Giro d'Italia - Drei Dinge, die auffielen: Vingegaard macht, was er will - Red Bull auch ohne Pellizzari auf Podestkurs
VonFelix Mattis
Publiziert 26/05/2026 um 23:10 GMT+2 Uhr
Zum Auftakt der Schlusswoche beim Giro d'Italia haben Jonas Vingegaard und Visma-Lease a Bike ihre dominante Vorstellung fortgesetzt: Vier Bergankünfte, vier Siege für den Dänen. Wie souverän die Gelbschwarzen sind, das verriet Edelhelfer Davide Piganzoli. Außerdem: Red Bull ist trotz Pellizzari-Einbruch auf Podiumskurs und Giulio Ciccone darf weiter von Blau träumen. Drei Dinge, die auffielen.
Highlights: Nächste Machtdemonstration - Vingegaard enteilt Konkurrenz
Quelle: Eurosport
Während Jonas Vingegaard wieder einmal allen anderen davonfuhr und sich den nächsten Tagessieg sicherte, hat sich der Kampf um die Plätze hinter ihm auf Etappe 16 weiter zugespitzt.
Felix Gall übernahm den zweiten Gesamtrang, Thymen Arensman rückte auf drei vor und Jai Hindley auf Platz vier - das Trio liegt innerhalb von einer Minute und es scheint völlig offen, wer am Ende Zweiter, Dritter oder Vierter in Rom ist.
Entschieden scheint dagegen der Kampf ums Bergtrikot, pro Vingegaard. Doch das stimmt gar nicht.
Drei Dinge, die auf der 16. Etappe auffielen:
1.) Vingegaard denkt schon an Spielchen
Dass Jonas Vingegaard bei diesem Giro d'Italia am Berg mit seinem Team Visma-Lease a Bike dominiert und quasi macht, was er will, war auf Etappe 16 keine neue Erkenntnis.
Schon bei den Interviews im Startort Bellinzona machte er unmissverständlich klar, dass er dieses Teilstück gerne im Rosa Trikot gewinnen würde - so ein Siegerfoto im Leaderjersey, das hat einfach jeder gern in seiner Sammlung.
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Vingegaard nach viertem Sieg: "Wollte unbedingt im Maglia Rosa gewinnen"
Quelle: Eurosport
Und dann tat Vingegaard eben auch genau das: Bereits 6,6 Kilometer vor dem Ziel attackierte der Däne, hängte quasi sofort alle Kontrahenten ab und pedalierte fortan allein bis zur Linie. Die erreichte der 29-Jährige 1:09 Minuten vor dem Zweitplatzierten Felix Gall (Decathlon-CMA CGM) und damit mit dem größten Vorsprung, den er bei diesem Giro bislang auf einer Etappe hatte.
Vingegaard ist damit weiterhin auf Kurs Giro-Sieg und auch auf Kurs Pogacar 2024. Der Slowene gewann den Giro damals mit 9:57 Minuten Vorsprung auf den Zweitplatzierten und holte sechs Etappensiege. Vingegaard steht jetzt bei 4:03 Minuten und vier Etappensiegen.
Doch als ob das noch nicht genug wäre, brachte das Visma-Team seine Dominanz beim Giro-Gastspiel in der Schweiz noch auf eine andere Art und Weise zum Ausdruck: "Jonas hat mir während des Rennens gesagt, wenn ich mich besser fühle, kann ich auch attackieren", sagte Vingegaards Edelhelfer Davide Piganzoli im Ziel am Eurosport-Mikrofon.
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Voigt analysiert Visma-Dominanz: "Die spüren gar keine Schmerzen mehr"
Quelle: Eurosport
Attackiert hat der Italiener zwar dann nicht, doch er kletterte im Gesamtklassement auf Platz acht - und die Tatsache, dass man dem Helfer auf einer wichtigen Bergetappe die Erlaubnis zur Attacke erteilt, zeugt schon von ganz besonderer Selbstsicherheit bei den Gelbschwarzen.
2.) Red Bull auch ohne Pellizzari auf Podiumskurs
Zwei Wochen lang ist es gutgegangen und nach Etappe 14 am Samstag in Pila schien die Konstellation mit der Doppelspitze für die Red-Bull-Kapitäne Jai Hindley und Giulio Pellizzari im Kampf um die Podestplätze das Ass im Ärmel werden zu können.
