Giro: Yates siegt mit Konstanz, Del Toro und Ayuso brauchen Zeit und Red Bull hat Lösungen - Drei Dinge, die auffielen

Der 108. Giro d'Italia geht als ein ganz besonderes Spektakel in die Annalen ein. Auch wenn Simon Yates die Itaien-Rundfahrt letztendlich mit fast vier Minuten Vorsprung gewonnen hat, war das eine der spannendsten Grand Tours des letzten Jahrzehnts. Dabei wurde deutlich: Konstanz siegt, Youngster brauchen Zeit und Red Bull-Bora-hansgrohe hat ein Problem - und Lösungen. Drei Dinge, die auffielen.

Giro-Highlights XXL: Kooij gewinnt in Rom, Yates feiert Gesamtsieg

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Die Giro-Schlussetappe in Rom ist mit dem erwarteten Massensprint zu Ende gegangen. Und bei dem hat Olav Kooij klargestellt, dass er der schnellste Sprinter dieser Italien-Rundfahrt war - auch weil erstmals das Leadout von Visma-Lease a Bike perfekt gepasst hat, mit Wout van Aert als letztem Anfahrer, der Kooij perfekt ablieferte.
Neben dem auf hügeligeren Etappen gleich viermal erfolgreichen Mads Pedersen (Lidl-Trek), der in seinem Maglia Ciclamino in gewisser Weise auch als Fahrer des Giros betrachtet werden darf, war Kooij damit der einzige, der mehr als eine Etappe gewann.
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Im Fokus: Lidl-Trek, das Team des Giro d'Italia 2025

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Max Kanter fuhr als Sechster zum vierten Mal unter den ersten Sieben über den Zielstrich - wenn man seine Distanzierung in Lecce ignoriert - und hat das damit in diesen drei Wochen genauso oft geschafft wie Gesamtsieger Simon Yates.
Am Ende der 108. Italien-Rundfahrt wollen wir aber weniger auf die sportlich - abgesehen vom Schlussspurt - recht uninteressante 21. Etappe schauen, sondern vielmehr auf die drei Wochen insgesamt.
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Trofeo Senza Fine für Simon Yates: Die Giro-Siegerehrung

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Drei Dinge, die beim Giro d'Italia 2025 auffielen:

1. Konstanz ist Trumpf

Simon Yates hat sieben Jahre nach seinem späten Einbruch im Rosa Trikot endgültig seinen Frieden mit dem Giro d'Italia geschlossen und die Trofeo Senza Fine - so heißt die Siegertrophäe der Italien-Rundfahrt - erobert. Nach der Vuelta a Espana 2018 ist er nun zweifacher Grand-Tour-Gesamtsieger.
Geschafft hat der 32-jährige Brite das durch beeindruckende Konstanz und Geduld über drei Wochen sowie einen physisch wie taktisch bärenstarken Auftritt auf der entscheidenden Etappe am Colle delle Finestre. Yates stand während der Rundfahrt nie im Rampenlicht, gewann keine Etappe und war bis zum Colle delle Finestre auch nie der beste Mann unter den Klassementfahrern. Trotzdem aber strahlte er am Ende auf dem Podium in Rom in Rosa.
Er hat gezeigt, dass es für den Triumph bei einer Grand Tour nicht unbedingt darauf ankommt, Bonussekunden zu ersprinten und bei jeder Etappenankunft bergauf im Vollsprint übers Limit zu gehen, sondern viel mehr darauf, immer dabei zu sein.
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Giro-Gesamtsieger ohne Etappenerfolg: Simon Yates im Fokus

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Yates gewann nicht nur keine Etappe, sondern war auch nur fünfmal in den Top Ten eines Teilstücks: Fünfter in Siena auf Etappe 9, Achter in San Valentino auf Etappe 16, Vierter in Bormio auf Etappe 17, Siebter in Champoluc auf Etappe 19 und schließlich Dritter in Sestrière auf Etappe 20.
Auf diese Weise kletterte in der Gesamtwertung heimlich, still und leise immer näher ans Rosa Trikot heran und schlug mit den wohl größten Reserven dann zu, als die ermüdete Konkurrenz mit sich selbst beschäftigt war. Und ganz nebenbei sorgte er mit seinem Triumph auch für die Rückkehr des Visma-Teams auf die Grand-Tour-Siegerstraße, nachdem die "Killerbienen" 2024 erstmals seit 2018 ganz ohne Grand-Tour-Gesamtsieg geblieben waren. Jetzt will man daran mit Jonas Vingegaard bei der Tour de France wieder anknüpfen.

2. Die Kronprinzen brauchen noch ein Jahr

Ein Jahr nachdem das UAE-Team den Giro mit Tadej Pogacar nach Belieben dominiert hatte, kam der Überflieger-Rennstall mit "Kronprinz" Juan Ayuso zum Giro. Der 22-jährige Spanier sollte den Titel für die Mannschaft von Manager Mauro Gianetti und Sportdirektor Matxin Fernandez verteidigen und beweisen, dass er in den vergangenen Jahren seit seinem Sieg beim U23-Giro 2021 zurecht als "The Next Big Thing" in Sachen Rundfahrten gehandelt wurde.
Endlich durfte Ayuso aus dem Schatten von Pogacar und Joao Almeida, mit dem er sich die Kapitänsrolle bei der Vuelta 2022 und 2023 geteilt hatte, treten. Doch schon auf der 1. Etappe bekam Ayuso einen Dämpfer, als er stürzte. Davon beeinträchtigt lief das Einzelzeitfahren tags darauf nicht ideal, doch am Ende der ersten Giro-Woche war er bei der ersten Bergankunft in Tagliacozzo klar der Stärkste.
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Große Ehre im Vatikan: Trikotträger treffen den Papst

