Giro d'Italia - Drei Dinge, die auffielen: Vingegaard lässt Federn, die Spannung steigt und Walscheid empfiehlt sich

Das 42 Kilometer lange, flache Einzelzeitfahren des Giro d'Italia in der Toskana hat einerseits den deutlichen Favoritensieg von Filippo Ganna gebracht. Andererseits aber konnte Jonas Vingegaard keineswegs die erwartete Vorentscheidung im Kampf um Rosa herbeiführen. Diese Italien-Rundfahrt könnte spannender werden, als man denkt. Dazu glänzte ein Deutscher. Drei Dinge, die auf Etappe 10 auffielen.

Zeitfahr-Highlights: Eulálio verteidigt Rosa gegen Vingegaard

Quelle: Eurosport

Der dominante Auftritt von Filippo Ganna war in Massa keine Überraschung. Trotzdem muss man festhalten: Bei knapp zwei Minuten Vorsprung im Tagesklassement auf alle anderen war der Auftritt des Italieners selbst für seine Verhältnisse sehr beeindruckend.
Das galt hinter ihm aber auch für seinen Teamkollegen Thymen Arensman, der in der Gesamtwertung viel Boden gutmachte und einmal mehr unterstrich, dass die Mannschaft Netcompany-Ineos momentan in Sachen Zeitfahren insgesamt das Maß der Dinge ist.
Fast schon als enttäuschend konnte man dagegen die Leistung von Jonas Vingegaard (Visma-Lease a Bike) bezeichnen. Der Topfavorit auf den Giro-Sieg kam nicht in die Top Ten. Dafür aber glänzte in Massa der früh gestartete Max Walscheid - trotz eben jenes frühen Starts.
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Ganna "wie auf Schienen": Mit 460 Watt zum Zeitfahr-Sieg

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Drei Dinge, die auf der 10. Etappe auffielen:

1. Vingegaard macht den Sack noch nicht zu

Vor dem Kampf gegen die Uhr zwischen Viareggio und Massa erwarteten viele, dass Vingegaard am Abend nicht nur das Rosa Trikot übernehmen, sondern den Kampf um selbiges auch nahezu vorentscheiden würde.
Beides aber gelang dem Dänen nicht - im Gegenteil: Vingegaard wurde 2:59 Minuten hinter Tagessieger Ganna nur Etappen-13., verlor mehr als eine Minute auf Arensman, 44 Sekunden auf Derek Gee-West (Lidl-Trek) und sogar auf Ben O'Connor (Jayco-AlUla) 18 Sekunden. Er blieb auf Gesamtrang zwei, nun noch 27 Sekunden hinter dem Portugiesen Afonso Eulalio (Bahrain Victorious), obwohl der alles andere als ein Zeitfahr-Ass ist.
"Er schien heute nicht den besten Tag zu haben. Rad, Position und Material sahen gut aus. Er war einfach nicht schnell genug", meinte Eurosport-Experte Jens Voigt im Velo Club. "Alle hatten einen guten, stabilen Tag, außer Jonas - der ist unter seinen eigenen Erwartungen geblieben."
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Voigt im Velo Club über Vingegaard: "Unter den Erwartungen geblieben"

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Vingegaard selbst gab sich dagegen gar nicht unglücklich. "Ich denke, ich kann zufrieden sein. Es war ein schreckliches, schreckliches Zeitfahren - 40 Kilometer flach, 20 davon ohne Kurve. Jeder, der heute voll gefahren ist, wird morgen Schmerzen im Gluteus haben - oder heute schon. Jedenfalls habe ich die", lachte er am Eurosport-Mikrofon und meinte dann:
"Der Giro läuft bislang nach Plan. Ich habe zwei Etappensiege, bin sehr glücklich. Natürlich hätte ich Rosa jetzt gern, aber ich hoffe auf die nächsten Tage. Wir sind in einer guten Position."
Tatsächlich ist Vingegaard noch immer der Erste der Kandidaten auf den Gesamtsieg und seine Erfolge bei den bisherigen Bergankünften an Blockhaus und Corno alle Scale zeigen: Nach wie vor geht Rosa in Rom nur über ihn.
Doch auch dass der 29-Jährige im völlig flachen Kampf gegen die Uhr seine direkten Konkurrenten nicht dominierte, durfte beim näheren Blick auf seine jüngere Zeitfahr-Geschichte eigentlich auch niemand enttäuschen. Denn so stark Vingegaard bei schweren Zeitfahren, wie damals bei der Tour de France 2023 in Combloux auch war, so wenig glänzte er seitdem auf völlig flachen Strecken:
Bei der Vuelta a Espana 2023, die er hinter Teamkollege Sepp Kuss als Gesamtzweiter beendete, war er in Valladolid über flache 26 Kilometer Zehnter, verlor Boden auf seine GC-Gegner Remco Evenepoel, Primoz Roglic, Joao Almeida, Aleksandr Vlasov und Juan Ayuso.
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Meister im Kampf gegen die Uhr: Evenepoel hängt Pogacar und Co. ab

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Bei der Tour de France 2025 wurde er in Caen auf 33 flachen Kilometern 13. und landete damit sogar hinter seinem eigenen Edelhelfer Matteo Jorgenson - ganz zu schweigen von Evenepoel, Tadej Pogacar, Kévin Vauquelin, Florian Lipowitz, Almeida oder Roglic.
Und selbst auf dem Weg zu seinem Vuelta-Sieg 2025 musste er sich im dort nur zwölf Kilometer langen Flachland-Zeitfahren von Valladolid als Neuntplatzierter seinem Gesamtwertungs-Kontrahenten Almeida geschlagen geben.

