Giro d'Italia - Drei Dinge, die auffielen: Lidl-Trek rettet Rennen in Rom, Gall lässt hinter Vingegaard aufhorchen

Jonas Vingegaard bestimmte das Rennen - und nach dem Schlusstag des Giro d'Italia auch die Schlagzeilen bei dieser Rundfahrt. Beeindruckend dominant ging der Däne in diesen Giro und ließ von Anfang an keinen Zweifel an seiner Vormachtstellung aufkommen. Auch die Männer von Lidl-Trek fuhren im Rampenlicht und der Österreicher Felix Gall ließ aufhorchen. Drei Dinge, die beim Giro auffielen.

Siegerehrung: Vingegaard hebt Trofeo Senza Fine in die Höhe

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Jonas Vingegaard fuhr erst die Konkurrenz in Grund und Boden, scheinbar ohne damit an sein Limit gehen zu müssen und mit nonchalanter Lockerheit in den Interviews. Am Schlusstag in Rom wurde er aber dann doch emotional, als er sich seinen historischen Traum erfüllen konnte.
Der Däne steigt mit diesem Sieg in den Olymp des Radsports auf. Nach seiner beeindruckenden Leistung wird sein Duell mit Tadej Pogacar im Juli bei der Tour de France mit umso größerer Spannung erwartet.
Er und sein Team Visma-Lease a Bike beherrschten das Rennen, schrieben aber nicht als einzige die Geschichten dieser Italien-Rundfahrt. Die drei Wochen wurden auch geprägt von den unermüdlichen Versuchen der deutschen Equipe Lidl-Trek, endlich einen Tagessieg einzufahren, der am Schlusstag endlich in Erfüllung ging.
Felix Gall stieg mit seinem zweiten Platz in der Gesamtwertung in den Kreis der ernst zu nehmenden Klassement-Fahrer dieser Generation auf - und wie so oft bei einer Grand Tour waren es die Underdogs, die dem Rennen die besondere Würze verliehen.
Drei Dinge, die beim Giro d'Italia auffielen:
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Highlights: Sprint um letzten Etappensieg - Vingegaard feiert in Rosa

Quelle: Eurosport

1. Lidl-Trek rettet Giro am Schlusstag

Alle 151 Fahrer, die in Rom über den Zielstrich fuhren, hatten eine gewisse Erleichterung im Blick. Sie haben die drei Wochen durch Bulgarien, die Schweiz und Italien überstanden. Natürlich strahlten die Gesichter der Visma-Profis und -Funktionäre am hellsten, dank des Gesamtsieges durch Vingegaard, sechs Etappensiegen und dem Gewinn der Mannschaftswertung.
Fast ebenso ausgelassen waren die Männer von Lidl-Trek. Der Giro lief nicht nach den Vorstellungen des deutschen Teams. Jonathan Milan kam in den wenigen Massensprints nicht an Paul Magnier vorbei, Giulio Ciccone war der große Pechvogel in diversen Ausreißergruppen bei diesem Giro. Kapitän Derek Gee-West fuhr bei den Favoriten mit - aber ums Podium konkurrierte er nie.
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Sprintsieg in Rom: Milan darf am Schlusstag doch noch jubeln

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Dann kam der Schlusstag in Rom. Und endlich lief bei einer der aktivsten Mannschaften bei dieser Rundfahrt alles zusammen. Milan war im Sprint eindeutig der stärkste, im Ziel konnte man sehen, wie viel von den Fahrern in diesem Moment abfiel.
"Der Druck war immens hoch", sagte der sportliche Leiter Bernhard Eisel im Eurosport-Interview. AUf den Straßen der Ewigen Stadt arbeiteten alle acht Fahrer für diese letzte Chance. Von den Kletterern Ciccone und Gee-West über den "Ausreißer-Aufpasser" Matteo Sobbrero bis zu den Milan-Anfahrern Max Walscheid und Tim Torn Teutenberg.
Milan hielt dem Druck stand und bedankte sich mit dem ersehnten Etappensieg für die Vorarbeit. Dann brachen alle Dämme. Eisel ließ verlauten, dass Walscheid keine 20 Minuten nach Etappenende begonnen habe, "den Teambus zu zerlegen" und Teutenberg gab direkt einen Partybefehl: "Heute wird eskaliert", sagte er am Eurosport-Mikrofon. Ende gut, alles gut für Lidl-Trek.
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Teutenberg nach ersehntem Lidl-Etappensieg: "Heute wird eskaliert"

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2. Gall meldet sich im Konzert der Großen an