Etappe 16 in Carì nun aber sorgte für einen Tiefschlag: Ausgerechnet als die Red-Bull-Mannen am Fuß des elf Kilometer langen Schlussanstiegs das Tempo vorgaben, um die Konkurrenz unter Druck zu setzen, fiel der eigene Co-Leader zurück:
Pellizzari konnte nicht mehr mithalten, brach völlig ein und verlor schließlich ganze 18 Minuten. Schon vor zehn Tagen hatte er gekränkelt, der Magen machte dem Italiener im Verlauf des Giros immer wieder zu schaffen - und nun war der Akku endgültig leer.
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Nächste Machtdemonstration von Vingegaard bei Bergankunft
Quelle: Eurosport
Trotzdem aber mussten die Salzburger im Tagesziel nicht völlig unglücklich sein. Denn das Gute an einer Doppelspitze ist, dass selbst wenn 50 Prozent wegfallen, immer noch 100 Prozent übrig sind. Und diese 100 Prozent machen einen immer besseren Eindruck:
Hindley kam zwei Sekunden hinter Gall als Dritter in Carì an und war damit so nah am zweiten Platz, wie bei bislang noch keiner der Giro-Bergankünfte 2026. Und auch in der Gesamtwertung ist der Australier so nah am Podium, wie seit Etappe 6 nicht mehr: 33 Sekunden fehlen dem Maglia Rosa von 2022 zu Rang drei von Arensman, 57 zum Zweiten Gall.
Beide sind noch voll in Reichweite - zumal der Trend für Hindley spricht und noch zwei wirklich brutale Hochgebirgsetappen warten. Bei seinem Giro-Sieg vor vier Jahren eroberte er Rosa auch erst auf der letzten Bergetappe am Vorschlusstag.
3.) Ciccone wirkt machtlos, hat aber eine Chance
Es ist schon fies: Da kämpfst Du ewig lang um einen Platz in der Spitzengruppe, gewinnst anschließend die ersten vier von fünf Bergpreisen auf der Etappe und am Ende machst Du trotzdem nur vier mickrige Pünktchen im Kampf ums Blaue Trikot gut.
Giulio Ciccone (Lidl-Trek) kann einem bei diesem Giro regelrecht leidtun. Der Italiener erfüllte sich auf Etappe 4 in Cosenza zwar den Kindheitstraum vom Maglia Rosa, doch seither ist er der tragische Held dieser Italien-Rundfahrt. Seine ewige Jagd nach einem Etappensieg als Ausreißer wurde bislang nicht belohnt - und nun ist beim Sekundärziel Bergtrikot auch noch das Punktesystem gegen den 31-Jährigen:
Weil es beim Giro bei den Kategorie-1-Bergankünften ganze 50 Punkte gibt und Vingegaard alle vier bisherigen gewonnen hat, führt der Däne auch die Sonderwertung souverän mit 211 Zählern vor dem fleißigen Punktesammler Ciccone (129) an. Der scheint regelrecht machtlos gegen den Dominator im Rosa Trikot.
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Aldag kritisiert Punktesystem: "Dann kannst du das Trikot gleich mit Visma drucken"
Quelle: Eurosport
Nun, klar: Vingegaard ist der beste Bergfahrer und verdient auch den Sieg in der entsprechenden Sonderwertung, könnte man sagen. Radsport-Romantiker aber sehen das Bergtrikot lieber bei einem, der drei Wochen lang immer wieder attackiert und um kleinere Wertungen kämpft, denn als Mitgift beim Gesamtsieger.
Und all diesen Romantikern sei Mut zugesprochen: Verloren ist Ciccones Kampf längst nicht - im Gegenteil! Sollte er sich am Mittwoch, Donnerstag oder Samstag nur einen einzigen der fünf noch winkenden Kategorie-3-Bergpreise sichern, so könnte ihm die Königsetappe des Giros am Freitag in den Dolomiten mit einer Flucht à la Etappe 16 genügen, um das Bergtrikot in Rom zu gewinnen - selbst wenn Vingegaard beide noch ausstehenden Bergankünft gewänne. Wir haben's durchgerechnet.
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Giro-Strecke: Profil der 17. Etappe - Klassiker-Profil am Fuß der Berge
Quelle: Eurosport
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