Giro d'Italia: Max Walscheid will Jonathan Milan zu Sprintsiegen führen - Italiener jagt Rosa Trikot beim Auftakt
Der Giro d'Italia 2026 startet am Freitag in Bulgarien mit einer Flachetappe und bietet damit den Sprintstars im Starterfeld die ideale Gelegenheit, das erste Rosa Trikot der Italien-Rundfahrt zu erobern. Topfavorit ist dabei der Italiener Jonathan Milan, der dabei auf seinen Teamkollegen Max Walscheid bauen kann: Im Interview blickt der 32-Jährige auf die Ziele des deutschen Rennstalls Lidl-Trek.
Pure Dominanz: Milan gewinnt auch zweite Etappe - Ackermann Dritter
Quelle: Eurosport
Erst seit fünf Monaten sind Milan und Walscheid Teamkollegen, doch haben sie schon vier Siege gemeinsam herausgefahren. Beim 109. Giro soll diese Erfolgsserie ausgebaut werden, betont der Routinier im exklusiven Gespräch mit Eurosport vor dem Auftakt am Schwarzen Meer.
Doch Walscheid hat neben seiner Schlüsselrolle in der Sprintvorbereitung auch eigene Ambitionen, sowohl beim Giro als auch im weiteren Verlauf der Saison. Die starken Ergebnisse im Frühjahr geben dem Neuzugang dabei Rückenwind.
Mit Jonathan Milan haben Sie den Topsprinter des Giro d'Italia in Ihren Reihen, wie hat sich die Zusammenarbeit entwickelt, worauf kommt es bei ihm besonders an?
Max Walscheid: Schon bevor wir jetzt Teamkollegen wurden, kannte ich seine Fahrweise natürlich schon aus gemeinsamen Rennen und auch aus den TV-Übertragungen. Die Feinheiten haben wir dann bei den Rennen abgestimmt, das findet man am besten in Action heraus. Außerdem muss man auch den Menschen selbst gut kennen, das ist enorm wichtig, wenn man sich unter Druck und bei Höchsttempo aufeinander verlassen soll.
Und wie ist Milan als Typ – bringt er durch seine deutsche Partnerin auch Sprachkenntnisse mit?
Walscheid: Ja, er kann etwas Deutsch, aber für Wortwitze reicht es noch nicht ganz … Jonathan ist ein entspannter Typ, mit dem man sehr gut klarkommen kann, wie auch Mads Pedersen.
Welche Aufgaben hat man für ihn als erfahrener Teamkollege neben der reinen Sprintvorbereitung noch in so einer Rundfahrt?
Walscheid: Ein wichtiger Punkt ist, über die drei Wochen auch ab und zu dafür zu sorgen, dass die Motivation hoch bleibt. Ein anderer Aspekt ist z.B., auf eine sparsame Fahrweise zu achten, um die Kräfte auch mal zu schonen. Da habe ich schon eine entscheidende Rolle.
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Max Walscheid und sein Lidl-Teamkollege Jonathan Milan (l.)
Fotocredit: Getty Images
Mit Blick auf die Strecke dieses Giro: Wie viele Chancen auf Sprintsiege sehen Sie?
Walscheid: Ich habe mir die Etappen angeschaut und sehe im Bestfall sieben Sprints. Aber bei einer großen Rundfahrt geht es ganz schnell, dass ein oder zwei solcher Chancen vom Wetter oder einer starken Ausreißergruppe zunichtegemacht werden. Wichtig wäre, schon gleich bei der 1. Etappe etwas zu holen: Dort zu siegen und Jonathan ins Rosa Trikot zu fahren, ist unser erstes großes Ziel.
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Giro-Strecke: Profil der 1. Etappe - Auftakt für die Sprinter
Quelle: Eurosport
Bei seinen bislang drei großen Rundfahrten hat Milan immer auch die Punktewertung gewonnen: Bleibt das weiter ein Fokus?
Walscheid: Ja, das ist ganz klar ein Ziel für uns. Ich mache mir bei ihm keinerlei Sorgen, dass er nicht über die Bergetappen kommen könnte. Mit Topform fährt Johnny auch bei schweren Etappen mit der ersten Gruppe über den Berg, die Karenzzeit wird normalerweise kein Problem für uns werden.
Wie sieht es mit eigenen Ambitionen bei diesem Giro aus – ist z.B. das Einzelzeitfahren ein Ziel?
Walscheid: Ja, diese 10. Etappe habe ich mir dick markiert! Da würde ich gerne einen Platz ganz vorne holen, der Kurs entlang der Küste mit ein paar Abstechern ins Hinterland liegt mir und bei Zeitfahren in großen Rundfahrten habe ich mich schon gut geschlagen. Auch mit Blick auf die WM will ich da gerne zeigen, was ich draufhabe. In diesem Winter habe ich mich erstmals beim Zeitfahr-Setup um nichts kümmern müssen: Früher war da viel Eigeninitiative gefragt, jetzt habe ich bei Lidl-Trek viel Unterstützung.
