Giro d'Italia - Drei Dinge, die auffielen: Safety First, Red Bull bröckelt und Visma tappt in die Alpecin-Falle

Die 6. Etappe des 108. Giro d'Italia plätscherte mit einer nur zweiköpfigen Ausreißergruppe bis 72 Kilometer vor dem Ziel nur so vor sich hin. Doch dann sorgte ein Massensturz auf nasser Straße in der Ortschaft Baiano für das Aus eines Ex-Giro-Siegers sowie eine Rennunterbrechung und schließlich die Annullierung der Zeitwertung im Ziel. Drei Dinge, die auf dem Weg nach Neapel auffielen.

Highlights XXL: Neutralisationschaos überschattet Marathon-Etappe

Quelle: Eurosport

Der Sieg von Kaden Groves, sein zweiter bei einer Italien-Rundfahrt, nachdem er vor zwei Jahren bereits unweit von Neapel in Salerno gewonnen hatte, geriet am Ende der 6. Giro-Etappe zur Nebensache – auch wenn es das einzige war, worum es für das Peloton auf den letzten 60 Kilometern des Tages noch ging.
Denn nach jenem Massensturz, durch den 72 Kilometer vor Ziel sowohl Jai Hindley (Red Bull-Bora-hansgrohe) mit einer Gehirnerschütterung als auch Juri Hollmann (Alpecin-Deceuninck) mit einem gebrochenen Unterarm den Giro verlassen musste, griffen die Veranstalter ungewohnt konsequent zum Wohle der Fahrer durch und neutralisierten die Etappe.
Die Konsequenzen des Sturzes überlagerten schließlich das Renngeschehen auf dem mit 227 Kilometern längsten Teilstück der gesamten drei Wochen.
Drei Dinge, die auf der 6. Etappe auffielen:

1.) Sicherheit geht endlich vor

Es muss immer erst etwas passieren. Diesen Satz kennt man aus diversen Sicherheitsdebatten im Radsport nur zu gut. Und tatsächlich musste auch am Donnerstag wieder erst etwas passieren, bevor die Giro-Veranstalter das Rennen stoppten.
Der Massensturz von Baiano zwang zur Neutralisation des Rennens – beispielsweise schon allein deshalb, weil keine Krankenwagen mehr hinter dem Feld herfahren konnten, da sie bei den Sturzopfern bleiben mussten.
Nachdem einige Fahrer, allen voran Top-Favorit Primoz Roglic (Red Bull) und der Italiener Jacopo Mosca (Lidl-Trek), das Gespräch mit der Rennleitung gesucht hatten, hielt man an und gab allen Gestürzten Zeit, sich versorgen zu lassen und zum Rest des Rennens zurückzufahren - so sie es noch konnten.
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Massensturz und Neutralisationschaos: Hindley und Hollmann raus

Quelle: Eurosport

Der Ablauf danach, nämlich dass die zwei Ausreißer des Tages mit ihrem alten Vorsprung von 50 Sekunden wieder losgeschickt wurden, ist Usus. Doch nach längeren Diskussionen zwischen Fahrern und Rennleitung sowie aber auch Rennleitung und UCI-Jury - man konnte auch Giro-Boss Mauro Vegni mit den Schiedsrichtern diskutieren sehen – griff man endlich einmal konsequent vorausschauend durch:
Weil die Straßen Neapels in nassem Zustand als besonders rutschig gelten und man sich nicht sicher sein konnte, ob es im Ziel trocken sein würde, entschied man sich zur Risikominimierung durch einen Kompromiss. Das Rennen um den Etappensieg wurde noch ausgetragen, um Geldgeber und Fans zu befriedigen, zusätzliche Anreize zum Vollgasfahren wie Punkte für das Maglia Ciclamino oder Zeitabstände für die Gesamtwertung aber strichen Vegni und Co.
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Neutralisation zur Sicherheit: "Wichtig, den Fahrern zuzuhören"

Quelle: Eurosport

Und die Fahrer nahmen das Angebot an: Nur wer mit seinem Team um den Sieg sprinten wollte, fuhr noch Vollgas vorne mit, der Rest um das Rosa Trikot von Mads Pedersen (Lidl-Trek) brachte den Tag einige Minuten dahinter in langsamerem Tempo zu Ende.
"Es gab eine gute Zusammenarbeit mit den Fahrern. Wir haben mit ihnen über die Neutralisierung gesprochen und da gab es auch keine Kritik. Das Wichtigste war die Sicherheit, die stand im Vordergrund. Natürlich gab es dann Gespräche, ob wir Punkte verteilen sollen, aber wir haben uns dagegen entschieden und alle Fahrer mit der derselben Zeit gewertet. Denn vorne mitzufahren birgt immer ein Risiko. So war es die beste Entscheidung", erklärte der Giro-Boss.
Bei aller Kritik, die man in den vergangenen Jahren an den Entscheidungen der Italien-Rundfahrt üben konnte, so durfte man sie in Neapel nun auch einmal für eine solche loben.