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Trotzdem aber stand Ayuso zwei Tage später plötzlich wieder im Schatten eines Teamkollegen, denn Isaac Del Toro übernahm auf der Schotteretappe in Siena mit einem Parforceritt das Rosa Trikot. Von da an ging es bergab mit Ayusos eigenen Ambitionen, denn erstens konnte er seinen Teamkollegen ja nicht angreifen und zweitens schwächte ihn dann wohl auch noch sein von zwei Stürzen lädiertes Knie. Schließlich setzte ihn ein Bienenstich ganz außer Gefecht.
Kronprinz Ayuso konnte also seine Chance, sich als Rundfahrer Nr. 2 bei UAE hinter Pogacar zu manifestieren, nicht nutzen und bekam nun durch Del Toro neben Almeida und Adam Yates sogar noch einen weiteren Kontrahenten auf dieser Position hinzu. Denn auch wenn der 21-jährige Mexikaner Del Toro das Rosa Trikot durch eine in dieser Form selten gesehene taktische Fehlleistung am Vorschlusstag noch verspielte, so ist nach diesem Giro klar: Er kann eine Grand Tour gewinnen - irgendwann, wenn er dazugelernt hat.
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Im Fokus: Isaac Del Toro - Der Shootingstar des Giro d'Italia

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Der Shootingstar der Italien-Rundfahrt hat in diesen drei Wochen wichtige Erfahrungen gesammelt. Doch diese Erfahrungen brauchte er eben noch, um ein Grand-Tour-Sieger werden zu können. Und bis er dazu die nächste Chance bekommt, dürfte mindestens ein Jahr vergehen - sowohl für Del Toro, als auch für Ayuso. Denn im Sommer bei der Tour de France und diesmal auch der Vuelta a Espana regiert der König die Emirate: Tadej Pogacar.

3. Red Bull hat ein Problem – und Lösungen

Drei große Landesrundfahrten hat Primoz Roglic für Red Bull-Bora-hansgrohe seit seiner Verpflichtung Anfang 2024 bestritten - eine davon gewann er, die anderen beiden endeten nach jeweils mehreren Stürzen vorzeitig. Der Slowene hat zweifelsfrei riesiges Potential und gehört physisch zu den fünf besten Rundfahrern der Welt.
Doch als alleiniger Kapitän ist er ein Risikofaktor für eine Mannschaft bei einer dreiwöchigen Rundfahrt. Das bekam der Rennstall von Manager Ralph Denk bei der Tour de France 2024 schmerzhaft zu spüren, als man nach Roglics Aus nach Etappe 12 zwar auf Etappenjagd umstellte, dabei aber kein Glück mehr hatte.
Umso erleichterter dürfte man in Raubling nun beim Giro gewesen sein, als Nico Denz nur zwei Tage nach dem Ausscheiden des Kapitäns mit seinem Etappensieg in Cesano Maderno die Rundfahrt für sein Team rettete. Damit machte Denz deutlich: Die Pferdestärken für Etappenjagden hat man bei Red Bull-Bora-hansgrohe - wenn man sie nicht durch die Arbeit für einen klar definierten Kapitän bindet.
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Emotionale Siegerehrung mit Champagnerdusche: Denz auf dem Podium

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Doch das große Ziel von Red Bull und Teamchef Denk ist eben nicht, Etappensiege zu feiern. Der Traum heißt Gelbes Trikot, der Traum heißt Tour-de-France-Sieg. Mit Roglic, das wird immer klarer - zumal der Slowene mit seinen 35 Jahren eben auch nicht jünger wird - dürfte das angesichts der Konkurrenz um Pogacar, Vingegaard und Remco Evenepoel kaum mehr zu schaffen sein.
Mit Geld kann der Tour-Sieg momentan auch nicht eingekauft werden: Pogacar und Vingegaard sind vertraglich noch viele Jahre gebunden, und Evenepoel wird derzeit eher mit Ineos als mit Red Bull in Verbindung gebracht.
Doch das Storytelling von Red Bull ist seit dem Aufkaufen des Bora-Teams ohnehin ja eines, das auf Nachwuchsförderung abzielt. Da kommt es Denks Mannen gelegen, dass der 21-jährige Neuzugang Giulio Pellizzari in der Schlusswoche des Giros zu den besten Fünf am Berg gehörte und nach dem Roglic-Aus noch auf Gesamtrang sechs hinaufkletterte.
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Nach Tiefschlag noch gerettet: Eisel zieht Red-Bull-Fazit vom Giro

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Das macht ihn noch nicht zum kommenden Tour-de-France-Sieger, doch die Nachfolge von Roglic als Rundfahrt-Kapitän bei Red Bull-Bora-hansgrohe scheint gesichert - zumal mit dem 24-jährigen Florian Lipowitz, der ab kommenden Sonntag Kapitän beim Critérium du Dauphiné sein wird, und möglicherweise auch mit Junioren-Weltmeister Lorenzo Finn, der im Entwicklungs-Team fährt und Mitte Juni den U23-Giro bestreiten wird, auch weitere Youngster mit dem nötigen Potenzial in den Startlöchern stehen.
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Best Of Velo Club: Das Beste aus drei Wochen Giro d'Italia

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