Stiller, aber ebenso zufrieden feierte Felix Gall seinen zweiten Platz bei diesem Giro. Von Anfang an lag der Österreicher auf Podiumskurs. Bei den ersten Bergankünften lag er sogar näher am Dominator Vingegaard als an der Konkurrenz.
Auch wenn sich dieses Blatt wendete, war sein zweiter Platz nie ernsthaft in Gefahr. Mit gleichmäßig hohem Tempo kurbelte Gall die Pässe hinauf - und weiten Teilen der Konkurrenz davon. Es ist der größte Erfolg seiner Karriere und zeigt: Der Decathlon-CMA CGM-Profi ist ein ernst zu nehmender Klassement-Fahrer, der sich nur vor den "Außerirdischen" Vingegaard und Tadej Pogacar verstecken muss.
"Der beste Felix Gall aller Zeiten", adelte sein sportlicher Leiter Luke Roberts den Österreicher. Schon nach der letzten Bergetappe nach Piancavallo wies Gall daraufhin, dass in diesen drei Wochen viel zusammenlief.
"Wir sind in den Giro gekommen mit dem Ziel eines Podestplatzes", sagte er. "Ich wusste, dass das möglich sein würde, jedoch viel zusammenkommen müsste. Wir haben sicher viel richtig gemacht in der Vorbereitung. Ich war physisch vielleicht einfach ein kleines bisschen besser als normalerweise und dann haben auch die anderen Dinge gepasst: Wir hatten kein Pech, keinen Sturz, mehr oder weniger keine Krankheit im Team. Es war ziemlich perfekt."
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Gall stolz nach Podium beim Giro: "Das große Ziel"

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Das nächste große Ziel des 28-Jährigen ist die Vuelta im August. Bis dahin ist viel Zeit, die Gall auch einmal ohne Rad genießen möchte: "Ich werde mit meiner Freundin noch ein paar Tage in Rom bleiben, denn obwohl ich vor 15 Jahren schon einmal als Kind hier war, habe ich nicht mehr viele Erinnerungen an diese tolle Stadt. Ich freue mich jetzt einfach erst mal nicht mehr auf dem Rad zu sitzen und nichts zu tun", sagte ein glücklicher, aber müder Gall.

3. Der Giro lässt die Underdogs jubeln

Die großen Stücke des Kuchens bei den Grand Tours gehen an die "Super-Teams". Auch der Giro war da keine Ausnahme. Visma eroberte mit seinem Superstar das Rosa Trikot und gewann sechs Etappen.
Das UAE-Team verlor frühzeitig seine heißesten Anwärter auf Etappensiege und eine gute Position im Gesamtklassement mit Adam Yates, Jay Vine und Marc Soler. Das Team raufte sich zusammen, gewann mit Jhonatan Narváez (drei) und Igor Arrieta insgesamt vier Etappen.
Doch es waren die Underdogs, die sich ihre Zeit im Rampenlicht redlich verdient. Dazu zählte auch Paul Magnier. Der 22-Jährige war schon vor dem Giro kein unbeschriebenes Blatt, aber nicht der große Favorit auf das Punktetrikot und Etappensiege.
Mit einem erfahrenen Anfahrer holte der junge Franzose aus den wenigen Gelegenheiten für Sprinter (fast) das Maximum heraus, gewann drei Etappen und gewann das Maglia Ciclamino.
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Voigt lobt Magnier im Velo Club: "Drängelt sich nach vorn"

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Ein Grund, dass es zu wenigen Massensprints kam, war der Coup von Frederik Dversnes (Uno-X Mobility) in Neapel. Eine Ausreißergruppe hielt gegen die Sprinter-Armada stand, der Norweger triumphierte sogar mit Ansage. Sein Teamkollege Andreas Leknessund war fast täglich in der Ausreißergruppe des Tages zu finden - dreimal wurde er Zweiter.
Dann war da noch Afonso Eulálio (Bahrain Victorious), der neun Tage das Rosa Trikot trug und sich als Außenseiter den sechsten Platz in der Gesamtwertung und das Weiße Trikot sicherte - mit viel Kampfgeist, Leidenswillen und einem erfrischenden Realismus in den Interviews.
Es ist erst das zweite Profijahr des Portugiesen, der zeigte, dass er zu Höherem berufen sein könnte. Die Stars beherrschen die Szene, aber eine Grand Tour zeichnet sich durch Erfolge und Niederlagen der "anderen", unbekannten Fahrer aus. Auch beim Giro 2026.
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Vingegaard nach Giro-Sieg emotional: "Familie ist immer für mich da"

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