2. Arensman schließt auf - Spannung ums Podium

Der große Gewinner in Sachen Gesamtwertung war am Dienstagnachmittag Thymen Arensman. Als Etappenzweiter hinter Teamkollege Ganna rückte der Niederländer auf den dritten Gesamtrang vor und ist damit hinter Überraschungs-Leader Eulalio sowie Top-Favorit Vingegaard nun 'Best of the Rest'.
Arensman profitierte dabei sicherlich vom Zeitfahr-Setup seines Teams, das momentan seinesgleichen sucht. Doch vor allem knüpfte der zweifache Tour-Etappensieger aus dem vergangenen Jahr mit dem Zeitfahren an seinen vielversprechenden Auftritt von der zweiten Bergankunft am Sonntag an. Nachdem er am Blockhaus am Freitag noch Zeit eingebüßt hatte, darf sich Arensman nun Hoffnungen auf sein erstes Grand-Tour-Podium machen.
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Experten analysieren Gall-Zeitfahren: "Es würde mich wundern, wenn ..."

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Der Kampf darum ist mit dem Zeitfahren aber auch so richtig spannend geworden: Felix Gall (Décathlon-CMA CGM) verlor weniger Boden, als befürchtet, Ben O'Connor (Jayco-AlUla), Michael Storer (Tudor) und Derek Gee-West (Lidl-Trek) schlugen sich allesamt sehr gut. Einzig das Red-Bull-Bora-hansgrohe-Duo Jai Hindley und Giulio Pellizzari sowie Tudor-Youngster Mathys Rondel mussten etwas Federn lassen.
Zwischen Arensman auf Gesamtrang drei und Pellizzari auf Platz neun liegen trotz des langen Zeitfahrens nur 1:39 Minuten. Das verspricht sehr viel Spannung auf den verbleibenden elf Etappen.

3. Walscheid empfiehlt sich

Schon als vierter Starter ist Max Walscheid (Lidl-Trek) in Viareggio von der Startrampe gerollt und kurz vor Rennhalbzeit war der Deutsche sogar der erste Mann auf der Strecke: Bis dahin nämlich hatte er das vor ihm gestartete Trio bereits überholt. Im Ziel dann hielt der 32-Jährige für eine gute halbe Stunde die Bestzeit, bis ihn der Niederländer Sjoerd Bax (Pinarello-Q36.5) an der Spitze ablöste.
Trotzdem aber reichten Walscheids 48:10 Minuten am Ende für Platz sechs - gemeinsam mit dem Abschluss-Zeitfahren von Mailand 2021 das beste Grand-Tour-Ergebnis in der Karriere des Heidelbergers.
"Das war wirklich, wirklich beeindruckend", zog Voigt im Velo Club den Hut vor der Leistung des Deutschen, der schon Anfang März beim Auftakt-Zeitfahren von Tirreno - Adriatico auf denselben Straßen rund um Lido di Camaiore Dritter geworden war.
Besonders stark bei Walscheid diesmal: sein Pacing. Während er an der ersten Zwischenzeit noch auf Platz 14 lag, kletterte er anschließend fleißig nach vorne. Im zweiten Sektor von Zwischenzeit eins bis zwei war er insgesamt sogar der Zweitschnellste an diesem Tag, im dritten Sektor der Drittschnellste.
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Experten loben Walscheid: "Platz drei kann man schon diskutieren"

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Und für den leichten Zeitverlust zu Beginn hatte Voigt auch eine simple Erklärung: "Die Straßen waren bei ihm (am Anfang) noch feucht, gerade in Kurven im Schatten oder unter Bäumen. Da hat er leider Zeit verloren, weil man da deutlich langsamer fahren muss", sagte er und Eurosport-Experte Rolf Aldag ordnete ein, was möglich gewesen wäre: "Natürlich wäre er nicht an Ganna rangekommen, klar - und Arensman. Aber Platz drei oder vier, das kann man schon diskutieren."
Zum dritten Platz von Rémi Cavagna (Groupama-FDJ United) fehlten Walscheid 17 Sekunden, zum Viertplatzierten Bax 13 und zu seinem eigenen Lidl-Teamkollegen Gee-West auf Platz fünf nur eine Sekunde.
Doch egal ob Dritter, Vierter, Fünfter oder Sechster: Walscheids Zeitfahrleistung war ein Statement in Richtung der Deutschen Zeitfahrmeisterschaften Ende Juni in Streufdorf in Thüringen. Außerdem hat er sich am Dienstag auch für einen Startplatz im ebenfalls überwiegend flachen WM-Einzelzeitfahren Ende September in Montréal empfohlen.
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Giro-Strecke: Profil der 11. Etappe - eine Chance für die Ausreißer

Quelle: Eurosport


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