Red Bull steigt bei Bora-hansgrohe ein: Rolf Aldag erklärt - so profitiert das deutsche Team von der Zusammenarbeit
Seit Anfang Mai ist es fix: Red Bull steigt beim deutschen Radsportteam Bora-hansgrohe ein. Schon bei der Tour de France 2024 wird das Engagement des Getränkeherstellers sichtbar sein, das Team wird künftig Red Bull-Bora-hansgrohe heißen. Doch wie genau wird die Mannschaft vom Einstieg Red Bulls profitieren? Der Sportliche Leiter Rolf Aldag bezieht bei Eurosport in der Sendung VeloClub Stellung.
VeloClub am Ruhetag: So profitiert Bora-hansgrohe von Red Bull
Quelle: Eurosport
Eins ist klar: Mit dem Einstieg von Red Bull steigt Bora-hansgrohe im Profiradsport finanziell in die Elite auf, steht auf einer Stufe mit dem UAE Team Emirates oder Ineos Grenadiers. Durch die Übernahme von 51 Prozent des Teams ist Red Bull im Radsport angekommen, das Budget soll rund 50 Millionen Euro pro Saison betragen.
Zur Tour de France soll Red Bull dann auch auf den Trikots sichtbar sein. Geschäftsführer Ralph Denk hat bereits den Sieg bei der Frankreich-Rundfahrt als großes Ziel ausgegeben. Aber wie profitiert Bora-hansgrohe wirklich von Red Bull?
Für den Sportlichen Leiter, Rolf Aldag, sind die Vorteile mannigfaltig. Natürlich wird man - vor allem mit Blick auf die Saison 2025 - bessere Fahrer für das Projekt begeistern können. Tom Pidcock (Ineos) ist einer der möglichen Kandidaten.
Mittelfristig will das Team aber vor allem auf potenten Nachwuchs setzen. Neben dem Team Grenke-Auto Eder (U19) will Red Bull-Bora-hansgrohe schnell eine U23-Mannschaft aufbauen.
Tour-de-France-Sieg "logisches" nächstes Ziel
Das erklärte Ziel, die Tour de France gewinnen zu wollen, sei nach dem Sieg von Jai Hindley beim Giro d'Italia 2022 für Bora-hansgrohe die "logische" nächste Ambition.
"Wir müssen sie aber nicht schon 2025 gewinnen. Wir versuchen es natürlich, jetzt so gut wie möglich zu sein, aber auch im Hintergrund systematisch an der Langfristigkeit zu arbeiten", sagte Aldag bei Eurosport im VeloClub.
Allein mit einem großen Geldbeutel lasse sich kein Top-Team formen. "Genau das ist das Risiko und auch nicht die Ambition. Es ist wichtig, jetzt sehr genau herauszufiltern: Wer sieht nur das große Geld und wer sieht wirklich die sportliche Ambition? Das ist für uns superwichtig herauszufinden. Die Message ist nicht, nur mit dem Scheckbuch rumzulaufen", meinte der 55-Jährige.
Red Bull-Bora-hansgrohe will U23-Team gründen
Man wolle nicht die Erwartungshaltung "Ich tue weniger und kriege mehr Geld dafür" forcieren, meinte Aldag. So ähnlich hatte es auch schon Geschäftsführer Ralph Denk formuliert: "Im besten Fall finden wir die berühmte Nadel im Heuhaufen in den nächsten Jahren und entwickeln die zum Topfahrer, zum ikonischen Fahrer."
Den Schritt, ein U23-Team zu gründen, begrüßt auch Eurosport-Experte Jens Voigt. "Den Sprung aus dem Juniorenbereich direkt in die World Tour schaffen nur Ausnahmetalente. Da ist der Zwischenschritt über ein U23-Team nicht verkehrt", sagte der. Denn: "Wenn du ein U23-Team hast, ist die Chance höher, dass du ein Talent in deinem eigenen Nachwuchs findest, entwickelst und auch über Jahre an dich bindest."
Alle Träume werde man dabei allerdings nicht realisieren können. "Den besten Sprinter der Welt wirst du nicht halten können, wenn du die Tour de France gewinnen willst. Die beiden Ziele sind schwer vereinbar", meinte Aldag.
Red Bull: Verbindungen in die Formel 1 und zum Fußball
Interessant sei die Zusammenarbeit mit Red Bull vor allem auch wegen der Kontakte zu anderen Sportarten. "Es gibt die Verbindung zur Formel 1 und zum Fußball; sportliches Know-how, das man nicht extern einkaufen muss", zeigte Aldag auf.
In den Themenfeldern Analyse mit IT, künstliche Intelligenz, Windkanaltests, medizinische Checkups und Mental Health könne sein Radsportteam von bereits existierenden Strukturen profitieren. "Da ist Red Bull mit dem Athletic Performance Center super stark", sagte der 55-Jährige. Das Performance-Center der Firma steht in Thalgau in Österreich.
Das Budget erlaube es Red Bull-Bora-hansgrohe, "mehr Leute mit an Bord zu nehmen". So gelte es auch, "einige Arbeitsbeschreibungen neu zu schreiben. Der Trend wird dahin gehen, sich als Sportlicher Leiter viel mehr für Videoanalysen zu interessieren oder mehr mit den Radfahrern zu sprechen und dafür den administrativen Teil abzugeben", meinte Aldag.
Aldag hofft auf bessere Analytik mit IT
Gerade der Bereich "Analytik mit IT" sei sehr interessant - und im Radsport noch nicht vollends bespielt.
"Es geht um Voraussagen und zu verstehen - was wird passieren, was ist die bestmögliche Voraussage, was in einem Rennen passieren wird? Im Fußball spielt eine Mannschaft mit einer Fünferkette und die andere nicht. Im Radsport aber sind 25 Mannschaften mit eigenen Mannschaften und Strategien am Start, die aufeinandertreffen und alles verändern", erklärte der ehemalige Radprofi.
Hier könnte auch KI Abhilfe schaffen. "Wenn das aus dem Chaos ein bisschen mehr herausgelöst werden könnte, wäre das super hilfreich für die Entscheidungsfindung. Dazu braucht es IT mit unglaublichen Datenmengen", meinte Aldag.
Voigt: Radrennfahrer sind konservativ
Am Ende liege es aber immer noch an den Radfahrern, die Strategie umzusetzen. "Der normale Straßenradsportler ist eher konservativ, der alles erstmal kritisch beäugt", weiß Voigt aus eigener Erfahrung.
Allerdings sicher nicht beratungsresistent. "Es dauert einen Moment, bis sich Dinge durchsetzen - aber wenn es akzeptiert ist, dann bis in die letzte Konsequenz. Manchmal muss man sie nur ein bisschen anschubsen", sagte der 52-Jährige.
Insofern könne Red Bull für Bora-hansgrohe schon eine neue Ära einleiten. Voigt: "Ich sehe schon eine Symbiose, dass man sich gegenzeitig unterstützen kann."
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Quelle: Eurosport
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