Florian Lipowitz und Remco Evenepoel: Doppelspitze bei Tour de France im Duell mit Tadej Pogacar und Paul Seixas?
Florian Lipowitz oder Remco Evenepoel? Die Diskussion über die Kapitänsrolle bei der Tour de France im Team Red Bull-Bora-hansgrohe bewegt die Radsport-Fans. Die Eurosport-Experten haben eine klare Meinung zu dieser Frage, blicken aber auch auf Supertalent Paul Seixas und dessen Perspektiven bei seiner ersten Frankreich-Rundfahrt. Wer kann Weltmeister Tadej Pogacar im Juli wirklich herausfordern?
Experten-Talk: Klartext zum Duo Lipowitz und Evenepoel bei der Tour
Quelle: Eurosport
Mit seinen Attacken auf Tadej Pogacar im direkten Duell mit dem Superstar hat Florian Lipowitz bei der Tour de Romandie für Aufsehen gesorgt. Ob der Tour-Dritte von 2025 in diesem Jahr dem Slowenen auch über drei Wochen Paroli bieten kann und wie die Zusammenarbeit mit Neuzugang Remco Evenepoel im deutschen Topteam aussehen dürfte, wird immer wieder kontrovers diskutiert.
Die drei Eurosport-Experten Rolf Aldag, Robert Bengsch und Karsten Migels sind sich im exklusiven Gespräch in ihrer Einschätzung der Kräfteverhältnisse mit Blick auf die Kapitänsrolle einig: "Florian wird der Kapitän", bringt es Aldag auf den Punkt und Migels fasst die Erklärung des Trios zusammen: "Lipowitz hat an längeren Steigungen einen Vorteil gegenüber Evenepoel, ich denke, er ist im Hochgebirge stärker".
Seine Stärke zeigte der 25-Jährige zuletzt in der Schweiz eindrucksvoll, nur wenige Sekunden trennten ihn vom Seriensieger am Ende der sechs Etappen. "Florian hat nochmals einen Riesenschritt nach vorne gemacht", lobt Migels, "er hat keine Scheu vor dem großen Namen, das haben seine Attacken gezeigt. Er wird immer wieder versuchen, ihn zu attackieren und die Tour de Romandie gibt ihm Selbstbewusstsein, das ist super".
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/05/03/image-45587739-95e5-45df-be58-53db78f1aa5b-85-2560-1440.jpeg)
Pogacar nicht zu schlagen: Lipowitz unterliegt im direkten Duell
Quelle: Eurosport
Aldag: "Florian wird dürfen und wird können"
Entsprechend selbstbewusst werde Lipowitz beim Tour-Start in Barcelona antreten, ist sich Bengsch sicher. "Er weiß, dass er Mitfavorit ist, das ist eine neue Rolle zum Vorjahr und ein riesiger Unterschied."
Schon der Auftakt in Katalonien ist für alle Topfahrer enorm wichtig, denn im Mannschaftszeitfahren geht es gleich um jede Sekunde. Aldag rechnet dort mit einem Sieg für Red Bull-Bora-hansgrohe, ohne dass damit die Kapitänsrolle dauerhaft festgelegt würde, im Gegenteil:
"Mein Szenario ist: Red Bull gewinnt die erste Etappe, Evenepoel übernimmt Gelb - und dann ist auch das Medieninteresse bei Lipowitz nicht mehr so groß. Aber sobald der erste große Berg kommt, kann Remco nicht mitfahren und Florian wird der Kapitän."
Aldag, der mehrere Jahre selbst Verantwortung in der Sportlichen Leitung von Red Bull trug und Lipowitz im letzten Jahr aufs Tour-Podest führte, erwartet angesichts der Kletterstärke seines einstigen Schützlings keine Debatten um die Kapitänsrolle beim Rennstall. "Remco ist ein natürlicher Leader und von sich aus gibt er die Rolle nicht auf, dafür ist er auch nicht geholt worden", aber der Deutsche müsse deswegen seine Ambitionen nicht hintenan stellen: "Florian wird dürfen und wird können, deshalb wird es die Diskussion nicht geben."
Die direkte Zusammenarbeit der beiden Spitzenfahrer hat in diesem Jahr schon gut funktioniert, interne Hahnenkämpfe erwarten die Experten daher nicht. "Wie Evenepoel in Katalonien für Lipowitz gefahren ist und da den Schalter umgelegt hat, war sensationell", lobt Bengsch, der alle Rennen der Saison intensivst begleitet und verfolgt hat. "Bisher hat das Zusammenspiel mit Evenepoel gut funktioniert, die beiden haben sich gefunden und scheinen sich gut zu verstehen", bestätigt auch Migels, seit Jahrzehnten einer der besten Kenner der Szene überhaupt.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/03/29/image-c6160b6d-0b92-4e80-a5aa-aef7dc608df3-85-2560-1440.png)
Highlights der Schlussetappe: Lipowitz und Evenepoel auf Siegjagd
Quelle: Eurosport
Lipowitz in Bergen stärker als Evenepoel
Mit einer Doppelspitze bei der Tour antreten zu können ist aus Sicht von Aldag für Red Bull ein großes Plus. Denn Lipowitz könne damit im Falle einer Schwäche von Evenepoel zum Erfolgsgaranten werden und den Belgier im Rampenlicht ablösen: "Da wurden hohe zweistellige Millionenbeträge investiert", erinnert er an den Transfer des Olympiasiegers, "und das nicht, um das Amstel Gold Race zu gewinnen, sondern um bei Grand Tours dabei zu sein. Aber an den langen Bergen ist es nicht mehr entscheidend, was du willst und ob du ein Leader bist, sondern was du kannst. Und Florian ist der bessere Rennfahrer, wenn es lange berghoch geht", betont der Insider.