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Max Walscheid überzeugt im Zeitfahren bei Tirreno-Adriatico
Fotocredit: Getty Images
Mit Ihrer Erfahrung aus vielen anderen Teams zuvor: Wie ordnen Sie den Rennstall nach den ersten gemeinsamen Monaten ein?
Walscheid: Es ist auf jeden Fall die professionellste Grundstruktur, die ich je kennengelernt habe – und da wird weiter permanent optimiert. Die Finanzkraft sorgt für Rückhalt und Stabilität, andere frühere Mannschaften hatten teilweise Ressourcenprobleme, das ist hier ganz anders.
Das Team geht neben Jonathan Milan auch mit gewissen Ambitionen in der Gesamtwertung ins Rennen. Wie kann so ein Spagat erfolgreich gelingen?
Walscheid: Ganz wichtig ist, dass es menschlich passt. Im Gesamtklassement will Derek Gee-West möglichst weit nach vorne fahren, aber er ist gleichzeitig kein absoluter Podiumskandidat. Entsprechend sind Siege im Sprint unsere klarere Chance, die wir nutzen sollten. Bei der UAE-Tour im Februar war die Konstellation mit ihm und Milan ähnlich und da war er sehr glücklich damit, wie wir das als Team gelöst haben: Am Ende standen zwei Etappensiege durch Jonathan und Platz sieben im GC für ihn.
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Highlights: Sprint-Ass Milan stellt Ausreißergruppe spät
Quelle: Eurosport
Die Konkurrenz im Sprint ist bei diesem Giro d’Italia nicht so massiv wie etwa im letzten Jahr bei Milans Tour-Premiere. Wie schätzen Sie die Rivalen ein?
Walscheid: Dylan Groenewegen ist in dieser Saison wieder sehr stark und auch Paul Magnier habe ich auf der Rechnung: Er fährt erst seine zweite GrandTour und ich habe im letzten Herbst bei der Guangxi-Rundfahrt hautnah erlebt, was er in Topform leisten kann. Kaden Groves ist lange ausgefallen und wir müssen abwarten, wie gut er schon wieder ist, Arnaud De Lie kommt rechtzeitig wieder in Schwung und Tobias Andresen darf niemand unterschätzen, genau wie Pascal Ackermann.
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Max Walscheid und sein Lidl-Teamkollege Jonathan Milan
Fotocredit: Getty Images
Wie fällt die Bilanz der Saison bis zum Giro aus, mit Platz drei im Zeitfahren bei Tirreno – Adriatico und dem elften Rang in Roubaix gab es ja auch eigene Top-Ergebnisse …
Walscheid: Im Rennstall gab es durch etliche Abgänge eine Lücke im Klassiker-Team, die ich füllen sollte: Das war eine große Aufgabe, aber ich bin ziemlich zufrieden, wie ich diese gelöst habe. Insbesondere die Zusammenarbeit mit Mads Pedersen war so gut, wie ich sie mir erhofft hatte. Dass es dazu neben den wichtigen Helferdiensten auch gute Ergebnisse gab - sowohl im Zeitfahren wie auch beim Monument in Roubaix, macht mich stolz und zufrieden.
Wie ist die Zusammenarbeit mit so einem Topstar wie Pedersen – und wie haben sie seinen Sturz und das erfolgreiche Comeback erlebt?
Walscheid: Mit und für ihn zu fahren, ist eine große Motivation. Mads hält große Stücke auf mich, erwartet aber gerade deswegen auch viel. Nach seinem Sturz bei der Valencia-Rundfahrt hatte ich ihm gleich geschrieben und auch mit dem Teamarzt telefoniert. Wie er sich dann noch rechtzeitig für die Klassiker im April zurückgekämpft hat, war ziemlich einzigartig – für sein Comeback habe ich wirklich extreme Hochachtung. Ich habe in den Wochen davor immer auf ihn gehofft, da war bei mir nie eine Überlegung, dass ich jetzt dadurch eigene Chancen bekomme, die es sonst so nicht gegeben hätte - denn Mads bringt für unser Team die größten Chancen mit, in diesen Rennen Erfolge zu holen.
Wie sieht über den Giro hinaus die weitere Saisonplanung aus – ist ganz konkret wie WM 2026 wieder ein Ziel? Medaillen mit dem Mixed-Team im Zeitfahren haben Sie im Nationaltrikot ja schon einige geholt …
walscheid: Nach dem Giro ist bisher nur klar, dass ich bei den Deutschen Meisterschaften fahren werde. Aber die WM ist ein ganz klares Ziel im weiteren Jahresverlauf, auch der BDR will wieder an die Erfolge der Mixed-Staffel anknüpfen. Ich bin da sehr heiß drauf, in Kanada um eine Medaille zu kämpfen.
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Giro-Strecke 2026: Alle 21 Etappen von Bulgarien bis Rom
Quelle: Eurosport
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