, als bis auf Thomas erstmal keiner folgen konnte.

Thomas am Limit: "Er hat mir den Kopf eingetreten"

Und selbst der Brite konnte eben nur das: folgen. Gerade so. "Ich habe Honoré gehen sehen, und dann auch 'Pog'. Da dachte ich: Boah, dann sollte ich vielleicht auch mitgehen. Aber, Mann, das war hart! Er hat mir den Kopf eingetreten", sagte Thomas Eurosport im Ziel und erklärte, dass an Mitarbeit seinerseits anschließend kaum mehr zu denken war, als die beiden allein waren: "Ich habe ihm nur gesagt, dass ich ziemlich müde bin – in etwas weniger Worten. Ich habe nur versucht, sein Rad zu halten und versucht, ihn einmal abzulösen. Aber das war wirklich hart!"
Daran geglaubt, dass sie durchkommen und den Etappensieg unter sich ausmachen würden, hatten übrigens wohl weder der eine noch der andere. "Es war eine gute Situation, deswegen haben wir versucht, weiterzumachen. Ich habe aber eigentlich nie wirklich geglaubt, dass es reichen könnte. Dann hat 'G' aber auch mitgearbeitet. Das hat mich überrascht, Respekt dafür! Also habe ich versucht durchzuziehen, aber 400 Meter vor dem Ziel war der Weg immer noch viel zu weit", meinte Pogacar.
Thomas erklärte: "Ich habe mich umgedreht und war überrascht, eine so große Lücke zu sehen. Aber ich wusste, dass sie kommen würden – besonders so wie ich mich fühlte und nicht wirklich etwas beitragen konnte. Aber ja, das war mal was anderes…"
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"Für mich nicht am Anschlag": Pogacar bei Sieg mit Reserven?

Quelle: Eurosport

Schadet sich Pogacar mit seiner Angriffslust?

Pogacars Angriffslust, oder wie er es wohl eher sehen würde, sein Drang mitzugehen, wenn irgendwer anders attackiert, ist bekannt. Fraglich bei diesem Giro d'Italia scheint nur, wie gut sich der Slowene damit tut. Immerhin will er nach der Italien-Rundfahrt auch noch die Tour de France bestreiten und gewinnen. Da im Mai tagtäglich ans Limit zu gehen, scheint nicht ideal zu sein.
Auf der Pressekonferenz nach der 3. Etappe wurde er deshalb gefragt, ob er nicht Angst habe, dass der Giro zu "teuer" für ihn werde. Pogacars Antwort? Ein Scherz: "Bis jetzt habe ich keinen Euro ausgegeben. Ich bin auf bezahltem Urlaub, seit sechs Tagen schon. Ich habe kein Geld ausgegeben."
Auf der anderen Seite demonstrierte gerade das Beispiel Geraint Thomas in Fossano auch, was der Zweck von Pogacars Fahrweise ist: Denn ja, der Slowene verschleudert Energie, aber seine Kontrahenten müssen in solchen Situationen eben auch sehr tief gehen, wahrscheinlich mehr übers Limit als der Mann in Rosa selbst.
Und vielleicht ist genau das der Plan des Slowenen: Er will bewusst zu Beginn des Giros immer wieder attackieren und möglichst viel Zeit gewinnen, um dann in der Schlusswoche seinen Vorsprung eher verwalten zu können, anstatt dort nochmal alles herausholen zu müssen. Und je müder er seine Gegner schon zu Giro-Beginn macht, desto weniger hart können die ihn in der Schlusswoche noch attackieren.
Thomas kommentierte die Aktion auf Instagram lakonisch so: "Ok mein Sohn, Du hast Deinen Spaß gehabt. Lass uns morgen einen netten ruhigen Tag haben." Doch Pogacar kommentierte darunter: "Morgen legen wir vom Start weg los?"
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Zentimeter-Entscheidung! Merlier bezwingt Milan im Massensprint

Quelle: Eurosport

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