Skeptischer sieht Aldag die Chancen, Dominator Pogacar wirklich mit wechselnden Attacken einer Doppelspitze in Bedrängnis bringen zu können. "Das wäre der Idealfall und eine Traumvorstellung. Ob sie realistisch ist? Da habe ich so meine Zweifel, dass Remco am Berg so attackieren kann. Die Frage ist, wie sieht die Abwehrmaßnahme aus und da würde ich del Toro nicht unbedingt als schlechter einschätzen, wenn der dann dahinter Tempo fährt."
Solche Angriffe seien auch nicht ohne Risiko, warnt der Ex-Profi: "Oft sind diese Attacken als "Alles oder nichts" angelegt, also es wird attackiert - und wenn man dann eingeholt würde, wird man abgehängt und es gibt die Doppelspitze nicht mehr. Man kann das Szenario einmal spielen, aber ich denke, die Gegner sind zu stark und können parieren."
/origin-imgresizer.eurosport.com/2022/07/13/3409940-69678968-2560-1440.png)
Highlights: Pogacar bricht ein - Jumbo-Visma krönt Sahnetag in den Alpen
Quelle: Eurosport
Pogacar noch stärker als bei Tour 2025
Die herausragende Klasse von Pogacar bleibt dabei für Bengsch die größte Herausforderung für alle Rivalen. Der Tour-Titelverteidiger sei in dieser Saison stärker denn je: "Der Pogacar von heute würde den Pogacar von 2025 abhängen. Es gab also noch einmal eine unglaubliche Leistungsentwicklung bei ihm - Pogacar bleibt der Mann, den es zu schlagen gilt."
Dass Lipowitz in diesem Jahr eine neue Herangehensweise wählt und seinen Fahrplan zur Tour de France anders gestaltet, sieht Aldag derweil positiv. Auf dem Programm steht im Juni diesmal die Slowenien-Rundfahrt, die kürzer, leichter und weniger stark besetzt ist als die klassischen Tour-Generalproben in der Schweiz und Frankreich. "Die Idee ist, dass er frischer in die Tour geht als letztes Jahr, als er bei der Dauphiné schon richtig investieren musste. Das ist ein guter Ansatz", erklärt Aldag.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/04/26/image-f687061d-e778-4987-8a61-c490460fb12a-85-2560-1440.jpeg)
Pogacar kann Seixas nicht abschütteln - Evenepoel hat Probleme
Quelle: Eurosport
Seixas bei der Tour: Hype als Risiko
In den Kampf der etablierten Rundfahrtspezialisten wird bei der Tour de France 2026 erstmals auch Supertalent Paul Seixas eingreifen. Dem Franzosen traut Aldag im Bestfall auf Anhieb einen Spitzenplatz in der Gesamtwertung zu. "Es gibt auch ein Szenario mit einem Tour-Podium aus Pogacar, Jonas Vingegaard und Seixas - und dann ist die ganze Debatte über die Kapitänsrolle bei Red Bull Makulatur", gibt er zu bedenken.
"Seixas muss erst einmal mit dem wahnsinnigen Druck umgehen in Frankreich", warnt Migels aber vor überzogenen Erwartungen an den 19-Jährigen, "dieses Jahr schauen wir mal, wie weit er kommt - in der Zukunft kann er die Tour auf jeden Fall gewinnen."
Der Rückenwind durch die erfolgshungrigen französischen Fans kann dabei Fluch und Segen für den Teenager sein. "Der Hype beflügelt ihn, aber ich sehe da auch Risiken", urteilt Aldag," Seixas muss gegen sein Naturell fahren, um die dritte Tour-Woche zu überstehen". Die Unbekümmertheit sei aber auch die große Stärke des Himmelsstürmers, ergänzt Bengsch: "Seixas ist unglaublich locker, damit traue ich ihm sehr viel zu. Das wird spannend!"
Das könnte Dich auch interessieren: Tour-Mission läuft: Pogacar startet Höhentrainingslager
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/12/18/image-04b70163-257f-420d-b1eb-96119a8f56d1-85-2560-1440.jpeg)
Aldag hofft auf Kämna bei der Tour 2026: "Würde mitfeiern"
Quelle: Eurosport
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/12/18/image-501de6cc-5a93-472f-ba7e-2a32bf0eb94e-68-310-310.jpeg)