Giro d'Italia - Drei Dinge, die auf der 13. Etappe auffielen: Perfektes Vorspiel für Vingegaard und Co. auf den Showdown
VonFelix Mattis
Update 22/05/2026 um 22:16 GMT+2 Uhr
Vor der 13. Etappe des Giro d'Italia erwarteten alle Fans den Lago-Maggiore-Lokalmatador Filippo Ganna in der Spitzengruppe. Am Ende jubelte der aus der Toskana stammende Alberto Bettiol und feierte in Verbania trotzdem einen Heimsieg. Er profitierte von unerwarteter Ruhe in der Spitzengruppe vor dem Finale, während die Ruhe im Hauptfeld dagegen prognostizierbar war. Drei Dinge, die auffielen.
Highlights: Ausreißer-Show endet mit Solo-Sieg auf 13. Etappe
Quelle: Eurosport
Die 109. Italien-Rundfahrt bleibt ein Rennen, bei dem nur wenige Teams jubeln: Mit Alberto Bettiol gelang XDS-Astana bereits der dritte Etappenerfolg, doch damit haben nach 13 Tagen noch immer nur sechs Mannschaften gewonnen.
Bereits zum wiederholten Mal knapp am Sieg vorbeigeschrammt ist Andreas Leknessund von Uno-X Mobility: Wie schon in Fermo auf Etappe acht wurde der Norwegische Meister erneut Zweiter. Interessant war aber, was der Rest der Ausreißergruppe für das Finale eigentlich geplant hatte.
Wer nichts vor hatte, waren auf jeden Fall die Gesamtwertungsfahrer im Hauptfeld. Die hatten bei rund 30 Grad vor allem den Samstag bereits im Kopf.
Drei Dinge, die auf der 13. Etappe auffielen:
1. Nicht Ganna, sondern Bettiol feiert Heimsieg am See
Filippo Ganna war als Lokalmatador vor der 13. Etappe in aller Munde. Schon seit seinem überlegenen Sieg im Einzelzeitfahren von Massa am Dienstag war die Rede davon, dass er nun den Heimsieg in seinem Geburtsort Verbania anvisiere.
Wenig überraschend klappte das aber am Ende nicht - denn wenn einer allzu offensichtlich in die Ausreißergruppe will, dann ist die Konkurrenz hellwach und er schafft es meist nicht. Genau so kam es nun auf dem Weg von Alessandria an den Lago Maggiore, und doch sprach der Tagessieger später vom "Heimsieg".
"Das ist mein zweites Zuhause", sagte der aus der Toskana stammende Alberto Bettiol und erklärte: "Meine Freundin und ihre Familie sind aus Verbania. Heute waren alle hier, auch mein Bruder und meine Eltern. Dann hier so zu gewinnen ist etwas, dass für immer bleibt!"
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Bettiol nach Etappensieg: "Hatte schon vor dem Start gewonnen"
Quelle: Eurosport
Bettiol war also der heimliche Lokalmatador mit kaum weniger Ortskenntnis als Ganna. Und genau diese Ortskenntnis verhalf ihm schließlich auch zum Sieg - seinem ersten seit den Italienischen Meisterschaften 2024 übrigens.
"Ich kannte jede Kurve auf den letzten 50 Kilometern, weil ich manchmal hier trainiere", verriet er. "Auch den letzten Anstieg habe ich mir vor ein paar Monaten mit einem Motorrad angesehen und von der Abfahrt habe ich mir Videomaterial häufiger angeschaut."
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Lehrbuch-Konter von Bettiol entscheidet spannendes Finale
Quelle: Eurosport
Vor allem die Kenntnis der zum Ende hin besonders steilen Rampe von Ungiasca war Gold wert: Im Anstieg dort folgte Bettiol dem Tempo von Leknessund mit ein paar Metern Abstand und schien den Gegner so in Sicherheit zu wiegen - um dann eine perfekt getimete Attacke auf den steilen letzten 100 Metern zu setzen, am Norweger vorbeizufliegen und von da an allein ins Ziel zu fahren.
2. Ausreißer verpassen den Moment zur Attacke
Eine wahre Tempojagd war die Fahrt an Mailand vorbei über weitgehend flache Straßen gen Norden: Fast 49 km/h standen am Ende als Stundenmittel für Sieger Bettiol auf dem Tacho.
Doch so sehr die Spitzengruppe mit letztlich mehr als zehn Minuten Vorsprung aufs Hauptfeld auf die Anstiege am Lago Maggiore zurauschte, so sehr musste man sich fragen: Wieso eigentlich? Wieso fährt man gemeinsam wie ein Hochgeschwindigkeitszug, anstatt sich gegenseitig zu attackieren und taktisch auseinanderzunehmen?