2.) Red Bulls Optionen bröckeln

Mit einer beeindruckend starken Helferriege für die Berge ist Red Bull-Bora-hansgrohe in den 108. Giro d'Italia gestartet, um Primoz Roglic beim Kampf ums Rosa Trikot so gut wie möglich zu unterstützen.
Der Giro-Sieger von 2023 wusste den Giro-Sieger von 2022 (Jai Hindley) und den Giro-Zweiten von 2024 (Daniel Felipe Martinez) an seiner Seite. Taktisch hatte man so einige Trümpfe in der Hand, um auch mit diesen Beiden offensiv agieren und die Konkurrenz unter Druck setzen zu können.
Doch schon bevor am Freitag die erste Bergankunft in Tagliacozzo wartet, ist das Kartenhaus zusammengefallen: Erst verlor Martinez am Mittwoch auf der 5. Etappe mehr als sechs Minuten und mit seinen Chancen in der Gesamtwertung auch sein Drohpotential gegenüber UAE und Co. Und dann stürzte nun Hindley so auf den Kopf, dass er benommen am Straßenrand sitzen blieb und der Rennarzt ihn in den Krankenwagen verfrachtete.
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Vila zu Hindley-Aus: "Sicher nicht, was wir uns vorgestellt haben"

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"Das war sicher nicht, was wir uns von heute erwartet hatten. Jai ist ein großer Verlust für uns. Er weiß, wie man dieses Rennen gewinnt und er war ganz sicher ein sehr wichtiger Mann für uns", gab der Sportliche Leiter Patxi Vila gegenüber Eurosport zu. "Wir müssen unsere Strategie nun etwas überdenken und reagieren. Aber so ist es eben und jetzt muss unser Fokus auf morgen gehen."
Grund zur großen Sorge gibt es noch nicht. Roglic wirkt bislang stark und souverän. Am Freitag könnte er mit einem Etappensieg in Tagliacozzo möglicherweise sogar die perfekte Antwort geben. Doch zwei Dämpfer waren der Zeitverlust und Sturz von Martinez – auch er ging in Baiano zuBoden, konnte aber weiterfahren – sowie das Aus von Hindley auf jeden Fall.

3.) Visma tappt in die Alpecin-Falle

Nachdem in den vergangenen Tagen vor allem Lidl-Trek das Tempo im Hauptfeld bestimmt hatte, um Mads Pedersen seine drei Etappensiege zu ermöglichen, übernahm auf dem Weg nach Neapel das Team Visma-Lease a Bike die volle Verantwortung. Die Männer in Gelb ließen die Ausreißer den ganzen Tag nicht weit weg und somit nie einen Zweifel daran aufkommen, dass es eine Sprintankunft geben würde. Ihr Schnellster, der Niederländer Olav Kooij galt bei der flachen Ankunft als Top-Favorit.
Und als Wout van Aert den 23-Jährigen, der stellvertretend für Pedersen das Maglia Ciclamino trägt, auf dem Schlusskilometer nach vorne pilotierte, sah vieles auch gut aus für Kooij. Doch dann spielte Alpecin einen Schachzug, der in dieser Saison bei der Katalonien-Rundfahrt gegen Vismas Youngster Matthew Brennan schon nach hinten losgegangen ist, als der den enteilten Tibor Del Grosso noch auf den letzten Metern übersprintete.
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Highlights: Brutale Regenschlacht zum Auftakt

Quelle: Eurosport

Nun in Neapel ließ Alpecin im dreiköpfigen Sprintzug in der letzten Ecke 1,2 Kilometer vor Schluss erneut eine Lücke aufgehen und der davor schon 300 Meter von vorne gefahrene Jensen Plowright konnte sich absetzen. Es war ein kluger Schachzug, denn das Leadout auf den letzten 1,5 Kilometern mit nur zwei Mann vor Groves zu fahren, wäre sehr weit geworden.
So aber zwang Alpecin die Konkurrenz, dem Australier mit Vollgas nachzusetzen – und diese Verantwortung übernahm van Aert. Kooij erkannte, dass er am Hinterrad des Belgiers zu früh vorne sein würde und ließ seinen Anfahrer ziehen, während er sich selbst in Richtung Windschatten der Konkurrenz rund um Groves orientierte.
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Kooij eingeklemmt - Groves jubelt auf Marathon-Etappe

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Als van Aert dann Plowright gestellt und überholt hatte, war der Weg für den belgischen Superstar aber zu weit, um allein zum Sieg durchzuziehen. Er wurde ebenfalls noch eingefangen und der Sprint eröffnet. Kooij aber fand dabei keinen freien Weg, wurde zwischen Matteo Moschetti (Q36.5) und der Bande eingeklemmt und musste die Beine hochnehmen, um nur als Zehnter ins Ziel zu rollen.
Nach zwei zweiten Plätzen durch van Aert auf der 1. Etappe und Kooij auf der 4. Etappe läuft das Team trotz Top-Besetzung für die Sprints weiter dem Sieg hinterher.
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"Was für ein Verrückter": Zuschauer sorgt für Aufregung im Finale

Quelle: Eurosport


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