"Sie können doch nicht mit 15 Mann an den Berg ranfahren und dann merken 14: Oh, ich kann ja gar nicht gewinnen", wunderte sich auch Eurosport-Experte Jens Voigt im Live-Kommentar bei noch gut 30 zu fahrenden Kilometern. Doch genau so kam es!
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"Zu steil für mich": Schweizer Jacobs reagiert auf 13. Etappe
Quelle: Eurosport
Die Gruppe fuhr geschlossen auf die zwei Steigungen vor Verbania zu und dort setzte sich schließlich der auf dem Papier stärkste Kletterer der Gruppe, Andreas Leknessund von Uno-X, an die Spitze, fuhr sein Tempo den Ungiasca-Anstieg hinauf und hängte alle anderen ab - bis auf Bettiol, der über sich hinauswuchs.
"Es war etwas komisch, dass niemand etwas vor den Anstiegen versucht hat", wunderte sich auch Leknmessunds Uno-X-Teamkollege Markus Hoelgaard am Eurosport-Mikrofon über das wenig taktische Verhalten der Konkurrenz. "Deshalb haben wir uns darauf verständigt, dass wir darauf setzen, das über die Beine zu lösen und Leknessund unsere beste Chance ist. Er hat dann einen guten Versuch gesetzt und wurde vom Stärkeren geschlagen - so ist das manchmal."
Groupama setzte voll auf den neuseeländischen Neuprofi Josh Kench, anstatt seine Überzahl mit drei Mann in der 15-Mann-Gruppe auszuspielen. Und auch erfahrene Klassikerjäger wie Jasper Stuyven oder Michael Valgren mussten sich fragen lassen, ob sie nicht vielleicht doch vor dem Kletterduell mit Leknessund und Bettiol schon etwas hätten versuchen sollen, anstatt dann ohnehin chancenlos zu sein.
3. Ruhe vor dem Sturm im Aostatal
Auch wenn die Rampe von Ungiasca durchaus das Potential für einen Angriff in der Gesamtwertung gehabt hätte, blieb es rund um das Rosa Trikot von Afonso Eulalio sowie Jonas Vingegaard, Felix Gall und Co. in Verbania ruhig. Friedlich erreichten die Klassementfahrer alle zusammen mit 13 Minuten Rückstand den Zielstrich am Lago Maggiore.
Der Grund? Das Profil der brutalen ersten Alpenetappe über zwar nur 133 Kilometer aber fünf kategorisierte Anstiege und mit einer schweren Bergankunft in Pila warf bereits seine zackigen Schatten voraus.
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Vorentscheidung um Rosa? Vingegaard mit Kampfansage
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"Es wäre sicher schön gewesen, an diesem letzten Anstieg richtig Rennen zu fahren. Aber ich denke, jeder denkt schon an morgen", sagte der Gesamtfünfte Ben O'Connor (Jayco-AlUla) im Etappenziel und meinte außerdem mit Blick auf die in Richtung 30 Grad gekletterten Temperaturen: "Es hat mich nicht gestört, den zusätzlichen Tag zum Akklimatisieren zu haben."
Wie O'Connor, so sahen es auch die anderen GC-Aspiranten und der Giro-Sieger von 2022, Jai Hindley (Red Bull-Bora-hansgrohe) betonte: "Morgen ist ein großer Tag. Das wird eine wirklich ehrliche Etappe - wir kletten quasi von Start bis Ziel. Da musst Du einfach die Beine haben." Dementsprechend wurden jene Beine am Freitag so gut es geht geschont.
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Kampf ums Rosa Trikot in den Bergen: "Dann könnte es einen Knall geben"
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Top-Favorit Jonas Vingegaard (Visma-Lease a Bike) erklärte übrigens, dass er den Tag im Aostatal sogar schon länger ganz vorne in seinem Kopf habe:
"Ehrlich gesagt habe ich mich die ganze Zeit schon sehr auf die morgige Etappe gefreut. Schon seit ich den Giro-Parcours zum ersten Mal gesehen habe, wusste ich, dass das eine der härtesten Etappen ist - nicht superlang, aber man kann da großen Schaden anrichten", sagte der Däne und sprach damit fast schon eine Drohung an die Konkurrenz aus. Am Samstag gilt's!
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Giro-Strecke: Profil der 14. Etappe - der erste großer Alpen-Tag
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